Todesglut

  • Rowohlt
  • Erschienen: Mai 2022
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Thomas Gisbertz
72°

Krimi-Couch Rezension vonJun 2022

Wenn die Verbrecherjagd Schule macht

„Denkt wie die Mörder!“ Das predigt der eigenwillige Kriminologe und Ex-Kommissar Henry Zornik an der „Akademie des Verbrechens“, die in einem Gutshaus auf Rügen untergebracht ist. Zornik war einst mit einer nahezu perfekten Aufklärungsquote der Topermittler bei der Mordinspektion Stralsund. Nachdem seine Kollegin Hannah aber vor fünf Jahren bei einem Einsatz ums Leben gekommen war, flüchtete Zornik regelrecht aus Deutschland und ging nach Brasilien. Nun kehrt er zurück, um Hannahs Sohn Matti zu adoptieren, nachdem dessen Großmutter verstorben ist. Um das notwendige Geld für die gemeinsame Zukunft zu verdienen, nimmt er die Stelle an der Akademie an.

Als Zornik durch Zufall auf einen Zeitungsartikel über einen Brand in der Stadtbibliothek Bergen stößt, bei dem vor drei Jahren eine unbekannte Frau starb, ist sein Ermittlerinstinkt wieder geweckt. Er nutzt den Cold-Case-Fall als Anschauungsmaterial für seine Studierenden. Gemeinsam stoßen sie auf Ungereimtheiten und rollen daher den Fall neu auf - sehr zum Unwillen von Hauptkommissar Blum, dem damaligen Ermittler und „Erzfeind“ Zorniks.

Der Kriminologe kommt mit den Studierenden dem Täter oder der Täterin schnell immer mehr auf die Spur, bis aus der scheinbar harmlosen Suche tödlicher Ernst wird. Nun muss Zornik alles tun, sein Leben und das der Studierenden zu retten. Denn das grausame Spiel auf Leben und Tod hat gerade erst begonnen.

Ungewöhnliche Reihe

Autorin Cathrin Moeller ist gelernte Diplomsozial- und Theaterpädagogin. Während ihrer beruflichen Arbeit entdeckte sie die Liebe zum Schreiben. Mit ihrem Roman „Wolfgang muss weg“ stand sie 2015 auf der Spiegel-Bestsellerliste. Während Cathrin Moeller, die Mitglied im SYNDIKAT ist, bislang eher humorvolle Regionalkrimis schrieb (u.a. die Mordsacker-Reihe um die Amateurdetektiv Klara Himmel), veröffentlicht sie nun mit „Todesglut“ einen „klassischen“ Kriminalroman. Grund für den Genrewechsel sind laut Moeller ihre eigenen erwachsenen Kinder, die begeisterte Leser von Spannungsliteratur sind. Also ließ sich die Autorin auf das Wagnis ein. Herausgekommen ist mit „Todesglut“ ein unterhaltsamer und gleichwohl ungewöhnlicher Roman, der gleichzeitig der Auftakt einer neuen Reihe um die „Akademie des Verbrechens“ darstellt.

Schule der Verbrechensbekämpfung

Im Mittelpunkt des Romans steht sicherlich die private Hochschule Academy of Criminal Investigation auf der Ostsee-Insel Rügen. Hier will man mit einem interdisziplinären Studium neue Wege gehen, um eine Elite auszubilden, die den heutigen hohen Anforderungen der Verbrechensbekämpfung ganzheitlich und umfassend gewachsen ist. Forensische Pathologie, Kriminalpsychologie, angewandte Kriminologie oder auch Strafrecht werden in einem Umfang gelehrt, wie es in einem herkömmlichen Polizeistudium undenkbar wäre. Unterrichtet werden die Studierenden in Theorie und Praxis von Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet.

Die Idee der Akademie ist durchaus vielversprechend und innovativ, funktioniert in diesem Roman aber noch nicht restlos. Dies liegt weniger an der durchaus komplexen Handlung und dem scharfsinnigen Zornik, der durch gute Ermittlungsarbeit zu überzeugen weiß. Dafür wirken die Studierenden aber mitunter wie eine Gruppe von Jungdetektiven. Da gibt es die clevere Charlotte, die als einzige wirklich über einen kriminalistischen Spürsinn verfügt, die intrigante Sophie, die nach Bestnoten strebt, oder Neda, die als Expertin bei der digitalen Recherche gilt. Dass die Gruppe dabei oftmals recht naiv vorgeht, lässt die Ausbildung an der Akademie in keinem guten Licht erscheinen.

Stärken und Schwächen

Sieht man einmal von der noch etwas gewöhnungsbedürftigen „Ermittlertruppe“ ab, ist der Roman mit zunehmender Dauer spannend und unterhaltsam erzählt. Allerdings trägt die Autorin, was den Täter, sein Verhalten und seine Motivation betreffen, doch etwas zu dick auf. Schade, denn der Roman weiß besonders im Mittelteil durch eine wendungsreiche Geschichte und die packende Suche nach der unbekannten Toten aus der Bibliothek zu überzeugen. Dagegen wirkt vor allem der Schluss zu dramatisch. Hier überspannt Cathrin Moeller etwas den Bogen.

Dafür dürfen die interessanten und wunderbar dargestellten Figuren der kurz vor der Rente stehenden Archivarin Martha oder des nörgelnden und von sich restlos überzeugten Hauptkommissars Blum gerne in den nächsten Bänden der Reihe wieder auftauchen.

Fazit

Cathrin Moeller gelingt mit „Todesglut“ ein insgesamt unterhaltsamer Start ihrer neuen Reihe, die aber noch etwas Luft nach oben hat. Wenn es insbesondere gelingt, die Gruppe der Studierenden etwas überzeugender darzustellen, darf man sich auf die nächsten Fälle der „Akademie des Verbrechens“ freuen.

Todesglut

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