Kriminalfälle aus der Viersektorenstadt
- Pidax
- Erschienen: Januar 1989
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Ein wunderbarer, nostalgischer Rückblick.
In seiner Rubrik Hörspiel-Klassiker veröffentlicht der Pidax-Verlag regelmäßig Hörspiele, die verloren gegangen scheinen. Aktuell ist im Frühjahr 2025 eine CD erschienen: Kriminalfälle aus der Viersektorenstadt Berlin. Produziert wurden die vier Episoden noch vom Berliner Rundfunk, gesendet dann aber 1989 vom Rundfunk der DDR. Spielzeit der Episoden ist der Herbst 1946 ff. mit den britischen, amerikanischen, französischen und russischen Sektoren. Autor dieser kleinen Krimireihe ist der in Weimar verstorbene Hans Lucke (1927-2017), der sonst nur noch ein weiteres Kriminalhörspiel schrieb.
Inhalt
Alle Episoden haben eine schlichte Rahmenhandlung: Der junge Kriminalpolizist Anton begegnet einem Freund, dann widmet sich Anton einem Kriminalfall, am Ende treffen sich die Beiden erneut und tauschen Gedanken aus. Anton ist ein noch unerfahrener Ermittler, der noch auf die Spur gesetzt werden muss. Ein paar Sidekicks heitern auf: Die Vermieterin, die Anton regelmäßig mit ihrer Else verkuppeln möchte. Es kommt aber erst im letzten Fall zu einem Treffen.
- Teil 1: Der erste Fall für Anton
- Teil 2: Ein seltsamer Überfall
- Teil 3: Der Fall aus dem vierten Stock
- Teil 4: Antons großer Tausch-Fall
Die Hörspiele
Die Einstiegsmusik lässt die vier Sektoren erklingen. Französischer und russischer Gesang. Die Episoden erzählen einfache, aber klassische Krimithemen: Mord, Diebstahl, Betrug. Protagonist ist der Kriminalwachtmeister Anton Bibracher, der am Anfang seiner Laufbahn und unter Beobachtung des Kommissars ist, der kurz vor der Rente steht. Aber Anton folgt seinem Instinkt und seinem Gespür für Menschen und löst alle Fälle mit viel Eigenwilligkeit. Aber es ist klassische Ermittlungsarbeit, der der Hörer gut folgen kann. Spielzeit sind jeweils wenige Tage in der besonderen Atmosphäre des Berlins in den Jahren nach Kriegsende. Das Revier liegt im sowjetischen Sektor. Produziert in der DDR, ist es aber wenig politisch. Allerdings gibt es hier nicht den wirklich üblen Bösewicht. Irgendwie hat der Autor für alle Täter ein gewisses Verständnis. Die Geschichten sind kurzweilig und spannend zu hören. Ein nostalgischer Hochgenuss ist es, den Sprechern zu folgen. Hier wird genuschelt, durcheinander gesprochen, wer weit weg sitzt, ist kaum zu hören. Worte werden verschluckt, es gibt jede Menge Modulation und Tempowechsel. Und natürlich reichlich Berlinerisch at it´s best. Aber auch Vorpommern klingt durch. Die Episoden sind ebenso eine Erinnerung an schwerste Zeiten. Der letzte Fall erzählt ein Geschehnis um die Währungsreform im sowjetischen Teil und deutet an, warum diese Reihe 1989 produziert wurde: Die Menschen in Ostdeutschland standen vor gewaltigen Änderungen, auch mit einer neuen Währungsreform. Mit Ängsten, Sorgen und Gefahren. Atmosphärisch bleibt der Hörer aber jederzeit im Nachkriegsberlin.
Fazit
Obwohl 1989 produziert, ein wunderbarer, nostalgischer Rückblick und eine gute Ergänzung zu „Kein Mucks“. Absolut hörenswert.

Hans Lucke, Pidax

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