Der Erstgeborene

  • Goldmann
  • Erschienen: Dezember 2022
  •  4
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Thomas Gisbertz
85°1001

Krimi-Couch Rezension vonJan 2023

Robotham kann es einfach

Der 67-jährige Rohan Kirk, der seit einem Verkehrsunfall pflegebedürftig war, liegt brutal erschlagen in seinem Wohnzimmer. Weitere Blutspuren werden auf dem Küchenboden und im Waschbecken gefunden. Von seiner Tochter Maya, die mit ihrem Vater zusammen wohnte, fehlt jede Spur. Vater und Tochter waren für ihre lautstarken Auseinandersetzungen bekannt. Rohan Kirk beschwerte sich regelmäßig bei der örtlichen Polizeidienststelle über angebliche Misshandlungen. Der forensische Psychologe Cyrus Haven, der die Polizei in Nottingham bei der Aufklärung von Straftaten unterstützt, glaubt, dass Maya entführt wurde. Hat mit ihrem Verschwinden der Unbekannte zu tun, mit sich Maya über eine Dating-App für den Tatabend verabredet hatte? Als ein Bauer in der Nähe von Newstead Abbey eine Leiche findet, wird schnell klar, dass es sich beim Opfer um die Vermisste handelt. Aber warum sollte der Täter sie zuerst entführen, um sie dann doch zu töten? Um warum hat man der jungen Frau die Haare abgeschnitten? Haven und DSI Lenny Parvel stehen vor einem kniffligen Fall - und der Täter sucht noch nach weiteren Opfern.

Dritter Band der Cyrus-Haven-Reihe

Fans der neuen Reihe des australischen Bestsellerautors Michael Robotham mussten zwei Jahre auf den dritten Band warten. Nachdem 2021 der Standalone „Wenn Du mir gehörst“ erschien, veröffentlicht der Goldmann Verlag nun die ersehnte Fortsetzung um den Profiler Haven.

Internationale Bekanntheit erwarb Robotham durch seine grandiose Reihe um den an Parkinson erkrankten Psychologen Joe O'Loughlin und den privaten Ermittler Vincent Ruiz. Mit „Die andere Frau“ erschien Ende 2018 der elfte und bisher letzte Band der Reihe. Ein damals durchaus mutiger Schritt Robothams, seine Erfolgsserie zu beenden und sich auf etwas Neues einzulassen. Spätestens nach dem nun vorliegenden dritten Band um den Psychologen Cyrus Raven und sein Mündel Evie Cormac ist aber klar: Egal, was und worüber der Australier schreibt, es wird ein Erfolg. Michael Robotham ist einfach ein Thriller-Gigant.

Schatten der Vergangenheit

Cyrus Haven ist zurück - und wie! Robotham überzeugt erneut mit der ganzen Bandbreite seines Könnens: eine von Beginn an subtile Spannung, ein wendungsreicher, clever konstruierter Plot, ein wundervoll flüssiger Schreibstil, feinsinnigen Humor, eine temporeiche Handlung und eine starke Figurenzeichnung. Dass die verschiedenen Handlungsstränge am Ende gekonnt zusammengeführt werden, ist man vom Australier schon gewohnt. Ein Thriller wie aus dem Lehrbuch.

Cyrus Haven ist erneut als Profiler, einem Fachmann für menschliches Verhalten in seiner schlimmsten Ausprägung, gefragt. Ihn ruft man, wenn es die Polizei mit Soziopathen und Psychopathen, Außenseitern und Einzelgängern, Sonderlingen und Verwirrten zu tun bekommt. Warum sich der Psychologe mit dem menschlichen Abschaum beschäftigt, liegt in einem familiären Albtraum begründet: Sein geistiger verwirrter Bruder Elias tötete als 19-Jähriger die Eltern und die Zwillingsschwestern, weil er Stimmen in seinem Kopf hörte. Cyrus überlebte nur durch Zufall.

Nun, 20 Jahre später, soll der angeblich geheilte Elias in Cyrus' Obhut entlassen werden - und konfrontiert diesen auf brutale Art mit seiner Vergangenheit. Haven hat seinem Bruder vergeben und ist darauf vorbereitet, ihn bei sich aufzunehmen. Aber sind die Stimmen in Elias' Kopf wirklich verstummt und ist er nun vollkommen ungefährlich? Eine Situation, die nicht nur für den Psychologen selbst, sondern auch für sein Mündel und seine Mitbewohnerin Evie Cormac eine Herausforderung darstellt.

Ambivalentes Verhältnis

Die aufsässige Teenagerin mit der Gabe, jede Lüge zu enttarnen, lebt weiterhin unter der Obhut Havens. Auch Evie ist einst Opfer eines traumatischen Ereignisses geworden, das sie zu tiefst geprägt hat. Sie ist ein ängstliches, verstörtes Kind, selbstzerstörerisch, hasst sich, ist anti-sozial, widersetzt sich jeder Kritik. Im nächsten Augenblick kann sie aber auch eine taffe, selbstbewusste, unerschrockene junge Frau sein, die für den über zehn Jahre älteren Haven durchaus reizvoll erscheint. Sie meint es oft gut, stößt anderen damit aber vor den Kopf. Mittlerweile geht Evie wieder in die Schule - und eckt bei den Lehrern und Mitschülern mit ihrer speziellen, direkten Art an. Als sie bei einem Aushilfsjob in einer Kneipe Geld für ein Auto verdienen möchte, bekommt sie es nicht nur mit einem arroganten Chef zu tun: Evie meint eines Abends auch den wahren Mörder von Maya erkannt zu haben. Damit bringt sie nicht nur sich, sondern auch Cyrus und andere Personen in große Gefahr.

Fazit

Michael Robotham spielt einfach in einer anderen Liga. Was der australische Thrillerautor seit nunmehr 17 Jahren regelmäßig abruft, sucht seines Gleichen. Haven, Cormac und Parvel sind längst aus dem langen Schatten von O`Loughlin und Ruiz getreten. Auch mit seiner zweiten Reihe ist Robotham auf dem besten Weg, sich ein Denkmal zu setzen. Ein absolutes Muss für alle Thriller-Fans.

Der Erstgeborene

Michael Robotham, Goldmann

Der Erstgeborene

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