Blutmond

  • Ullstein
  • Erschienen: November 2022
Blutmond
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Thomas Gisbertz
82°

Krimi-Couch Rezension vonDez 2022

düster, hart, packend

Harry Hole hat nach dem Tod seiner Frau alle Brücken hinter sich abgebrochen. In Los Angeles versucht er seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. In seiner Stammkneipe trifft der Ex-Cop auf Lucille, eine ältere Filmdiva, die einem Drogenkartell eine Million Dollar schuldet. Dies weckt in Hole den Beschützerinstinkt. Da ereilt ihn unverhofft aus Oslo ein lukratives Angebot. Denn dort werden zur gleichen Zeit zwei junge Frauen ermordet. Beide feierten auf der Yacht des stadtbekannten Immobilienmaklers und Milliardärs Markus Røed.

Kommissarin Katrine Bratt fordert ihren ehemaligen Kollegen Hole an, doch die Führungsetage der Polizei hat kein Interesse an dem Spezialisten für Mordserien. Zu sehr zweifelt man aufgrund Holes labiler Natur und seines Drogenproblems an dessen Nutzen. Røed zeigt hingegen weniger Skrupel und bietet Hole als privatem Ermittler eine Millionen Dollar, um seinen Ruf zu schützen.

Der Ex-Cop willigt ein, denn er sieht eine Chance, Lucille freizukaufen. Nun braucht er nur noch ein schlagfertiges Team, das ihn unterstützt. Gemeinsam machen sie Jagd auf einen skrupellosen, eiskalten Psychopathen. Und Hole bleiben nur zehn Tage, um die Lucilles Schulden zu begleichen und diese vor dem Tod zu bewahren.

Fußballer, Musiker, Autor

Über Autor Jo Nesbø muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Der Norweger gehört zu den meistverkauften Krimiautoren der Welt, seine Bücher werden in 50 Sprachen veröffentlicht und weltweit über 50 Millionen Mal verkauft.

Bevor der in Oslo geborene Nesbø Krimiautor wurde, spielte er Fußball für den norwegischen Erstligisten Molde. Schwere Verletzungen zerstörten aber seinen Traum vom professionellen Fußball. Nach drei Jahren Militärdienst besuchte er die Handelsschule und gründete die Band „Di derre“. Obwohl diese in Norwegen sehr erfolgreich war, arbeitete Nesbø weiterhin als Makler und Journalist. Als er von einem Verleger beauftragt wurde, mit seiner Band eine Lebenserinnerung über das Leben auf Reisen zu schreiben, entwickelte er stattdessen die Handlung für seinen ersten Harry-Hole-Krimi „Die Fledermaus“ (1997).

Nun erscheint bei Ullstein der mittlerweile 13. Band der Reihe. Mehr als drei Jahre ließ sich der Autor Zeit, um nach „Messer“ den nächsten Fall um Harry Hole zu veröffentlichen. Aber der Roman zeigt, dass der Norweger nichts an seiner Extra-Klasse eingebüßt hat.

Hole einmal anders

Harry Hole ist zurück - und wie! Diesmal bewegt er sich aber auf einem ungewohnten Terrain, da der Ex-Cop nun als Detektiv tätig ist. Genauso ungewöhnlich ist sein Team, das er um sich versammelt: Holes Kokain-dealenden Schulfreund Øystein, seinen ehemaligen Kollegen Truls, der wegen Unterschlagung derzeit suspendiert ist, und den schwer an Krebs erkrankte Psychologe Ståle Aune, der ihm bei seinen Mordfällen bisher stets zur Seite stand.

Das Team um Hole bekommt es mit einem äußert ungewöhnlichen und seltsamen Fall zu tun. Der Täter geht brutal vor: Während er dem ersten Opfer noch das Gehirn entnimmt, trennt er dem zweiten direkt den ganzen Kopf ab. Scheinbar hatten beide Frauen vor dem Mord noch Sex mit dem Täter. Dieser scheint wenig rational zu handeln und zunächst kein klares Motiv zu besitzen. Hole steht genauso wie die Polizei und seine ehemalige Kollegin Katrine Bratt vor einem Rätsel. Und was hat der Milliardär Røed mit den Morden zu tun?

Hole muss die Frage nach dem „Warum“ aufgeben und sich auf das „Wie“ konzentrieren, da das Motiv zu tief im Dunkeln des Wahnsinns zu liegen scheint. Es dauert daher einige Zeit, bis die Ermittlungen Fahrt aufnehmen und man dem Täter auf die Spur kommt. Hole muss feststellen, dass das Motiv kaum grausamer, widerwärtiger und bizarrer sein könnte. Um den Mörder zu fassen, muss sich der ehemalige Ermittler in Lebensgefahr begeben. Doch was hat Hole eigentlich noch zu verlieren?

Faszinierendes Motiv

Das Mordmotiv im 13. Band der Harry-Hole-Reihe ist so ungewöhnlich wie faszinierend: Zoonose, ein Phänomen, dass spätestens seit dem Corona-Virus Bekanntheit erlangt hat. Um was es genau geht und wie dies mit den Morden in Verbindung steht, sei nicht verraten. Nur so viel: Man muss als Leser einiges aushalten können. Aber das ist bei dieser Reihe nichts Ungewöhnliches. Spannend ist der Roman allemal und Jo Nesbø beweist einmal mehr, dass er ein Meister der Twists, der unerwarteten Wendungen und erzählerischen Sprüngen ist. Zugegeben: Die erste Hälfte des Romans ist noch recht tempoarm, dafür aber nicht minder interessant. Man sollte aufmerksam lesen, um in der zweiten Hälfte den zahlreichen Einfällen und Ideen des Autors folgen zu können. Hier entfaltet der Norweger seine ganze erzählerische Klasse.

Fazit

 Jo Nesbø ist einfach einer der besten Thriller-Autoren weltweit. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dann liefert der Norweger ihn mit dem 13. Band seiner schier unverwüstlichen Harry-Hole-Reihe. Das Niveau der Serie über 25 Jahre derart hoch zu halten, schaffen nur die Wenigsten. Nesbø ist wahrlich ein Phänomen.

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