Der Fall Brinkowsky

  • Grafit
  • Erschienen: November 2022
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Thomas Gisbertz
68°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2023

Morde, Machtspiele und der Mossad

Die junge Hamburger Anwältin Katharina Tenzer wird von ihrer Freundin Rebecca Brinkowsky gebeten, ihr bei der Suche nach dem verschwundenen Ehemann juristischen Beistand zu leisten. Der liebevolle Vater und erfolgreiche IT-Unternehmer Isaak wird seit einigen Wochen vermisst. Da die Polizei nichts zu unternehmen scheint, erhofft sich Rebecca nun Hilfe und Unterstützung durch Katharina. Doch leider stellt sich schnell heraus, dass der Verschollene längst grausam ermordet wurde. Rechtsanwältin Katharina Tenzer stößt bei ihrer Recherche bald auf eine rätselhafte Verbindung Isaaks zum israelischen Auslandsgeheimdienst, auf fragwürdige Geschäfte und eine Mauer des Schweigens. Auch Kriminalkommissarin Inga Steenken und ihr Team der Hamburger Polizei machen Jagd auf den Mörder. Währenddessen wendet sich ein Whistleblower an den Journalisten Jorge de la Penya vom Nachrichtenmagazin EuroPA. Dabei geht es um eine neuartige, hochbrisante Rüstungstechnologie, die von einem deutschen Unternehmen in den Nahen Osten verkauft werden soll. Für Katharina Tenzer wird der Fall immer undurchschaubarer. Doch ihr Mandat niederlegen kann die Anwältin nicht mehr, denn inzwischen schwebt sogar ihre eigene Familie in Lebensgefahr.

Dritter Band der Katharina-Tenzer-Reihe

Olaf R. Dahlmann lebt in Großhansdorf, ist seit über fünfundzwanzig Jahren als freiberuflicher Rechtsanwalt tätig und Seniorpartner einer Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft. Aufgrund seiner frühzeitigen Spezialisierung auf das Steuerstrafrecht ist er mittlerweile einer der erfahrensten Hamburger Anwälte auf diesem Gebiet. Auch in seinem aktuellen Roman gewährt der Autor immer wieder Einblicke in seine Tätigkeit, die er geschickt mit einer überwiegend spannenden Handlung zu verflechten weiß. Hier kann der Roman überzeugen.

„Der Fall Brinkowsky“ ist der mittlerweile dritte Roman über die junge Hamburger Anwältin Katharina Tenzer.  Alle Bände sind im Grafit Verlag erschienen.

Große Themenvielfalt

Die Handlung des aktuellen Romans von Olaf R. Dahlmann hat einiges zu bieten: dubiose Rüstungsgeschäfte, undurchsichtige Machenschaften einer IT-Firma, Neonazis, Antisemitismus, israelischer Auslandsgeheimdienst, ein unbekannter Whistleblower, Erpressung, Entführung etc. Diese Themen verarbeitet der Autor nicht nur in mehreren parallel verlaufenden Handlungssträngen, sondern er setzt auch auf nicht weniger als vier „Ermittler“. Neben der engagierten Rechtsanwältin Katharina Tenzer sind auch Kommissarin Inka Steenken, der Journalist Jorge de la Penya und der Wirtschaftsdetektiv Leon Schmalzberger in den „Fall Brinkowsky“ involviert.

Dies alles zusammen sorgt für ein hohes Erzähltempo durch zahlreiche Perspektivwechsel und eine kurzweilige Handlung. Der Roman, der sich zwischen Wirtschaftskrimi und Agententhriller einordnen lässt, trifft vor allem mit dem brisanten Thema „autonome Waffen“ den Nerv der Zeit. Hier zeigt sich, wie nah die Geschichte an der Realität ist.

Erzähltechnisch oft zu einfach

Schwächen offenbart der Roman bei der Figurendarstellung und der erzählerischen Umsetzung der wirklich guten Idee. Es sind gleich mehrere logische Ungenauigkeiten, die nicht nur eine gute Polizeiarbeit in Frage stellen. Sicherlich lebt ein Roman auch von gerade diesen Abweichungen von der Wirklichkeit. Man sollte es aber nicht übertreiben. Genau das geschieht aber wiederholt, vor allem zum Ende des Romans hin. Die Handlungsweisen einiger Personen erscheinen mitunter vollkommen unglaubwürdig. So lässt zum Beispiel der Whistleblower in seiner verlassenen Wohnung nichts zurück - außer einem Ordner mit Informationen zur Gründung einer maltesischen Scheinfirma und einem persönlichen Telefonbuch. Auch zeigt sich dieser recht redselig in den Gesprächen mit de la Penya, inklusive Beschreibung seines weiteren Fluchtwegs. An Naivität wird er eigentlich nur noch vom Journalisten selber und dessen Handeln überboten. Nicht nur hierdurch verliert die gute Romanidee und das brisante Thema an Bedeutung. Der Roman bewegt sich vereinzelt am Rande zur Albernheit (nicht nur, wenn der Journalist vor einer Geldübergabe noch Sex mit seiner Freundin auf den druckfrischen Scheinen hat). Das zentrale Thema der modernen Rüstungsgefahren und der Verantwortung der Wissenschaft hätte man vielleicht stärker in den Vordergrund stellen sollen.

Fazit

Ein inhaltlich hochbrisanter, spannender Kriminalroman, dem es aber etwas an erzählerischer Stärke und Genauigkeit fehlt. Die Reihe hat sicherlich Potential, muss aber vor allem in der Figurenausarbeitung noch zulegen. Insgesamt ein kurzweiliges Leseerlebnis, wenn man nicht allzu kritisch ist.

Der Fall Brinkowsky

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