Knochenkälte
- Rowohlt
- Erschienen: November 2025
- 9


Alte Rechnungen.
Vier Jahre lang mussten sich Beckett-Fans gedulden, bis David Hunter zurückkehrt. Der forensische Anthropologe stürzt sich in sein nächstes Abenteuer, als er aufgrund eines Wintersturms in den Cumbrian Mountains strandet. Im kleinen Ort Carpendale schlummert tief unter der Erde seit Jahrzehnten ein Geheimnis. In den Wurzeln eines umgestürzten Baumes findet Hunter eine stark verweste Leiche. Während der Anthropologe an der Aufklärung eines Mordes arbeitet, trifft er innerhalb der Bevölkerung von Carpendale auf Widerstand. Jemand möchte die Aufklärung um jeden Preis verhindern und auch David Hunter für immer zum Schweigen bringen.
Lagerkoller killt die Spannung
Vermehrt greifen Autoren auf ein bestimmtes Szenario zurück: Ein von der Außenwelt abgeschnittener Ort, ein Mörder der frei herumläuft und den Protagonisten zur Strecke bringen will. Spannung ist hier garantiert, denn man kann den Leser mit Intrigen und Geheimnissen konfrontieren. Spielt sich der Plot jedoch nur an einem einzigen Ort ab, kann beim Leser schnell ein Lagerkoller entstehen. Dem versucht der Autor mit ausgiebigen Beschreibungen der Landschaft und Gesprächen der Charaktere im örtlichen Pub entgegenzuwirken, was ihm nach meinem Geschmack nicht sonderlich gut gelingt. Zu konturlos sind die Figuren der Geschichte. Die Dialoge nehmen erst Mitte des Buches an Fahrt auf und es fehlt ein rasanter, packender Start, der mich zum Weiterlesen zwingt.
Kein klassischer David Hunter-Krimi
Wer es schließlich geschafft hat, zur Hälfte des Krimis vorzudringen, den erwartet dennoch kein klassischer „Beckett“. Denn die ausgiebige Obduktion einer Leiche bleibt aus und so kann David Hunter den Leser auch nicht wie üblich mit seinem messerscharfen, analytischen Verstand beeindrucken. Die klassischen David Hunter Bücher waren gespickt mit Details über Verwesungsprozesse und die Anatomie des Körpers. Obwohl mir eine gewisse Menge an Forensik geboten wird, vermisse ich den Wissenschaftler David Hunter, der menschliche Skelette zum Leben erweckt.
Durchweg positiv sind die gewohnt präzisen Formulierungskünste von Beckett, der mit seiner Fähigkeit, eine Atmosphäre zu erzeugen, weiterhin ein Unikat bleibt. Kurze Kapitel mit viel Action sind ab der Hälfte des Krimis garantiert, während mir das Alleinstellungsmerkmal der Hunter-Reihe mit lehrreichen Beschreibungen forensischer Anthropologie zu kurz kommt.
Fazit
Wer zu Beginn etwas Ausdauer mitbringt und einen Actionreichen und schnellen Krimi lesen will, der greift zu diesem Buch. Hardcore Simon Beckett Fans werden den klassischen David Hunter in seiner Rolle als Meister der Anatomie vermissen.

Simon Beckett, Rowohlt

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