Tod am Everest

  • Benevento
  • Erschienen: November 2022
Tod am Everest
Tod am Everest
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Carola Krauße-Reim
75°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2023

Spannender Abenteuerroman, aber kein Thriller

Der Norweger Odd Harald Hauge ist selbst Extremabenteurer. Er nahm an Expeditionen in Grönland teil; lief zum Südpol; kehrt immer wieder für neue Abenteuer nach Spitzbergen zurück und bestieg 2007 den Mount Everest. Doch nicht nur diese Extreme sind sein Metier, er ist auch Journalist, Ökonom und Autor. Bereits 2021 erschien „Gejagd im Eis“ im Benevento Verlag. 2022 wurde „Tod am Everest“ veröffentlicht, das aber zeitlich leider vor den Geschehnissen auf Spitzbergen in „Gejagd im Eis“ liegt. Das nimmt, zumindest was den Protagonisten Martin Moltzau, betrifft viel Spannung aus „Tod am Everest“, weiß man doch, dass er überleben wird und was im Himalaya geschah.

Der Everest ruft – ein bisschen

Martin Moltzau ist „Explorer of the Year“ und für seinen Sponsor das Aushängeschild. Doch jetzt wird er genötigt, an einer Mount-Everest-Besteigung teilzunehmen, obwohl er sich selbst kaum als Kletterer bezeichnet. Daher hält sich seine Begeisterung in sehr beschaulichen Grenzen. In Kathmandu trifft er auf den Rest der Seilschaft, die schon bald eine ebensolche Herausforderung ist, wie den Berg von der Tibetischen Seite aus zu besteigen. Die Expedition muss sich vieler Herausforderungen stellen – dem Wetter, den Strapazen, dem Teamkoller und vor allem dem Berg. Bald gerät das kraftraubende Abenteuer zu einem Überlebenskampf, bei dem sich jeder selbst der nächste ist.

Eine zusammengewürfelte Gesellschaft

In der Zusammenstellung seiner Protagonisten zeigt Hauge seine Erfahrung mit Expeditionsteams. Die Seilschaft rund um Moltzau dürfte einen nicht unüblichen Durchschnitt von Everest-Expeditionsteilnehmern darstellen: Zwei Frauen, die sich aus unterschiedlichen Gründen beweisen müssen; das amerikanische Wallstreet-Großmaul, das meint Geld garantiert den Gipfelerfolg; das in die Jahre gekommene Bergsteiger-Idol als Expeditionsleiter; die Sherpas, die schuften und kaum Mitspracherecht haben und natürlich Martin Moltzau, der manchmal wie ein Alterego des Autoren selbst erscheint. Die Figuren sind alle durchweg glaubhaft und sehr gut gezeichnet. Schade ist nur, dass Hauge manchmal seine beiden Protagonistinnen verwechselt, aber ansonsten passt hier wirklich alles.

Die Natur als Protagonist

Wenn ein Roman im Himalaya spielt, ist eine Beschreibung der Natur natürlich zwangsläufig. Auch hier spielt Hauge gekonnt seine Ortskenntnis aus. Von der Spelunke in Kathmandu über die Kargheit des Basis Camps bis hin zum Jetstream-umtobten Gipfel des Mount Everest entführt er seine Leserschaft in einmalige Örtlichkeiten und eine unglaubliche Landschaft, die an Naturschönheit kaum zu überbieten ist, die aber auch sehr große Gefahren birgt. Hauge geht auf die Umweltprobleme ein, die Schwierigkeiten der Akklimatisation, die vielfältigen Vorbereitungen und die politischen Hürden in Tibet. Doch so interessant sich das auch alles liest, es hat nichts mit einem Thriller zu tun. Wenn dann noch die einzige Gefahr für den Protagonisten lediglich aus den Naturgewalten besteht, ist klar, dass man es hier mit einem Abenteuerroman zu tun hat, der zwar sehr spannend, aber eben kein Thriller ist. Wer auf das typische Spiel von Spieler und Gegenspieler hofft, auf unverhoffte Wendungen oder psychische Aspekte ist hier völlig falsch und dürfte von „Tod am Everest“ enttäuscht sein. Wenn man aber das Geschehen einfach nimmt, wie es ist, entpuppt sich der Roman als äußerst spannender Kampf um den Gipfelerfolg und dann schnell um das Überleben in der Todeszone und die Rettung überhaupt.

Fazit

Kein Thriller, aber ein überaus spannender Abenteuerroman. Odd Harald Hauge schafft es wieder einmal, eine extreme Situation packend zu erzählen. Wer das alles vorbehaltlos genießen möchte, sollte allerdings nicht den bereits 2021 veröffentlichten zweiten Teil der Serie gelesen haben, der zu viel Bezug auf die Geschehnisse im Himalaya nimmt.

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