Kalt wie die Nacht (Ein Fall für Wolf Larsen 1)
- Lübbe
- Erschienen: Oktober 2025
- 0


Der Neue aus Norwegen.
Bernhard Stäber ist in München geboren, lebt aber seit 2012 in Südnorwegen. Der ehemalige Sozialarbeiter wirkt dort als freier Lektor und Autor von Krimis und Fantasy Geschichten – auch unter dem Pseudonym Robin Gate. Stäbers erste Thriller-Reihe dreht sich um den Psychologen Arne Eriksen. Jetzt beginnt der Autor eine neue mit dem Protagonisten Wolf Larsen.
Larsen zieht um
Rolf „Wolf“ Larsen gibt seinen Job als Kommissar auf und zieht von Oslo nach Bø in der Provinz Telemark. Er braucht den Wechsel, weil er in der Hauptstadt ständig an seine verstorbene Frau denken muss. In Bø ist sein erster Fall als Privatdetektiv die typische Observierung eines eventuell untreuen Ehemannes. Doch was relativ langweilig beginnt, entpuppt sich als komplex, denn das Zielobjekt wird vor den Augen von Wolf ermordet. Unterstützt von der Lokaljournalistin Sanna geht Wolf dem Fall auf den Grund, was ihn in gefährliche Fahrwasser bringt.
Interessante Figuren
Wolf Larsen hat viel zu tragen. Der Tod seiner Frau vor ein paar Monaten geht im mächtig ans Gemüt und seine Trauerarbeit ist noch lange nicht getan. Damit ist der Protagonist ein ziemliches Abziehbild von vielen anderen in der Krimiwelt. Private Katastrophen bedingen neue Situationen und beeinflussen die Arbeit. Dennoch hat Stäber bei Larsen nicht zu dick aufgetragen. Die Figur ist durchaus glaubhaft und wird dies im Laufe der Geschehnisse immer mehr.
Dagegen ist Sanna Bjørnstad von Anfang an absolut interessant! Die Journalistin hat eine dissoziative Identitätsstörung: Ihr Ich hat unterschiedliche Persönlichkeitsanteile, die abwechselnd in den Vordergrund treten. Zusammen bilden Sanna und Wolf ein Team, von dem man gerne mehr lesen möchte. Ergänzt wird das Duo durch Wolfs Schwägerin Nora, die durch ihre Fernsehsendung eine lokale Berühmtheit ist. Ihre Outdoor-Fähigkeiten kommen bereits im ersten Fall zum Tragen und werden in Zukunft bestimmt noch öfter benötigt.
Die Spannung schwächelt im Mittelteil
Schon der Prolog lässt erahnen, dass ein Raub in Oslo vor vierzehn Jahren eine Rolle spielen wird. Wenn Wolf dann seinen ersten Fall als Privatdetektiv angeht, ist mit diesem Hintergrundwissen Spannung garantiert. Und als Sanna einsteigt, erst recht. Doch dann zieht sich das Geschehen etwas in die Länge und die Spannung lässt nach. Aber nie so viel, dass man versucht wäre, das Buch frühzeitig zu beenden. Dieser kleine Durchhänger hält auch nicht lange an, denn schnell nimmt das Geschehen wieder an Fahrt auf.
Die Lösung enttäuscht
Der Fall entwickelt sich für Wolf und Sanna zu einem rasanten und gefährlichen Wettlauf. Natürlich managen die beiden alles und bringen es zu Ende. Doch was uns der Autor als Lösung auftischt, wirkt so konstruiert, dass es für mich einfach eine Enttäuschung ist. Hier hätten mehr Tiefgang und Glaubwürdigkeit nicht geschadet – im Gegenteil.
Wie geht es weiter?
Auch wenn das Ende von „Kalt wie die Nacht“ etwas dürftig anmutet, ist man gespannt auf mehr vom neuen Team aus dem Telemark. Und es gibt tatsächlich schon Nachschlag, allerdings nur in Form von eBooks oder Hörbüchern. Für alle, die weder das Eine noch das Andere mögen, bleibt die Hoffnung, dass die beiden Folgebände auch noch als Printexemplare erscheinen werden.
Fazit
Mit „Kalt wie die Nacht“ beginnt Bernhard Stäber eine Krimi-Reihe. Auch wenn die Story sich nicht unbedingt von anderen Krimis abhebt, machen die interessanten Protagonisten mehr daraus und man hofft auf Neues vom „Team Wolf und Bär“.

Bernhard Stäber, Lübbe

Deine Meinung zu »Kalt wie die Nacht (Ein Fall für Wolf Larsen 1)«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!