Schwüre, die wir brechen
- Kiepenheuer & Witsch
- Erschienen: August 2025
- 9


Eine Reihe, die jeder Krimifan lesen sollte.
Ein Hitzesommer hat Malmö fest in seinem Griff, als Svea Karhuu zusammen mit ihrem Kollegen Jon Nordh zu einem rätselhaften Fall hinzugezogen wird. Nahe dem historischen Friedhof wird in einem Kanal ein männlicher Leichnam gefunden. Das Opfer ist nur mit einer Art Lendenschurz bekleidet. Das Erschreckende: Dort, wo der Kopf des Mannes sein müsste, findet man einen mit Nylonschnur und engen Stichen an den Hals genähten Kopf eines Krokodils. Der Kopf des Leichnams taucht dagegen erst einen Tag später in einem über 100 Kilometer entfernten Skulpturenpark auf. Bei der Obduktion des Opfers stellt sich heraus, dass dem Mann bei vollem Bewusstsein der Oberkörper aufgeschnitten und das Herz herausgerissen wurde.
Es dauert nicht lange, bis es weitere Tote gibt. Nordh und Karhuu müssen erkennen, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben, der seine Opfer als altägyptische Gottheiten inszeniert und verschlüsselte Nachrichten hinterlässt. Als dann auch noch ein junges Mädchen verschwindet und der öffentliche Druck immer größer wird, spitzen sich die Ereignisse zu.
Geschichtlicher Hintergrund
Bereits mit dem ersten Band „Tode, die wir sterben“ rund um Kommissar Jon Nordh und seine Kollegin Svea Karhuu bewies das deutsch-schwedische Autorenpaar Roman Voosen und Kerstin S. Danielsson, dass auch ihre zweite gemeinsame skandinavische Reihe mehr als lesenswert ist. Während ein Markenzeichen ihrer erfolgreichen Forss-Nyström-Reihe die historischen Bezüge zur Geschichte und Kultur Schwedens waren, greifen sie im aktuellen Roman die sich über drei Jahrtausende erstreckende Hochkultur des Alten Ägyptens auf. Anders noch als im ersten Band stehen diesmal weniger sozial-gesellschaftliche Themen rund um die südschwedische Stadt Malmö im Vordergrund, sondern es geht vordergründig um das persönliche Schicksal des Täters. Gleichzeitig liefert das Autorenduo in ihrem atmosphärisch dichten und wendungsreichen Roman erneut einen spannenden Kriminalfall.
Die Parallelgeschichte zur Biografie des Täters ist diesmal sehr umfangreich. Auch wenn dies mitunter etwas zu konstruiert erscheinen mag, ist die detailreiche Darstellung zum Verständnis des Täters und seines Auftretens unerlässlich. Auch hier bedient sich das Autorenduo u.a. mit der Colonia Dignidad in Chile einer historischen Grundlage. Es lohnt sich, dieser Geschichte genau zu folgen, denn am Ende lösen Voosen / Danielsson alles mit einem Paukenschlag auf. Der Schluss des Romans ist dabei ebenso überraschend wie ungewöhnlich.
Mordkommission Malmö
Das Ermittlerteam Jon Nordh und Svea Karhuu arbeiten nun bereits seit über einem Jahr zusammen. Während Nordh immer noch mit dem rätselhaften Unfalltod seiner Frau zu kämpfen hat und sich gleichzeitig gemeinsam mit seiner Schwiegermutter um seine Kinder kümmert, muss die 26-jährige Karhuu die Trennung von ihrem Freund verkraften, der bei ihrer Versetzung nach Malmö aus beruflichen Gründen in Stockholm zurückbleiben musste.
Die beiden Ermittler haben sich nach einer Eingewöhnungszeit immer mehr als Team zusammengefunden. Karhuu, die als Kind adoptiert wurde und arabische Wurzeln besitzt, passte dem erfahrenen Ermittler zunächst gar nicht. Zudem musste sich diese wiederholt geringschätzende Sprüche über ihre nordschwedische Herkunft anhören. Der beinahe zwanzig Jahre ältere Nordh ist nicht nur Karhuus Partner, sondern aufgrund seiner Erfahrung auch eine Art Mentor. Nahezu alles, was die ehemalige verdeckte Ermittlerin Karhuu über die Methodik von Mordermittlungen in den letzten Monaten gelernt hat, verdankt sie ihrem neuen Kollegen. Jetzt ist er es auch, der sie vor dem aktuellen Fall und dem erkennbaren „Psychoscheiß“ warnt, da derartige Ermittlungen sich schnell zu einem Albtraum entwickeln, weil sie einen nicht mehr loslassen und regelrecht auffressen. Dennoch - und das ist sicherlich ein großes Plus der Reihe - haben beide trotz gegenseitigem Vertrauen ihre Geheimnisse voreinander und kämpfen mit ihren ganz eigenen Problemen.
Starker Plot
Mit ihrem aktuellen Roman sind Voosen / Danielsson in ihrer Erzählweise wieder näher an ihre erste Kriminalreihe gerückt. Auch wenn man es sicherlich bedauern darf, dass die sozial-und gesellschaftskritische Darstellung des Schmelztiegels Malmö diesmal nicht im Vordergrund steht, werden gleichzeitig die Parallelgeschichten zu den beiden Ermittlern nicht nur weitererzählt, sondern gewinnen auch immer mehr an Spannung und Brisanz. Dieses Einweben der Nebenhandlungen überzeugte bereits bei der Forss-Nyström-Reihe. So erfährt Nordh mehr über den Unfallhergang, bei dem seine Frau und sein ehemaliger Kollege tödlich verunglückten. Der Ermittler vermutet zunehmend dunkle Machenschaften im Zusammenhang mit dem Unglück. Auch Karhuu muss erkennen, dass hinter dem internen Komplott in Folge eines Undercover-Einsatzes, weswegen sie nach Malmö versetzt wurde, mehr steckt, als sie glauben mag. Diese beiden Handlungsstränge sind extrem gut erzählt und würden sogar einzeln wunderbar als Kriminalroman funktionieren.
Fazit
Ein ungemein komplexer, gut recherchierter Kriminalroman, der nicht nur am Ende eine überraschende Wendung nimmt. Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson verbinden erneut klassische Elemente des schwedischen Krimis mit einer modernen Erzählweise, die bewusst nicht immer dem traditionellen Schema entspricht. Dieser Mut wird erneut mit einem exzellenten Kriminalroman belohnt. Eine Reihe, die jeder Krimifan lesen sollte.

Kerstin Signe Danielsson, Roman Voosen, Kiepenheuer & Witsch


Deine Meinung zu »Schwüre, die wir brechen«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!