Der Trailer (Donkerbloem 1)

  • Piper
  • Erschienen: Juli 2025
  • 5
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Thomas Gisbertz
70°1001

Krimi-Couch Rezension vonAug 2025

Auftakt der Donkerbloem-Reihe

Camp Donkerbloem, ein abgelegener Campingplatz in den Ardennen, war ein böser Ort. Ein Ort, für Männer, die Grausames im Schilde führten. Und der Ort, an dem die Studentin Lisa vor 14 Jahren spurlos unter rätselhaften Umständen verschwand. Seitdem fehlt jede Spur von der jungen Frau. Nun rekonstruiert ein True-Crime-Podcaster zusammen mit der derzeit suspendierten Hamburger Hauptkommissarin Frieda Stahnke den Cold Case, um ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Frieda und Lisa stammen sogar aus demselben Ort, kannten sich aber nur vom Sehen. Der Podcast scheint einiges in Bewegung zu setzen. So meldet sich der zwielichtige Barbesitzer Wout Meertens anonym bei der Kommissarin. Der gebürtige Belgier und verurteilte Stalker war einst zur selben Zeit wie die verschwundene Lisa in Camp Donkerbloem. Der Beitrag hat etwas in ihm ausgelöst, was er aber eigentlich nicht der Polizei anvertrauen will. Während Friedas Instinkt geweckt ist, macht sich Wout gemeinsam mit seinem Freund, den ehemaligen Boxer Tayfun, und seiner Untermieterin, der 24-jährigen Kathinka, auf den Weg zum Camp Donkerbloem, um heraus zu finden, was damals wirklich geschah. Weder Frieda noch Wout ahnen, dass ihr Handeln weitere Morde auslöst. Denn ein Unbekannter will, dass die Vergangenheit für immer ruht.

Auftakt der Donkerbloem-Trilogie

Autor Linus Geschke erlangte neben seiner Born-Trilogie vor allem mit seiner Reihe rund um den ermittelnden Kölner Zeitungsredakteur Jan Römer deutschlandweit Bekanntheit. Zuletzt veröffentlichte er mehrere Standalones, unter anderem den erfolgreichen Thriller „Das Loft“.

Aktuell erscheint nun im Piper Verlag der ersten Band der Donkerbloem-Trilogie, der bereits durch das ausgezeichnete Cover ins Auge sticht, das einen Teil eines Trailers darstellt. Die nächsten beiden Bände werden - nebeneinander gelegt - das Bild des amerikanischen Wohnwagens „vervollständigen“. Vielleicht ist das Cover neben der Beliebtheit des Autors mit ein Grund dafür, dass die erste Auflage des „Trailers“ in kürzester Zeit in den Buchläden ausverkauft war. Der zweite Teil der Reihe, „Das Camp“, soll Ende Januar 2026 erscheinen, der Abschluss-Roman, „Die Schlucht“, wird im Juli 2026 veröffentlicht. Leser müssen sich aber keine Sorgen machen: Der erste Teil findet einen inhaltlichen Abschluss, auch wenn ein Cliffhanger am Ende bereits auf die Fortsetzung der Geschichte verweist.

Kleinere Schwächen

Linus Geschke ist ein erfahrener Autor, erscheint doch mit „Der Trailer“ bereits sein elfter Thriller. Handwerklich ist der Roman grundsolide und kurzweilig geschrieben. Geschke weiß, wie man eine unterhaltsame Geschichte schreiben muss und wie man geschickt Spuren für die weiteren Bände legt. Umso erstaunlicher ist es, dass ihm bzw. dem Lektorat immer wieder inhaltliche Lücken und kleine Fehler unterlaufen. Mal erscheint das Blut „im Mondlicht fast schwarz“, obwohl es in dieser Nacht weder „Mond noch Sterne gab“ (S. 8), mal kommt die vermisste Lisa aus demselben „Viertel“ wie Frieda, obwohl beide nur in einem kleinen Ort groß werden. Auch wenn es von diesen Ungenauigkeiten noch mehr gibt (u.a. spricht der Verlag in seiner Werbung für das Buch immer von 15 (!) Jahren seit Lisas Verschwinden), sind dies nur Kleinigkeiten.

Auffallender ist etwas anderes: Geschkes lässt seine Protagonistin Kathinka über die schlechte Qualität des ARD-Tatorts philosophieren (S. 145). Unter anderem kritisiert die junge Frau die Dialoge, die „hölzern und realitätsfremd“ seien, und das zickige Verhalten des Ermittlerduos, dem am Ende noch ein winziges Detail einfiele, dem man bislang keine Bedeutung geschenkt habe. Leider wirken diese Aussagen streckenweise wie eine Blaupause für diesen Roman. So lässt der schmierige kriminelle Barbesitzer Wout zum Beispiel keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass er als Ex-Knacki nicht mit den Bullen rede. Auf Tayfuns Bitte, sich anonym bei der suspendierten Kommissarin Stahnke zu melden, um ihr zu erzählen, was er von der verhängnisvollen Nacht weiß, in der Lisa verschwand, entsteht folgender bizarrer Dialog: „Anonym meinst du?“ - „Hm.“ - „Okay. Aber nur dir zuliebe.“ So sprechen halt nur knallharte Typen.

„Kritik“ zu ernst genommen

Was das störende „Gezicke“ betrifft, zeigen ausgerechnet Kathinka und Wout immer wieder, was das genau bedeutet: Die junge Untermieterin, die unter Haptophobie (Anm. Red.: Angst vor Berührungen) leidet, lässt sich so schnell nichts vom Chauvinisten Wout sagen, während dieser fortwährend den starken Mann markieren muss, dem sich Kathinka unterzuordnen hat. Ob ein Protagonist wie Wout zu seinem Roman passt, bei dem es eigentlich um männliche Gewalt gegen Frauen geht, muss jeder Leser für sich entscheiden.

Kathinka selbst hat ein persönliches Interesse am Fall, da ihre Schwester ein ähnliches Schicksal wie Lisa erleiden musste. Wouts Untermieterin, die „irgendwas mit Social Media“ zu tun hat, kann sich angeblich ab und an in den Polizeirechner einhacken, bittet aber bei der Suche nach Informationen einen befreundeten Hacker um Hilfe, von dem man anschließend aber erstaunlicherweise nichts mehr hört. Stattdessen findet sie selbst - im Gegensatz zur hauptberuflichen Ermittlerin Frieda - sehr schnell heraus, dass beinahe alle Zeugen von damals eines unnatürlichen Todes starben (wobei der unbekannte Mörder tatsächlich jemanden vergisst!). Ist Wout nun auch in Gefahr?

Und zuletzt gibt es auch noch das eine „winzige Detail“, das kurz vor dem finalen Showdown auf dem Campingplatz ausgerechnet Kathinka auffällt und alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Zwar rechnet man mit einem Twist zum Schluss, da man schon auf den ersten Seiten erahnen kann, was damals in Donkerbloem geschehen ist, aber dennoch ist das Ende ebenso überraschend wie clever. Insgesamt wirkt der Roman, was Figurendarstellung und Handlung betrifft, bei allem Lesevergnügen streckenweise doch etwas zu konstruiert sowie für einen erfahrenen Thrillerautor wie Geschke ungewohnt fehler- und lückenhaft.

Fazit:

Ein chauvinistischer Barbesitzer mit kriminellem Hintergrund, ein ehemaliger Boxer mit dem Herz am rechten Fleck, eine taffe junge Frau, der es um Gerechtigkeit geht, und eine suspendierte Hauptkommissarin, der man übel mitspielt und die sich nun nicht unbedingt mehr an Recht und Gesetz halten will: Das sind die Zutaten, aus denen Linus Geschke seinen neuen Thriller zaubert. Dass dies am Ende trotz kleinerer Schwächen funktioniert, liegt daran, dass der temporeiche, kurzweilige, aber mitunter auch brutale Roman mit seiner eigenwilligen „Ermittlertruppe“ insgesamt sehr gut unterhält. Was aber besonders fesselt, ist das traurige, unter die Haut gehende Schicksal Lisas, das am Ende aber recht umständlich aufgelöst wird.

Der Trailer (Donkerbloem 1)

Linus Geschke, Piper

Der Trailer (Donkerbloem 1)

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