The Dark

  • Knaur
  • Erschienen: November 2022
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension vonNov 2022

Eingesperrt im Eis und in totaler Dunkelheit

Nach einem Verkehrsunfall liegt das Leben der Notärztin Kate North in Trümmern. So nimmt sie nur allzu gern ein Angebot an, um auf einer abgelegenen Forschungsstation der United Nations Antartica Station, UNA, für mehrere Monate zu arbeiten. Ihr Vorgänger, der Arzt Jean-Luc Bernas, starb bei einer Kletterübung durch einen Materialschaden. Nun soll Kate gemeinsam mit zwölf Forschern aus unterschiedlichsten Ländern in dieser unwirklichen Welt arbeiten und leben. Bis zu minus sechzig Grad, monatelange Dunkelheit, 3.800 Meter über dem Meeresspiegel in dünner Luft und nur jeden zweiten Tag zwei Minuten zum Duschen.

Mit Einsetzen der Dunkelheit, nur gegen Mittag gibt es wenige Stunden Dämmerlicht, zeigt sich, dass nicht alle Personen mit den klaustrophobischen Bedingungen klarkommen. Doch wegen der Kälte und der Dunkelheit ist eine Flucht unmöglich, ein Flugzeug wird erst in einigen Monaten eine Landung wagen. Die Anspannungen steigen, merkwürdige Dinge geschehen und bald ahnt Kate, dass ihr Vorgänger womöglich nicht durch einen „normalen“ Unfall starb. Alex wird von einigen Teammitgliedern verdächtigt, bei der Materialausstattung etwas geschlampt zu haben. Öfter gerät er mit Luuk aneinander. Kate ist über die zunehmende Aggression irritiert, aber es passieren noch wesentlich merkwürdigere Dinge. Ihr kleines Zimmer wird durchsucht, ihre Schmerztabletten, von denen sie seit dem Verkehrsunfall abhängig ist, verschwinden, ebenso wie Videoaufzeichnungen im System. Laut Tom, dem zuständigen Datenmanager, wurden die Dateien allerdings von ihr selber gelöscht.

Dann überschlagen sich die Ereignisse plötzlich. Caro gesteht Kate, dass sie schwanger ist und muss ihr Kind auf der Station bekommen, obwohl die erforderliche medizinische Ausstattung natürlich fehlt. Als ein Teammitglied unter denkwürdigen Umständen, sprich nur leicht bekleidet, im Eis zu Tode kommt, wird allmählich klar, dass eine der verbleibenden zwölf Personen ein Mörder sein muss. Aber warum weigert sich die Stationsleiterin Sandrine dies einzugestehen? Warum spricht sie beharrlich von Selbstmord und warum reagiert sie Kate gegenüber kalt und abweisend?

Actionreicher Locked-Room-Thriller an spektakulärem Ort

Emma Haughton hat mit „The Dark“ einen packenden und actionreichen Thriller aus der Kategorie „Locked-Room“ geschrieben, der noch dazu an einem der unwirtlichsten Orte spielt. Von außen über Monate nicht erreichbar, sind die Crewmitglieder auf sich allein gestellt. Da kommt ein vermeintlicher Serienmörder natürlich besonders ungelegen und da nicht wenige Personen sich merkwürdig verhalten, kommen einige als Täter in Frage. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende ordentlich hoch, wobei nicht alle überrascht sein werden. Zudem hat der Roman in der ersten Hälfte seine Längen, denn zunächst wollen alle Figuren vorgestellt werden. Dies erfordert Zeit, zumal Kate auch immer wieder an ihren besagten Unfall zurückdenken muss. Was es mit diesem konkret auf sich hat, wird erst gegen Ende des Romans erklärt, nur so viel ist klar: Seitdem leidet sie unter einer Abhängigkeit von Schmerztabletten, die sie in Massen nimmt. Klar, dass ihr da so manche Situation entgleitet; ihre Versuche, dem mysteriösen Tod ihres Vorgängers nachzugehen, über den beharrlich geschwiegen wird, lässt sie jedenfalls reihenweise in Fettnäpfchen treten, wodurch die Stimmung noch weiter sinkt.

Die Atmosphäre in der Forschungsstation wird eindringlich beschrieben, die rauen Bedingungen sind beinahe körperlich spürbar. Nach gut der Hälfte des Romans kommt es zum aktuellen Todesfall, erst danach zieht das Tempo und die Action massiv an. Kate erzählt als Ich-Erzählerin, wodurch ihre Situation noch eindringlicher wirkt. Sprachlich gelingt allerdings nicht alles. Es gibt zahlreiche Rückblicke beziehungsweise Dopplungen und Fragen der Kategorie „Was ist hier los?“ werden in ähnlicher Formulierung oft gestellt. Die Lieblingsformulierung von Kate lautet übrigens: “ Ach du Scheiße.“ Dass Kate zudem nicht immer rational handelt und das Finale ein wenig unglaubwürdig ist, soll hier nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Sei’s drum.

Fazit

Actionreicher Locked-Room-Thriller mit kleinen Anlaufschwierigkeiten. Später ein lupenreiner Pageturner, der in einem der abgelegensten, kältesten und dunkelsten Orte dieser Welt spielt.

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