Cleopatra

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Amsterdam: Luitingh-Sijthoff, 1998, Titel: 'Cleopatra', Seiten: 255, Originalsprache
  • Dortmund: Grafit, 2000, Seiten: 345, Übersetzt: Stefanie Schäfer
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006, Seiten: 9, Übersetzt: Martin Molitor

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Thomas Kürten
Amtsmissbrauch

Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Unter dem Fundament des Tennisplatzes auf dem Anwesen der Familie Cleveringa wird bei Umbauarbeiten ein weibliches Skelett ohne Kopf und Hände gefunden. Die tote Frau muss vor über 15 Jahren beim Bau des Platzes hier verscharrt worden sein. Die Angelegenheit wird besonders dadurch pikant, dass Cleveringa zu diesem Zeitpunkt gerade zum Außenminister berufen worden war. Ermittlungen gegen solch einflussreiche Personen, auch wenn sie inzwischen nicht mehr in Amt und Würden sind, erfordern besonderes Geschick des Ermittlers.

Max Winters erster Auftritt ist also hochbrisant. Im Auftrag des ehemaligen Staatsanwaltes Meulendijk, der einem großen Ermittlungsunternehmen vorsteht, soll er für Lonneke, Cleveringas Tochter aus erster Ehe, untersuchen, ob es sich bei dem Skelett um die Überreste ihrer Mutter Cleopatra Cleveringa handelt. Die galt zwar seit 1980 als vermisst und wurde nach einem Flugzeugabsturz für tot erklärt, weil ihre Koffer an Bord der Unglücksmaschine waren, aber Lonneke hegt seit langem Zweifel daran. Zwei Jahre nach dem Unglück nämlich erhielt sie eine Postkarte - offenbar von ihrer Mutter. Und wieder ein Jahr später erst wurde der Tennisplatz gebaut.

Steine in den Weg

Dass Winter Ermittlungen aufnimmt passt vielen nicht. Schnell spürt er den Widerstand des ehemaligen Ministers und einflussreicher Freunde, die versuchen seine Untersuchungen im Keim zu ersticken. Mit List und Tücke erhascht ein einige wenige Informationen, die ihn zunächst auf die Spur einer gewissen Clara bringen, die damals mit Cleopatra befreundet war. Auch sie verschwand 1980 offenbar spurlos. Eine als Kurzurlaub getarnte Reise nach Malta lässt Winter jedoch hier eine Spur finden. Inzwischen aber soll er für Meulendijk den Fall abschließen, denn ein inhaftierter Serienmörder hat gestanden, eines seiner Opfer unter dem Tennisplatz abgelegt zu haben. Winter glaubt an diese Variante nun nicht mehr und darf ohne Meulendijks Wissen in Lonnekes direktem Auftrag weitermachen.

Der Auftakt der Max-Winter-Reihe ist ein Knaller. In bester Private-Eye-Manier erzählt Felix Thijssen von einem höchst delikaten Fall. Und er schafft es direkt in seinem Debütroman, seine Erzählung zu einer runden Sache reifen zu lassen, denn am Ende bleiben keine Fragen mehr offen. Die Figuren stimmen, der Fall stimmt, der rote Faden ist da und unter dem Strich wird man wunderbar unterhalten.

Kommt ohne Sozialkritik aus

Trotz des heiklen Themas (Untersuchung gegen ehemaligen Außenminister) kommt "Cleopatra" ohne Polemik oder gar aufgesetzte Sozialkritik aus. Gute Unterhaltung steht dem Autor eindeutig im Vordergrund. Winter als gescheiterter Polizist, ist jemand, der sein Leben in die Hand nehmen kann und nicht vor lauter Selbstmitleid vergeht wie viele seiner skandinavischen Kollegen. Er ist weder Superheld noch Moralapostel und überschreitet mit seinen Methoden mitunter auch schon mal den Rahmen der Legalität. In diesem Buch ist er noch über weite Passagen Einzelkämpfer. Seine Partnerin CyberNel (dieser Name ist so ziemlich das idiotischste am ganzen Roman) erhält erst im letzten Drittel der Handlung eine gewichtige Rolle. Sie ist in diesem Erstling auch noch nicht die Frau an Seite.

Interesse auf mehr von Thijssen wird durch diesen Roman auf jeden Fall geweckt, auch mit dem Hintergrundwissen, dass die Nachfolger von der Kritik nicht ebenso dekoriert wurden wie das Debut: Der Autor erhielt für "Cleopatra" 1999 den begehrten niederländischen Krimipreis Gouden Strop.

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