SØG - Land ohne Licht

  • DAV
  • Erschienen: Juli 2022
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Carola Krauße-Reim
70°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2022

Was würde die Polizei nur ohne Nina Portland tun?

Mit „Søg – Land ohne Licht“ beendet Jens Henrik Jensen seine Nina-Portland-Trilogie. Dieses Mal muss Nina sich nicht nur mit einem missgelaunten Chef herumschlagen, sondern gleich mit der CIA. Doch nicht genug, zeitgleich entbrennt in Esbjerg ein Bandenkrieg, der auch unschuldige Opfer fordert.

Ein Flugzeugabsturz und zwei Tote

Zwei Tote treten in Esbjerg einen Krieg zwischen Drogenbanden vom Balkan und aus der Türkei los. Die Frage ist, warum das alles? Das würde Nina Portland gerne herausfinden, doch ein sehr grummeliger Birkedal schickt sie an einen Strand, wo ein abgestürztes Flugzeug einen Toten und zwei Schwerverletzte fordert. Eigentlich sollte Nina nur Routineuntersuchungen durchführen, doch Nina wäre nicht Nina, wenn sie nicht auf Anhieb Unstimmigkeiten wittert. Was sie nicht weiß: im Flugzeug befand sich ein Gefangener der CIA, der von Island aus in ein geheimes Gefängnis in Rumänien gebracht werden sollte, wo ihm illegale Verhöre oder sogar Folter bevorstanden. Dieser Gefangene ist verschwunden, doch die CIA will ihn wieder haben und setzt eine großangelegte Jagd in Gang, die besonders für Nina zu einer Herausforderung wird.

Nina – eine dänische Superwoman

Während im zweiten Teil der Trilogie noch das ganze Team der Esbjerger Kriminalpolizei im Einsatz war, hat man jetzt den Eindruck, Nina stemmt das alles ganz alleine. Sie wird sogar von Birkedal auf eine Einzelmission geschickt, in der sie ganz nach eigenem Gutdünken und von ihren berühmten Intuitionen geführt ermitteln soll. Nina mutiert von einer ambitionierten Polizistin zur dänischen Superwoman, ohne deren scharfe Augen und wacher Verstand die Menschheit am Ende wäre. Diese völlig überzogene Darstellung kann in Comics ja ganz passend sein, in einem Thriller schafft sie nur Langeweile. Wenn diese Ausnahmefrau dann ausgerechnet bei einem relativ simplen Problem mit ihrem Sohn an ihre Grenzen stößt, macht es das Ganze noch unglaubwürdiger.

Über lange Strecken langweilig

Jensen versucht ein ganz dickes Brett zu bohren. Die illegalen Entführungen und Verhörpraktiken der USA, selbst nach dem Verbot von Obama, wären eigentlich schon Thema genug für einen Thriller. Doch der Autor packt noch die zunehmende Radikalisierung in Dänemark drauf und würzt das Ganze dann zusätzlich mit dem eher unwürdigen Umgang des Staates mit traumatisierten Soldaten aus Auslandseinsätzen. Doch das reicht Jensen anscheinend immer noch nicht, denn er macht auch noch den Sack mit Spionen, Doppelagenten und anderen bösen Buben auf. Diese Mischung bildet einen völlig überfrachteten Plot. Hier wäre weniger wirklich mehr und vor allem wesentlich packender gewesen. Der Spannungsbogen wird durch die unterschiedlichen Perspektiven zwar immer wieder in die Höhe getrieben, vor allem da sie der Leserschaft einen Wissensvorsprung verschaffen, doch auch hier schießt der Autor zu oft über das Ziel hinaus. In unzähligen Kapiteln begleiten wir die zwei Protagonisten und Nina, ohne dass eigentlich etwas geschieht. Weder treibt das beschriebene Geschehen die Handlung voran, noch werden die Figuren näher charakterisiert. Diese völlig redundanten Kapitel nehmen die Spannung komplett aus der Geschichte. Die eh schon 16 Stunden 29 Minuten Laufzeit können dadurch noch wesentlich länger erscheinen. Nur die unglaublich präsente Stimme von Britta Steffenhagen macht hier so einiges wieder wett und dürfte die Zuhörerschaft daran hindern, die endgültige Stopp-Taste zu drücken.

Wirklich Schluss?

Der Agenten-Drogen-Soldaten-Thriller endet in einem Showdown, der so einiges hergibt und vor allem Jensen noch genug Luft für einen weiteren Fall mit Nina Portland lässt. Dann allerdings wäre der Zuhörerschaft eine glaubwürdigere Ermittlerin und ein weniger überfrachtete Plot zu wünschen. Und, wer weiß, vielleicht kommt ja jemand sogar auf die Idee, die Trilogie zu verfilmen und Nina Portland so neben Buch und Hörbuch noch in ein weiteres Medium zu packen.

Fazit

Ein etwas enttäuschender Abschied von Nina Portland. Ein überfrachteter Plot und eine unglaubwürdige Protagonistin machen den letzten Teil der Trilogie zu einer wenig spannenden und teilweise langatmigen Angelegenheit, die die 16 Stunden 29 Minuten Laufzeit des Hörbuches sehr lang werden lassen kann.

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