Himmelerdenblau

  • Penguin
  • Erschienen: August 2025
  • 6
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Monika Wenger
79°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2025

Ein Vater sucht verzweifelt Antworten zum Verschwinden seiner Tochter.

Theo Novak war früher der Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefässchirurgie an der Charité in Berlin. Heute ist er 74 Jahre alt und leidet an Demenz. Vor zwanzig Jahren ist seine älteste Tochter Julie spurlos verschwunden. Liv Keller und Phil Hendricks möchten diesen Fall in ihrem True-Crime-Podcast wieder aufrollen und bitten Theo um ein Interview. Zu diesem Zeitpunkt wissen die beiden Podcaster noch nichts von Theos Krankheit und was sie erwartet.

Der Wettlauf gegen das Vergessen beginnt

Für den ehemaligen berühmten Chirurgen Theo Novak ist es schwer, sich der Realität zu stellen. Auch wenn er in lichten Momenten genau weiss, dass er immer mehr in das Vergessen abrutscht. Gerade deshalb bietet die Interviewanfrage von Liv und Phil die Möglichkeit, das Verschwinden von Julie aufzuklären. Theos jüngere Tochter Sophia lehnt dieses Vorhaben kategorisch ab. Sie fürchtet, dass die Aufarbeitung dieses Falls ihren Vater emotional an seine Grenzen bringen wird. Ausserdem sieht sie keinen Grund, warum nach so langer Zeit plötzlich eine Auflösung möglich sein sollte.

Vor zwanzig Jahren hat Julies Verschwinden grosses Interesse in den Medien ausgelöst. Die Polizei hat ihr Möglichstes getan, um das junge Mädchen zu finden. Sophia sieht daher keine Veranlassung, sich noch einmal dieser herausfordernden Tortur zu stellen. Doch Theo will ein letztes Mal alles versuchen, um Julies Verschwinden aufzuklären. In seinen klaren Momenten rekapituliert er noch einmal das Geschehen. Dabei richtet sich sein Augenmerk auch wieder auf Julies Ex-Freund Daniel Wagner. Er galt lange als Verdächtiger, doch es konnte ihm nichts nachgewiesen werden. Für Theo ist jedoch auch nach zwanzig Jahren klar, dass Daniel der Entführer war.

Alles ist möglich – oder doch nicht?

Romy Hausmann hat einen äusserst spannenden Thriller geschrieben, der dabei aber durch die vielen Schauplätze und Handlungsstränge etwas überladen wirkt. Ein Beispiel sind die Szenen, in denen Liv und Phil einen Podcast aufnehmen. Diese sind viel zu lang und verführen zum Weiterblättern, da sie keinen Bezug zum eigentlichen Fall haben. Auch lässt die Autorin einige Ereignisse offen im Raum stehen, ohne sie aufzulösen. Für den Roman spricht die unaufgeregte und unblutige Erzählweise. Dafür finden sehr viele psychologische Aspekte Eingang. Sie sorgen für Spannung und regen zum Nachdenken an. Besonders berührend ist die Figur Theo. Er trägt mit dem Verlust seiner Tochter und der Krankheit eine schwere Last. Deshalb steht ihm in dieser Geschichte ein besonderer Platz zu.

Es ist eine spannende Geschichte über Verluste, menschliche Abgründe, Lügen und Manipulation. Obwohl der Roman Längen hat, ist er aufgrund der Ausarbeitung der Figuren und der gelungen konstruierten falschen Fährten eine empfehlenswerte Lektüre.  

Fazit

Der Roman «Himmelerdenblau» von Romy Hausmann ist ein raffiniert konstruierter Thriller, der seine Leser/innen mit seinen vielen Wendungen ständig in die falsche Richtung führt. Diese Vielseitigkeit bietet Abwechslung und Spannung. Zwar zieht sich die Geschichte in die Länge und die zahlreichen Handlungsstränge verwirren, doch das Buch punktet mit einem unerwarteten und offenen Ende. Und damit verdient es sich am Ende die Leseempfehlung.

Himmelerdenblau

Romy Hausmann, Penguin

Himmelerdenblau

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