Die Schatten über uns

  • Edition M
  • Erschienen: November 2022
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Sabine Bongenberg
80°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2023

Wenn alles in der Familie bleiben soll…

Mia und Finn – sie sind so verliebt, überglücklich verheiratet und jetzt soll endlich der Traum vom eigenen „Nest“ wahr werden! Bisher lebten die beiden im Haus von Finns Eltern Debbie und Dave und – seien wir mal ehrlich – das geht nicht mehr. Immer häufiger gibt es Krach zwischen Finns Mutter und Mia und jetzt, nach langer Suche, haben die beiden endlich ihr Traumhaus gefunden. Natürlich ist noch einiges umzubauen und das zerrt schon an den Nerven und ist sehr anstrengend. Dennoch – Mia hätte in ihren schlimmsten Träumen niemals damit gerechnet, was auf dem alten Dachboden ihres Traumhauses in diversen alten Koffern versteckt wurde und nur darauf wartet, gefunden zu werden.

Die Gedanken sind frei

Der britische Autor John Marrs lässt in seinem neuen Roman für das junge Ehepaar Mia und Finn den Albtraum der „Häuslebauer“ auferstehen. Das schöne, alte Haus hat leider eine versteckte hässliche Vorgeschichte und in die werden die beiden – mehr oder weniger und teilweise sogar tatsächlich – Hals über Kopf hineingeworfen. Gut verpackt finden sich auf dem Dachboden schreckliche Dinge. Mia, Finn, Debbie und Dave berichten abwechselnd aus der Ich-Perspektive, wie sich der Horror, in den sie katapultiert wurden, langsam entfaltet. Mit diesem Stilmittel kennt der Leser damit die Gedankengänge der beteiligten Hauptpersonen und manchmal macht es das schwer, Sympathien für irgendeinen von ihnen zu empfinden. Insbesondere Mia, mit ihrem unbedingten Aufklärungswillen und ihrer fast schon manischen Suche nach der Wahrheit, nervte mich manchmal erheblich und gelegentlich taten mir schon die anderen Beteiligten leid – zumindest so lange, bis ich auch ihre Gedanken gelesen hatte. In diesem ganzen Gedanken- oder Gefühlschaos lässt Marrs immerhin gelegentlich ein wenig Sachlichkeit eintreten, wenn Zeitungsberichte oder Polizeiprotokolle in die Handlung eingeflochten werden, die aber auch einen neuen Bezug zu einer möglichen Realität aufstellen.

Hier ist die Familie kein „sicherer Hafen“

“Die Schatten über uns“ erzählen eine spannende Kriminalgeschichte, über eine Familie, in der keine Beziehung funktioniert oder so ist, wie sie sein sollte. Die einen Strömungen sind abgrundtief böse, die anderen, die sie möglicherweise regulieren könnten, sind in ihrer Wahl der Mittel aber auch nicht besser. Somit hat der Leser irgendwann das Gefühl, auf eine Flut von Verbrechen zu treffen, wo jeder jedem etwas antun will. Für meinen Geschmack war das tatsächlich etwas viel und auch der letzte Dreh – oder sagen wir, die letzten Drehungen, wären hier nicht nötig gewesen. Natürlich hält das bis zum Schluss den Spannungsbogen richtig hoch, denn kaum meint man, den Bösewicht ausgemacht zu haben, wird man wieder eines besseren belehrt. Dennoch blieb für mich die Frage der Glaubwürdigkeit ein wenig zurück.

Fazit

John Marrs berichtet über eine besondere Familie - und bei der hätte sich sicher so mancher gewünscht, dass alles „in der Familie bleiben möge“.

Die Schatten über uns

, Edition M

Die Schatten über uns

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