Der Tote vom Schreckensee

  • Emons
  • Erschienen: Juni 2022
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Carola Krauße-Reim
48°

Krimi-Couch Rezension vonAug 2022

Zweiter Einsatz für Kriminalhauptkommissar Maibach

Regina Riest ist das Pseudonym einer Gymnasiallehrerin aus der Region Bodensee-Oberschwaben. Schon mit „Stiller Bach“ hat sie einen Regio-Krimi aus dieser Gegend vorgelegt. Jetzt dürfen Kriminalhauptkommissar Maibach und sein Team aus Friedrichshafen wieder ermitteln.

Eine Moorleiche gibt Rätsel auf

Der Schreckensee in Oberschwaben ist eigentlich ein sehr idyllisches Plätzchen. Doch jetzt wird ausgerechnet hier eine Moorleiche gefunden. Während die Archäologen auf einen Sensationsfund hoffen, ist die eingeschaltete Polizei schon weiter, denn die Leiche weist Schussverletzungen auf. Kriminalhauptkommissar Maibach muss aber nicht nur diesen Fall bearbeiten, sondern auch die hohe Sterblichkeitsrate in der Interkommunalen Seniorenresidenz Grünwiesen. Fast zu spät erkennen Maibach und sein Team einen Zusammenhang.

Der Krimi könnte überall spielen

Oberschwaben und noch mehr der Bodensee bieten jede Menge Atmosphäre, die hätte genutzt werden können. Doch nur wenige Bemerkungen zur Uferpromenade in Friedrichshafen geben Hinweis auf das Setting, das Flair des Sees und seines Hinterlandes wird vernachlässigt. Hier verschenkt die Autorin jede Menge Potential, das dem Krimi sehr gut getan hätte, denn die Handlung ist wenig fordernd und die Spannung köchelt auf Sparflamme.

Eine Spur wird zu schnell gelegt

Neben Maibach und seinem Team macht sich auch Seniorin Margarethe Schneider so ihre Gedanken um die Toten. Diese sind oft spannender zu verfolgen als die langwierigen Ermittlungen der Polizei. Mit der Eröffnung einer weiteren Perspektive tut die Autorin der Geschichte dann leider auch keinen Gefallen. Schnell kann diese die Leserschaft auf die richtige Spur bringen, die noch durch zahlreiche ungeschickte Hinweise geradewegs zur Lösung führt. Das nimmt dem Geschehen fast jede Spannung, selbst als das Ende noch einmal einen kleinen Schub bringt. Doch bis dahin muss man erst einmal durchhalten, denn das Geschehen wird kaum vorangetrieben und Passagen, die eigentlich völlig ineffizient für die Geschichte sind, nehmen zu viel Raum ein.

Den Figuren fehlt es an Tiefe

Riest hat nur mit Margarete eine Figur geschaffen, die man als Charakter bezeichnen könnte. Die alte Dame wohnt noch nicht lange in der Seniorenresidenz, hat mit den verordneten Gruppenaktivitäten so ihre Probleme und ist viel lieber allein in ihrem Zimmer. Diese neue Situation vermittelt die Autorin bestens. Doch die anderen Handelnden bleiben einfach zu oberflächlich. Maibach, getrennt lebender Teetrinker mit dem Hang zur Raserei, weiß sein Team zu führen. Das wiederum ist so farblos, dass es der Leserschaft kaum in Erinnerung bleibt und zu allem Überfluss ist Chef Meißnert ein schwäbischer Vice-Questore, der seinen Hobbies frönt und VIPs ganz toll findet. Das ist alles und muss leider als Charakterisierung der Protagonisten ausreichen. 

Fazit

Ein Regio-Krimi, der weder stilistisch noch inhaltlich große Anforderungen an die Leserschaft stellt, aber mit einer taffen Seniorin aufwarten kann, die zeigt, dass Schlauheit alterslos sein kann.

Der Tote vom Schreckensee

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