Wolfskälte

  • Lübbe
  • Erschienen: November 2025
  • 6
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Carola Krauße-Reim
60°1001

Krimi-Couch Rezension vonMär 2026

Dieses Debüt überzeugt nicht durchgehend.

Vor vielen Jahren verschwanden die drei Leuchtturmwärter der Insel Eadar. Jetzt wurde ein junger Mann tot am Fuße des Leuchtturms gefunden. Die Glasgower Polizisten Georgina „George“ Lennox und Richie Stewart kommen auf das windgepeitschte Eiland weit vor der Küste Westschottlands, um herauszufinden ob es Selbstmord oder vielleicht doch Mord war. Sie stoßen auf eine eingeschworene Gemeinde, die zusammenhält, aber auch alten Traditionen anhängt. Kontakt zur Außenwelt ist kaum möglich. So sind George und Richie auf sich gestellt, als George eine geheimnisvolle Gestalt mit Wolfsmaske sieht und klar wird, dass auf Eilean Eadar etwas ganz und gar nicht stimmt.

Debüt und Beginn einer Reihe

Laura McCluskey ist Journalistin, Schauspielerin, Mitbegründerin einer Theatergruppe sowie eines Filmunternehmens. Mit „Wolfskälte“ legt uns die in Melbourne lebende Autorin nun ihr Krimi-Debüt vor. Leider kann dieses nicht durchgehend überzeugen. Ob es im, auf Englisch bereits erschienenem, zweiten Teil etwas besser aussieht bleibt zu hoffen.

Die Atmosphäre punktet

Eine kleine hügelige Insel der Äußeren Hebriden im Winter ist schon ein einmaliges Setting. Die vollkommene Abgeschiedenheit, die nicht einmal von einem normalen Telefonanschluss oder gar Internet gemildert wird, ist omnipräsent. Dazu kommt die kleine Gemeinde, die sich hilft, in der aber auch nichts verborgen bleiben kann. Traditionen werden gepflegt, Festlandbewohner argwöhnisch beäugt, neue Mitbürger werden auch nach vielen Jahren noch nicht als Einheimische betrachtet und die beruflichen Möglichkeiten sind extrem beschränkt. Das alles hat McCluskey hervorragend eingefangen. Die landschaftliche Schönheit der rauen Insel konkurriert mit der düsteren Atmosphäre und lässt damit das Kopfkino auf Hochtouren laufen. Doch das sind auch schon fast die einzigen Pluspunkte der Geschichte, die sich zudem ausgiebig an den Vorkommnissen auf Eilean Mòr bedient, wo im Dezember 1900 drei Leuchtturmwärter spurlos verschwanden.

Ausbaufähige Charakter

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Inspectors „George“ Lennox und Richie Stewart. George leidet noch immer unter einem Trauma, dem man erst im Laufe der Geschichte näherkommt. Sie nimmt starke Medikamente, die ihre Schmerzen mindern, aber auch Nebenwirkungen haben. Der wesentlich ältere Richie übernimmt fast die Vaterrolle und sorgt sich um sie. In sich sind diese Figuren durchaus schlüssig, doch ihre Interaktion ist nicht immer glaubhaft. Schmerz- und Schlafmittel nach schweren Verletzungen sollten jedenfalls kein Grund sein, ein so großes Fass aufzumachen, wie es hier geschieht. Dennoch begibt man sich gerne mit den beiden auf die Suche nach der Wahrheit. Doch genau diese Suche tritt immer mehr in den Hintergrund, je weiter die Geschichte fortschreitet.

Die Logik nimmt ab und die Spannung zu

Der Krimi hat eine extrem lange Anlaufphase. Die Atmosphäre auf der Insel und die kleine Gemeinschaft nehmen am Anfang viel zu lange einen so großen Raum ein, dass man sich unweigerlich fragt, ob nach Milieustudie und Gesellschaftskritik auch noch ein bisschen Krimihandlung kommt. Lange Zeit passiert nichts Wesentliches und irgendwann hat auch der Letzte verstanden, dass das Leben auf Eadar anders läuft als auf dem Festland. Wer hier Spannung erwartet, dürfte enttäuscht werden. Doch sobald diese lange Einstiegsphase vorbei ist, nimmt die Spannung etwas zu, doch das passiert auf Kosten der Logik und Realität. Dass man einen nicht ganz glaubwürdigen Selbstmord untersuchen sollte, ist nachvollziehbar. Warum das aber erst Wochen nach der Beisetzung des Toten geschieht, ist der erste Punkt, der stutzig macht. Dann wird es immer abenteuerlicher, der Realitätsbezug kommt der Autorin immer mehr abhanden. Das Ganze endet in einem unwahrscheinlichen Schluss, der so haarsträubend ist, dass er eigentlich den ganzen Krimi verdirbt.

Fazit

Ein Debüt, das lange braucht um in Fahrt zu kommen und dann zu sehr ins Fantastische abdriftet. Wen das nicht stört, kann sich mit „Wolfskälte“ auf eine einsame Insel träumen, deren wenige Einwohner so einiges zu verbergen haben. Für alle anderen bleibt die Hoffnung, dass Laura McCluskey in den folgenden Bänden der Reihe realistischer ans Werk geht.

Wolfskälte

Laura McCluskey, Lübbe

Wolfskälte

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