Die Unverbesserlichen

  • Ullstein
  • Erschienen: November 2022
Die Unverbesserlichen
Die Unverbesserlichen
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Thomas Gisbertz
70°

Krimi-Couch Rezension vonNov 2022

Leider noch kein allzu großer Coup

Eigentlich ist Guillaume Lipaire gar kein Franzose, sondern ein waschechter Deutscher. Wilhelm Liebherr nennt er sich aber schon lange nicht mehr. Unter der Sonne Südfrankreichs möchte sich der ehemalige Apotheker ein entspanntes Leben machen. Hier arbeitet er nun als „gardien“ in der Lagunenstadt Port Grimaud an der Côte d’Azur. Lipaire ist hauptberuflich Quartierswächter über zahlreiche Ferienhäuser und Wohnungen, nebenberuflich aber Gelegenheitsgauner. So vermietet er die leerstehenden Unterkünfte gerne an Touristen, ohne dass es deren Besitzer merken. Als sich die gesamte Adelsfamilie der Vicomtes ankündigt, muss Lipaire zusammen mit seinem Kumpel Karim die letzten Spuren einer inoffiziellen Vermietung beseitigen und das Anwesen herrichten. Doch leider finden die beiden im Schlafzimmer eine Leiche. Aus Angst vor strafrechtlichen Folgen beschließen Lipaire und Karim, den Toten zu entsorgen - was gar nicht so einfach ist.

Suche im malerischen Küstenstädtchen

Doch dies ist erst der Beginn einer verrückten Suche nach einem Familienschatz und für den Gelegenheitsdieb Lipaire die Chance, schnell an Geld zu kommen.

Er versammelt - zunächst gegen seinen Willen - neben seinem Freund und Wassertaxifahrer Karim ein ungewöhnliches Team um sich, das ihm dabei helfen soll, das Rätsel zu lösen: Eisverkäuferin Jacqueline, Ex-Fremdenlegionär Paul, Delphine, die den örtlichen Handyladen betreibt, und die 84-jährige Lebedame Lizzy. Zusammen sind sie die „Unverbesserlichen“ von der Côte d’Azur. Dumm nur, dass keiner von ihnen weiß, wie man einen großen Coup aufzieht und ihnen die Adeligen langsam, aber sicher auf die Schliche kommen. Ein turbulentes Katz-und-Maus-Spiel durch den malerischen Urlaubsort beginnt, bei dem eine Katastrophe die nächste jagt.

Neue Cosy-Reihe

Das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr ist hierzulande dank ihrer Kluftinger-Reihe bestens bekannt. Mit „Affenhitze“ erschien in diesem Jahr bereits der zwölfte Band um den eigenwilligen Kommissar aus dem Allgäu.

Bereist 2017 veröffentlichten sie mit „In der ersten Reihe sieht man Meer“ eine witzig-nostalgische Reise in die 80er-Jahre, die mitunter der neuen Romanreihe in gewisser Weise ähnelt. 2019 erschien mit „Draußen“ der erste Thriller der Bestsellerautoren, der zeigte, dass sie sich nicht nur auf komödiantische Kriminalromane verstehen.

Nun verschlägt es Klüpfel/Kobr an die Côte d’Azur. Der erste Band um die „Unverbesserlichen“ ist gerade erst auf dem Markt, da steht bereits fest, dass im Mai 2023 der zweite Roman der Reihe erscheinen wird.

Zwischen lustig und banal

An der neuen Reihe werden sich die Geister scheiden: Liebhaber des Cosy-Krimis dürfte die eigenwillige Truppe mögen, deren Mitglieder sich allesamt in Port Grimaud mit Gaunereien über Wasser halten. Wer allerdings einen spannenden, wendungsreichen Plot sucht, der liegt hier vollkommen falsch.

Unterhaltsam wird es immer dann, wenn in kurzweiligen Episoden die einzelnen „Unverbesserlichen“ vorgestellt werden und aufeinandertreffen, auch wenn die Autoren mitunter nahe an der Grenze zum Albernen balancieren. Die Figuren sind Karikaturen und erinnern an Gaunerkomödien der 60-/70er Jahre oder Klamauk-Filme der 80er- Jahre, was durchaus amüsant ist, wenn man alles nicht allzu ernst nimmt. Letztendlich unterhält das ungewöhnliche Team aber, was vor allem an den munteren Dialogen und witzigen Einfällen der Autoren liegt.

Der Roman hat dann seine Längen, wenn die Adelsfamilie Vicomte im Zentrum der Handlung steht. Hier lassen die Autoren wirklich vom alternden Patriarchen, über die Influencerin Isabelle bis zum ständig betrunkenen Onkel Henri kein Klischee aus. Der gesamte Habitus der Familie ist einfach zu viel des Guten. Besonders hier ist der Roman phasenweise ebenso schwer zu ertragen wie die dort beschriebene sommerliche Hitze an der Côte d’Azur.

Wie ein Urlaub

Das Buch lebt von den Figuren und ihrem Zusammenspiel. Der Fall, der eng mit Port Grimauds Geschichte verbunden ist, wird da fast zur Nebensache. Im Mittelpunkt des Romans steht neben der sympathischen Gaunertruppe das pittoreske Küstenstädtchen Port Grimaud und sein verzweigtes Kanallabyrinth. Unweigerlich kommt bei der Lektüre Ferienstimmung auf. Und genauso wie ein Urlaub ist auch dieser Roman - leicht, erholsam, unbeschwert, entspannend. Eine überwiegend kurzweilige und amüsante Erzählung, die man nebenbei lesen kann, die aber nicht tiefgründig und allzu spannend ist. Eine amüsante Unterhaltung - genau das Richtige für kalte Winterabende.

Fazit

Ein Roman, der mit skurrilen Figuren und pointierten Dialogen unterhält, aber nur mäßig spannend ist. Insgesamt trägt sich die charmante Grundidee nicht über die gesamte Länge des Romans. Wer die Kriminalromane von Pierre Martin, Sophie Bonnet oder Julie Dubois mag oder humorvolle Cosy-Krimis schätzt, der dürfte mit den „Unverbesserlichen“ genau richtig liegen.

Die Unverbesserlichen

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