Asa

  • Suhrkamp
  • Erschienen: August 2025
  • 5
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Julian Hübecker
88°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2025

„Hier kommt vieles zusammen und trotzdem hat alles seinen berechtigten Platz.

Asa Kolbert geht es um Rache. Wegen ihnen wurde ihr die Familie genommen, ihr Leben, ihre Zukunft, das Zuhause. Sie sollte zur Jägerin ausgebildet werden, entschied sich aber dafür, auch Schwäche zuzulassen. Daher sollte sie sterben. Doch sie starb nicht, sondern wurde stärker, bis endlich ihre Zeit gekommen war …

„Du bist nicht zufällig hier gelandet. Du hast instinktiv reagiert und Klarheit gesucht. Sieh dich um, klarer geht es nicht.“

Asas Schicksal beginnt bereits hundert Jahre vor ihrer Zeit, als einer ihrer Vorfahren ein Trauma entwickelt, das sein weiteres Leben bestimmen wird. Nur ein Erdloch bewahrt ihn vor dem völligen Auflösen seiner Gedanken. Für seine Kinder wünscht er sich etwas anderes: nämlich Stärke! Und so nimmt das Schicksal der Familie Kolbert seinen Lauf, wird erst durch den Ersten, dann den Zweiten Weltkrieg, durch Schicksalsschläge und Entscheidungen weiter geformt, bis sich schließlich eine Gemeinschaft entwickelt, die es sich zur Aufgabe macht, die eigenen Kinder zu stärken und Schwäche auszutreiben. Was zuvor mit einfachen Überlebenstrainings begann, weitete sich schließlich zum gegenseitigen Töten aus. Asas Vater jedoch sieht etwas anderes für seine Tochter vor – sehr zum Unwillen der Gemeinschaft.

Asa ist noch ein Teenager, als das Unheil seinen Lauf nimmt. Im Zuge ihres weiteren Lebens muss sie um selbiges kämpfen, Verluste einstecken, und wandert schließlich sogar ins Gefängnis. Ihre und die Geschichte ihrer Familie mündet schließlich in den Punkt, an dem sie ihre Rache bekommt. Doch der Preis wird hoch sein ...

Eine pointierte Mischung – unvergleichlich!

Zoran Drvenkar ist mir durch verschiedene Jugend- und Kinderbücher ein Begriff, daher war ich vorbereitet auf seinen einzigartigen Schreibstil. Seine Art zu schreiben hat oft etwas Nüchternes, manchmal sogar Kaltes, Spitzes, das das Animalische im Gehirn kitzelt und herausfordert. Der wörtlichen Rede fehlen die Anführungszeichen und die ProtagonistInnen werden oft direkt angesprochen. Das macht seine Geschichten nicht einfach zu lesen, aber besonders und einmalig. Mich packt diese Art jedenfalls immer schnell, und so fand ich mich auch in Asas Geschichte problemlos rein.

Leicht zu beschreiben ist das Buch dennoch nicht: Es finden viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel statt. Asas Familie wird über viele Generationen hinweg begleitet, sodass sich langsam ein Gesamtbild aufbaut und klar wird, wie Asas gegenwärtige Familie tickt, wie sich die Gemeinschaft aufgebaut, und auch die Ausbildung von Jägern entwickelt hat. Dabei bedient sich Drvenkar unterschiedlicher Elemente: zwischenzeitlich habe ich mich an Quentin Tarantinos „Kil Bill“ erinnert gefühlt, dann wieder an Suzanne Collins‘ „The Hunger Games“; zwischenzeitlich wurde es rasant, dann wieder brutal. Attentäter, Bootcamps, Sekten, Kriegsdramen … hier kommt vieles zusammen, und trotzdem hat alles seinen berechtigten Platz.

Das macht für mich Drvenkars Bücher zu etwas Besonderem: So verquer die Elemente anfangs erscheinen, so pointiert sind sie schlussendlich doch. Wer sich auf anfangs nicht ganz einheitliche Geschichten einlassen kann, dem will ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Für mich ein Jahreshighlight!

Fazit

Zoran Drvenkar schenkt uns mit „Asa“ wieder etwas ganz Eigenes. Es wird sicher nicht seinen Platz zwischen anderen Mainstream-Thrillern finden. Aber das soll es auch nicht, denn es sticht ganz klar hervor!

Asa

Zoran Drvenkar, Suhrkamp

Asa

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