Tödlicher Frost Teil 1

  • Contendo
  • Erschienen: Juli 2022
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Malte Stamer
75°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2022

Ein Küstenkrimi in zwei Teilen

Contendo Media ist ein erfolgreicher und rühriger kommerzieller Hörspielproduzent, der viele verschiedene Genres im Angebot hat. Die Reihe Insel-Krimis ist bereits bei Folge 21, die Küsten-krimis bei Folge 11. Der eigene Anspruch ist, norddeutschen Charme mit spannenden Thrillern sowie aufwändiger Herstellung zu verbinden. Umgesetzt wird dies vor allem dank guter Vorlagen und professionellen, bekannten Sprechern.

Inhalt

Ausgerechnet an Silvester legt ein Schneesturm die Ostseeküste rund um den Timmendorfer Strand lahm. Nichts geht mehr. Drei rüstige Rentner, die das Unwetter zusammengeführt hat, gelangen gerade noch ins vornehmste Hotel des Ortes. Dort herrscht das Chaos: Buchungen wurden abgesagt, Personal konnte nicht kommen und die aufwändige Silvester-Fete findet mit Notbesatzung statt. Um ein Hotelzimmer bemüht, lauschen die drei einem Gespräch zwischen dem Hotelmanager und seinem Boten Lenz: Es geht offenbar um dubiose Geldgeschäfte. Und eben dieser Lenz wird kurz nach Mitternacht von den drei Senioren in der Eiseskälte vor dem Hotel erschossen aufgefunden. Besteht ein Zusammenhang mit dem belauschten Gespräch?

Leo, ein ehemaliger Kommissar, nimmt das Heft in die Hand und ermuntert Wilko und Nora gemeinsam zu ermitteln. Die Polizei wird noch einige Tage brauchen bis sie zum Hotel vordringt. Nun beginnt die detektivische Kleinarbeit. Wie genau wurde der Mord durchgeführt? Wer hat was gesehen? Der schwächelnde Mann einer Ehefrau, die frisch entbunden hat, der einen optimalen Schusswinkel hatte? Oder sogar die Gebärende? Auch der ärztliche Helfer kommt in Frage. Welche Rolle spielen die heimlichen Geschäfte des Hotelmanagers? Mitten in diesen Ermittlungen findet ein zweiter Mord statt. Im Hotelpool schwimmt ein Toter.

In seiner Umkleidekabine finden sich extrem viel Geld und 2 Kilo Heroin. Die Drei setzen alles auf eine Karte, damit das Morden ein Ende findet.

Das Hörspiel

Die Grundidee, einen Schneesturm der den Timmendorfer Strand für Tage von der Außenwelt abschneidet, ist auch in Zeiten des Klimawandels ziemlich abwegig. Aber damit gelingt es dem routinierten Autor Marc Freund, einen Closed-Room-Crime zu erzählen, der letztlich spannend und immer wieder überraschend ist: Zwei Tote, viele Verdächtige, Schneesturm, Casino-Gelder, Drogen, genügend Stoff also für 2 Stunden. Die Story braucht etwas Anlaufzeit, erst nach 45 Minuten gibt es den ersten Toten. Die Ermittlungsgespräche der drei zufällig zusammengekommenen Senioren sind kleine Highlights. Jeder hat seinen eigenen Weg, seinen unverwechselbaren Stil. Erst gegen Ende werden sie zum Team. Leo, der Ex-Kommissar ist in sich schlüssig gespielt, ebenso wie die rüstige, entscheidungsfreudige Nora. Wilko, der Zahnarzt, ist mal zaudernd, mal entschlussfreudig, wenig stimmig.

Das Hörspiel nimmt sich viel Zeit für Dialoge, die wirklich hörenswert sind, auch daher die vergleichsweise lange Spielzeit. Die im Text angelegte Ironie hätte die Regie nicht betonen müssen.  Schön, wie die Ermittlungsarbeit und die Diskussionen des Teams an Holmes und Watson erinnern.

Die Geschichte wird chronologisch sauber erzählt. Es ergeben sich immer wieder hörenswerte Szenen: der dubiose Hotelmanager, die unerwartete Niederkunft, die Ermittlungsdialoge, der Tote im Pool und am Ende noch eine Verfolgungsjagd mit Auto und Schneepflug!

Ungewöhnlich ist die Haltung des Autors zu den Verdächtigen: Selbst, wenn jemand des Mordes verdächtigt wird, erfährt der Hörer soviele Details über seine persönliche Vorgeschichte, dass der Hörer geneigt ist, Verständnis für die Tat aufzubringen. Auch hier eine Ähnlichkeit zu Sherlock Holmes, der ja ein sehr eigenwilliges Verständnis von Strafverfolgung hatte.

Immer wieder wird norddeutsch klingende Musik eingespielt. Ein wenig mehr Küstenbackground wäre nett gewesen. Sound wird sparsam, aber stimmig eingesetzt.

Insgesamt bietet das Hörspiel „norddeutschen Charme“ verbunden mit Spannung und unterhaltsamen Szenen.

Die drei Rentner sind ein sympathisches Team, das noch Entwicklungspotential hat. Leider hat der Verlag schon eine Reihe unter dem Titel Die drei Senioren im Angebot!!

Die Sprecher

Das Konzept der Serie beinhaltet den Einsatz von erfolgreichen und bekannten Sprechern. Tatsächlich sind die Stimmen einprägsam, jederzeit erkennbar und charakteristisch für jede Figur. Aber dass jedes Wort, jede Satzwendung ein stimmliches Kunstwerk werden soll, nimmt dem Hörspiel ein wenig die Spannung. Peter Fricke als Zahnarzt ist kaum auszuhalten, während Uschi Hugo, als Sängerin, und auch Christian Jungwirth, als ärztlicher Geburtshelfer, ihre Rolle kongenial ausfüllen. Die Textvorlage hat ohne Zweifel hohes sprachliches Niveau: kurze knappe Sätze, präzise gewählte Worte, manchmal ironisch, manchmal scharf. Da schadet die Überbetonung der Sprecher dem tollen Text.

Fazit

Ein unterhaltsamer Regionalkrimi mit Spannung, Abwechslung und anspruchsvollem Text. Die exzellenten Stimmen verdienen einen großen Hörerkreis. Auch wenn sie sich etwas zurücknehmen sollten.

Tödlicher Frost Teil 1

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Tödlicher Frost Teil 1

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