Dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit und die Liebe ist mal wieder eine Himmelsmacht.
Justine Hart hat es als Staatsanwältin geschafft. Karrieretechnisch befindet sie sich auf der Überholspur und es werden ihr die wirklich spannenden und Aufsehen erregenden Fälle zugetragen. Auch ihr Privatleben ist im allergrünsten Bereich, hat sie doch mit Ehemann Noah einen wahren Glückstreffer gelandet. Dann aber passiert etwas, das ihr ganzes gut aufgebautes Leben ins Wanken bringt: In ihrem neusten wichtigen Fall, der einen Doppelmord an einem älteren Ehepaar behandelt, erfährt sie schon in der ersten Besprechung, dass es sich bei dem Hauptangeklagten um einen gewissen Jake Reynolds handelt. Zufällig ist der in demselben Ort wie Justine großgeworden und - nicht ganz so zufällig - waren er und sie einst als Teenager ein schwer verliebtes Paar. Jetzt also muss sie gegen ihn Anklage führen. Aber wie soll sich das vereinbaren lassen? Überhaupt - was ist mit dem freundlichen Jake aus Justines Jugendtagen passiert? Aber was noch viel wichtiger ist - hat ihr Ex diese Tat überhaupt begangen oder steckt ein wesentlich dunkleres Geheimnis dahinter?
Wenn die Vergangenheit die Zukunft bedroht
Die englische Autorin Sarah Hornsley führt uns mit ihrem Thriller Debüt nach London, wo sich plötzlich dunkle Schatten auf das Leben der erfolgreichen Jung-Staatsanwältin Justine Hart legen. Sie soll Anklage gegen einen gewissen Brad Finchley erheben, erkennt in ihm aber sofort ihre alte Jugendliebe Jake Reynolds wieder und - Zack - da ist das Problem! Also - zumindest für Justine ist da ein Problem, denn die erste Liebe ist ja unvergesslich und immer, immer präsent. Ein/e halbwegs abgeklärte/r Leser/in käme allerdings möglicherweise alsbald zu dem Schluss, dass eine Frau, die im fünften Jahr glücklich verheiratet ist, vielleicht nicht mehr so ganz auf das Thema der alten Jugendliebe anspringen dürfte. Natürlich kann sich sicher jeder von uns noch an sie erinnern. Aber vielleicht verbinden nicht alle von uns freundliche Gedanken mit der ersten Liebe oder hegen sogar interessante Wünsche für ihren damaligen Partner.
Bei Justine ist das natürlich vollkommen anders. Obwohl sie selbstverständlich weiß, dass sie als befangen gilt, wirft sie sich mit Macht in diesen neuen Fall und riskiert dabei nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre Ehe. Natürlich passiert das nur, weil sie ja noch immer eine schwere Last aus ihrer Kindheit trägt und immer noch dabei ist, die zu verarbeiten. Grundsätzlich wäre diese Problematik auch dazu geeignet, zumindest ein schweres Trauma auszulösen - aber jetzt und auf einmal und so plötzlich? Mir fiel es sehr schwer irgendein Verständnis für unsere Heldin zu haben und lange Zeit war ich der Meinung, dass sie sich allenfalls durch ein pubertäres Verhalten auszeichnet.
Dunkle Familiengeheimnisse drängen ans Licht
Der Spot der Erzählerin liegt aber nicht nur auf der Hauptdarstellerin, sondern auch auf ihrer Familie. Versehen mit Schilderungen, die sich auf die Vergangenheit aller ihrer Mitglieder beziehen, wird schrittweise klar, dass das Familienleben der Stones dann doch nicht ganz so rosig war, wie man Freunden und Nachbarn gerne vorspielte. Hier lag dann doch einiges im Argen und warum man sich nicht gegenseitig stützte oder möglicherweise sogar half - das wird mit Ausnahme einer Szene nicht geklärt.
Wer jetzt auch glaubt, dass immerhin noch eine romantische Geschichte erzählt wird, in der Justine ihrer großen Liebe auf der Anklagebank gegenübersteht, der hat sich - genau wie ich - vom Klappentext an der Nase herumführen lassen. Mit einer gewissen Verärgerung stellte ich bei der Lektüre fest, dass ich hier bereits bis zur Mitte vorgedrungen war, ohne dass sich die beiden "Liebenden" wieder begegnet waren. Die eventuelle Aussprache zwischen der Vertreterin der Justiz und dem möglichen Täter bleibt daher recht kurz und oberflächlich. Vom Hocker riss mich allerdings die letztendliche Entscheidung über den Tatvorwurf und die mögliche Verurteilung, denn so etwas Beknacktes – sorry - hatte ich doch schon lange nicht mehr gelesen.
Fazit
Ein Gerichtsthriller aus dem guten alten England - und wenn wir uns allein an den grandiosen Film "Zeugin der Anklage" erinnern, hätte das etwas Tolles sein können. Wenn es denn ein Gerichtsthriller gewesen und wenn spannend und mitreißend erzählt worden wäre. Aber da ist doch noch reichlich Luft nach oben.

Sarah Hornsley, Penguin


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