Tiffany

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • Amsterdam: Luitingh-Sijthoff, 2000, Titel: 'Tiffany', Seiten: 254, Originalsprache
  • Dortmund: Grafit, 2002, Seiten: 347, Übersetzt: Stefanie Schäfer
  • Dortmund: Grafit, 2006, Seiten: 347

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Thomas Kürten
Brisante Balkankriegsverstrickungen

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Tiffany ist eine drogensüchtige Prostituierte, die wohl gar nicht so recht weiß, wie es ihr geschieht, als ein junger Freier sie aus dem Auto wirft. Zufällig passiert das genau vor Max Winters Haustür, der das junge Mädchen auf dem Nachhauseweg findet und sich um sie kümmert. Noch in der selben Nacht suchen zwielichtige Gestalten in der Nachbarschaft nach Tiffany.

Was Winter zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, der Leser aber sehr wohl: Tiffanys letzter Freier war der Sohn eines Blauhelm-Generals, der den Wagen und den Koffer seines Vaters ausgeliehen hatte, um einen Drogendeal abzuwickeln. Der Koffer scheint dem Vater sehr wichtig zu sein, aber der steht in einem Schließfach und den Schlüssel dazu, den hat Tiffany, da sie dem Söhnchen vor dem unsanften Rausschmiss noch die Brieftasche stehlen konnte. Für Max Winter beginnt nicht nur eine Jagd nach dem Schlüssel, sondern auch der Kampf um das Vertrauen Tiffanys und die Ermittlungen in der dunklen Vergangenheit General Grimshaves. Und er macht eine Entdeckung, die dem niederländischen Militär gar nicht gut zu Gesicht steht.

Routiniert erzählt

Der dritte Winter-Fall knüpft in punkto Erzählstil nahtlos an die beiden Vorgänger an. Flüssig und begeisternd wird die gesamte Geschichte geschildert. Auch der Fall an sich und das Finale im speziellen lassen wieder eine deutliche Qualitätssteigerung gegenüber dem zweiten Roman der Serie erkennen. Jedoch bleiben eine Reihe offener Frage. Der Rezensent vermag nicht zu beurteilen, inwiefern ein Junkie nach einem Jahr regelmäßigen Heroinkonsums innerhalb kürzester Zeit durch einen privat organisierten kalten Entzug wieder in ein geregeltes Leben zurückfinden kann. Ebenso rätselhaft, wieso der General die Dokumente, an denen bereits Blut klebt und die ihn immer noch vernichten können, im Geheimfach eines Koffers lässt und nicht unverzüglich vernichtet hat. Aber da beides der Dramatik dient, mag man das noch verzeihen.

Mit der Entwicklung seines Protagonisten tritt Thijssen hier ein wenig auf der Stelle. Nachdem die ehemalige Lebensgefährtin mit einem Langweiler nach Irland durchgebrannt ist, befindet sich Max Winter noch im Bewältigungsprozess. Im Auftreten gegenüber CyberNel, seiner Computerbiene, wirkt er nach einer gemeinsamen Liebesnacht verunsichert und das Auftreten von Tiffany bringt ihn völlig durcheinander. Und das, obwohl Tiffany seine Tochter sein könnte. Andere Figuren mit Bedeutung für die gesamte Serie, treten nur am Rande auf.

Auch wenn vielleicht bei Tiffany noch das ein oder andere Detail nicht ganz ausgefeilt wirkt, darf hier kein Zweifel bestehen: Felix Thijssen ist ein exzellenter Erzähler und hat mit Max Winter den gegenwärtig wohl erfolgreichsten niederländischen Krimihelden geschaffen. "Tiffany" gewinnt durch den geschichtlichen Hintergrund, in den Winter die Story einbettet und bleibt unter dem Strich eine Empfehlung wert.

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