Gravewater Lake - Wem kannst du trauen?
- Edition M
- Erschienen: Juli 2025
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Wenn sich die Handlung im Kreis dreht.
Durchnässt und frierend kommt sie an einem verlassenen See in einer einsamen Gegend zu sich. Eine Frau, die nicht weiß, was ihr passiert ist, die nicht weiß, wie sie hierhergekommen ist und die nicht einmal ihren Namen kennt. Sicher ist aber eines: Wenn sie nicht alsbald Hilfe findet, dann wird sie erfrieren. Unsicher tastet sie sich vom Ufer weg und da - Gottseidank - da ist ein Haus und aus einem der Fenster fällt sogar ein schwacher Lichtschein! Der Mann, der ihr öffnet ist natürlich überrascht.
Es passiert sicher nicht jede Nacht, dass eine bibbernde, verletzte Frau ihn um Hilfe anfleht. Aber ein wenig merkwürdig ist sein Verhalten schon. Fast wirkt es so, als hätte er etwas zu verbergen. Dennoch, sie hat keine Wahl! Sie ist auf seine Hilfe angewiesen und das noch umso mehr, als durch den schweren Schneesturm alle Wege in die Zivilisation abgerissen, die Telefonleitung tot und das Internet zusammengebrochen sind. Anna - wie sie sich hilfsweise wegen eines gefunden Armbandes mit der Gravur "A" nennt - muss ihm vertrauen. Aber das fällt ihr zunehmend schwer, denn irgendetwas stimmt hier ganz gewaltig nicht.
Anna und Adria - zwei unterschiedliche Schicksale?
Es ist ganz bestimmt nicht von der Hand zu weisen, dass der/die Leser*in mit Anna in einem absoluten Alptraumszenario erwacht. Da liegt sie: Ohne vernünftige Kleider, alles ist nass, der Kopf schmerzt von einer veritablen Beule und Hilfe scheint es weit und breit nicht zu geben. Allerdings fragt man sich schon zum ersten Mal, wie das eigentlich gehen mag, ist doch die Zeit für den Erfrierungstod sehr knapp bemessen. Wie Anna zudem in tiefer Nacht solche Einzelheiten, wie die Gravur eines Armbands erkennen kann, das bleibt auch ihr Geheimnis. Dennoch - es ist schon spannend, wie sie im Haus von Gregg, bei dem sie überfallartig Hilfe sucht, versucht, wieder ein bisschen Ordnung in ihr zerrüttetes Gehirn zu bringen.
Das Autorenteam erzählt die grundsätzlich spannende Handlung auf zwei Ebenen. Da geht es einerseits um Adria, die mit ihrem relativ frisch gebackenen Ehemann in eine abgelegene Berghütte reist und hier einem gut gehüteten Geheimnis auf die Spur kommt. Schon im Vorfeld hatten sich befremdliche Szenarien um den anfangs sympathischen Mann gehäuft. Was Adria dennoch bewog, mit ihm in die gottverlassene Gegend zu reisen, erschloss sich mir von Anfang an nicht und ließ an der Weisheit einiger Entscheidungen zweifeln. Auf der zweiten Ebene erfahren wir von der gebeutelten Anna, die nach einem Angriff auf ihr Leben Hilfe sucht und die - das kann man ja ruhig sagen - möglicherweise vom Regen in die berühmte Traufe gerät.
Richtige Zutaten für einen Thriller - stimmt das Ergebnis?
Mit diesen Rahmenbedingungen - der einsamen Hütte, des gutaussehenden aber geheimnisvollen Mannes und der fehlenden Verbindung zur Außenwelt sind grundsätzlich schon einmal die Rahmenbedingungen für einen spannenden Thriller oder möglicherweise sogar für einen Romantik-Thriller bereitet. Als Anna zum ersten Mal feststellt, dass es in der einsamen Hütte nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint, da war ich auch tatsächlich gefesselt. Beim zweiten Mal habe ich mich auch noch ein wenig gegruselt. Beim dritten, vierten und fünften Mal war ich dann eher genervt. Offensichtlich geht hier doch so einiges nicht mit rechten Dingen zu - aber wenn es wieder und wieder und wieder erzählt wird, ohne dass die Handlung einen Schritt weiterkommt, dann bleibt der "Thrill" doch irgendwann auf der Strecke. Immerhin - die ganze Geschichte wird aufgelöst, auch wenn ich das eigentliche Ende schon etwas frech empfand. Ein Lichtschimmer lag aber wenigstens in den letzten Seiten des Romans, wo dann doch und vielleicht ein neuer Anfang versprochen wird.
Fazit
Eine einsame Hütte im Schneesturm und abgerissene Kommunikationswege führen nicht automatisch zu eiskalter Spannung.

Sonya Sargent, A. M. Strong, Edition M

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