Die Filiale

  • Droemer
  • Erschienen: September 2022
Die Filiale
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Thomas Gisbertz
80°

Krimi-Couch Rezension vonOkt 2022

Spannender, gut recherchierter Finanzthriller

Laura Jacobs ahnt nichts Gutes, als sie den Brief der Wohnungsbaugesellschaft in ihren Händen hält: Eben noch verhinderte sie bei einem Überfall auf ihre Filiale der BWG Bank in Berlin ein Blutbad - jetzt hält sie die Kündigung für den Mietvertrag ihres Zuhauses in der Hand. Die Bank, der neben Lauras Haus eine ganze Reihe von Immobilien in Berlin gehört, will die Grundstücke an einen Investor verkaufen. Während sie noch gemeinsam mit ihrem Mann Timo überlegt, was sie gegen die Kündigung unternehmen kann, wird sie von ihrem neuen Chef als Dank für ihr couragiertes Auftreten beim Überfall zur stellvertretenden Filialleiterin befördert. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer, denn Laura wird in einen mysteriösen Komplott verwickelt - zusammen mit dem ehemaligen Regionalvorstand der Bank. Als man diesem dann auch noch den Mord an einer Prostituierten in die Schuhe schieben will, wird Laura klar, dass sie es mit etwas weitaus Schlimmerem als einem gierigen Immobilienhai zu tun hat.

Start der neuen Etzold-Reihe

Bestsellerautor Veit Etzold hat sich bei Thriller-Fans vor allem durch die Clara-Vidalis-Reihe einen Namen gemacht. Mittlerweile sind acht Bände um die Hauptkommissarin und Expertin für Pathopsychologie am Berliner LKA erschienen, zuletzt 2021 „Höllenkind“.

Als ehemaliger Banker und Experte für internationale Wirtschaft und Finanzwesen (u. a. bei der Boston Consulting Group) war es daher für Etzold ein logischer Schritt, nach diversen Politthrillern irgendwann einmal eine Reihe zu konzipieren, die sich mit dem Bankenwesen beschäftigt. „Die Filiale“ stellt nun den Auftakt zu Veit Etzolds neuer Thriller-Reihe um Laura Jacobs dar: einer bemerkenswert taffen Frau, die in einen mörderischen Finanzskandal verwickelt wird. Etzold beweist in einem gut recherchierten und kenntnisreichen Roman, dass Wirtschaftskriminalität äußerst spannend sein kann. Der Roman macht damit bereits jetzt Lust auf die Fortsetzung.

Skandale und Intrigen

Veit Etzold ist ein Thriller-Profi durch und durch. Er versteht es, den Leser zu fesseln. Auch wenn der Einstieg diesmal etwas skurril erscheinen mag, stellt er nicht nur ein einschneidendes Ereignis im Leben der Bankangestellten Laura Jacobs dar, sondern löst gleichzeitig eine Kettenreaktion voller Verwicklungen, Intrigen und dunklen Machenschaften aus, in dessen Sog auch die Protagonistin gerät. Es braucht etwas Zeit braucht, bis die Handlung richtig ins Rollen kommt. Als Laura aber Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einzelnen Bankkonten auffallen, überschlagen sich die Ereignisse regelrecht. Unterstützung erhält sie von Marc Schneider, einem Finanzexperten, der vor einem Jahr die Bank Richtung Frankfurt verließ. Von ihm erfährt sie nicht nur Interna zum Immobilienverkauf der BWG, sondern er hilft ihr mit seinem Wissen auch, einen großen Finanzskandal innerhalb der Bank aufzudecken.

Starke Protagonistin

Das Figurentableau ist alles andere als langweilig. Da gibt es zum einen „Finanztypen“ wie Lauras Vorgesetzten Tom Harding, einen machtgeilen, skrupellosen Blender, der nicht nur in seinem äußeren Erscheinungsbild etwas an Gordon Gekko aus dem Film „Wall Street“ (1987) erinnert. Ein Typ, der für seinen beruflichen Erfolg alles machen würde.

Als Kontrastfigur hierzu dient unter anderem Lauras Mann Timo, mit dem sie seit 20 Jahren verheiratet ist. Der gelernte Handwerker steht für den naiven, gutgläubigen Charakter, der meint, sich mit dem modernen Finanzwesen auszukennen und der unter anderem dank der „Hilfe“ seines Chefs Jochen bei einer todsicheren Sache eben einmal 30.000 Euro in den Sand setzt.

Laura Jacobs selber ist eine selbstbewusste Frau, die besonders in außergewöhnlichen Situationen instinktiv richtig zu handeln vermag und die Mitten im Leben steht. Eine Heldin, die es versteht, über sich hinauszuwachsen und die es in beeindruckender Weise schafft, der männerdominierten Finanzwelt die Stirn zu bieten.

Welt des Geldes

Der Roman besticht mit einem sehr informativen Hintergrund zu Themen rund um das Finanzwesen und den hart umkämpften (Berliner) Wohnungsmarkt. Dabei gewährt der Autor einen tiefen Einblick in die Welt der Aktien, Börsenspekulationen und (illegalen) Geld- und Immobiliengeschäften. Aber keine Angst: Etzold versteht es, die zahlreichen Fachbegriffe und Informationen leicht verständlich in die Handlung einfließen zu lassen. Er dürfte mit seinem Wissen beim Leser sogar für den ein oder anderen Überraschungsmoment sorgen, wenn der Autor Licht ins Dunkle der Finanzwelt bringt. Man sollte sich aber idealerweise für diesen Themenkomplex als Leser interessieren. Lohnenswert und interessant sind die Hintergrundinformationen aber auf jeden Fall.

Fazit

Ein Thriller, der aktueller kaum sein könnte. Etzold lässt seine Heldin nicht nur einen Finanz- und Immobilienskandal aufdecken, sondern bietet den Lesern einen beängstigenden Blick hinter die Kulissen des Bankwesens und der Aktienwelt. Ein durchaus beängstigender Thriller, der sich dank seiner sympathischen und couragierten Protagonistin und der guten Recherche vom Thriller-Mainstream deutlich abhebt.

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