Entführung beim Cocktail

  • Der Hörverlag
  • Erschienen: Mai 2022
Entführung beim Cocktail
Entführung beim Cocktail
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Carola Krauße-Reim
75°

Krimi-Couch Rezension von Carola Krauße-Reim Jun 2022

Kurzgeschichten über den „Detektiv des Herzens“

Mr. Parker Pyne ist pensionierter Regierungsbeamter, gut situiert, vertrauenserweckend und bestens organisiert. Nach seiner Meinung „gibt es fünf Arten von Unglück und alle sind logisch und nachvollziehbar“ und damit auch umkehrbar in tatsächliches Glück. Unter dieser Prämisse inseriert er in der Times mit der Annonce „Sind Sie glücklich? Falls nicht, konsultieren Sie Mr. Parker Pyne, 17 Richmond Street“.

1934 im Original erschienen

Agatha Christie dürfte fast jedem Bücherfan ein Begriff sein. Die Grande Dame des Kriminal- und Detektivromans hat mit Miss Marple und Hercules Poirot zwei unsterbliche Figuren erschaffen, die auch heute noch begeistern. Doch mit Mr. Parker Pyne dürften weit weniger deutschsprachige Leser bekannt sein, denn während die englische Erstausgabe bereits 1934 erschien, schaffte ein Auszug von 3 der insgesamt 12 Geschichten es erst 1964 in eine deutsche Übersetzung  - und eine Gesamtausgabe wurde sogar erst 2010 veröffentlicht.  „Der Hörverlag“ hat alle Kurzgeschichten auf 3 Hörbücher einsprechen lassen und mit „Entführung beim Cocktail“ jetzt den letzten Teil mit „Das Orakel von Delphi“, „Verwicklung in der Bucht von Pollensa“, „Rätselraten am Rande der Regatta“ und „Der Fall der reichen Frau“ herausgebracht.

Die Geschichten sind für Agatha Christie ungewöhnlich

Auch die Parker-Pyne-Geschichten sind in der guten alten Cozy-Krimi-Art verfasst. Wieder entführt uns Agatha Christie in die wohlhabendere Gesellschaft von reichen Damen oder britischen Touristen in Griechenland, Spanien oder der englischen Südküste. Die Atmosphäre entspricht ganz der „guten alten Zeit“, in der man Mitglied eines Empire war, Tee in Unmengen trank und sich seines Standes in der Gesellschaft bewusst war. Auch die Charaktere reichen von schrullig bis britisch-konservativ und erfüllen damit ein weiteres Kriterium für eine guten Cozy-Crime.

Doch anders als von Christie bekannt, sind diese Geschichten weniger knifflig und vielschichtig. Oft kann man die Lösung sehr schnell erahnen und manchmal ist sie auch sehr unrealistisch. Dadurch gibt es hier viel weniger Spannung als z.B. im Roman „Tod auf dem Nil“, der übrigens auf eine Kurzgeschichte mit Mr. Parker Pyne zurückgeht; wie überhaupt auch Miss Lemon, Hercules Poirots spätere Sekretärin, ihren ersten Auftritt bei Mr. Parker Pyne hat. Dennoch ist „Entführung beim Cocktail“ hörenswert, denn allein die Idee von einem „Detektiv des Herzens“ ist schon verschroben genug. Die Stimme des Sprechers tut dann noch ihr Übriges.

Stephan Benson liest

Stephan Benson spielte schon auf großen Bühnen Theater und ist auch durch seine Rollen im Fernsehen, u.a. in „Rosenheim Cops“ oder „Großstadtrevier“, bekannt geworden. Seine Stimme lieh er schon Schauspielgrößen wie Daniel Craig oder Kenneth Branagh. Auch in „Entführung beim Cocktail“ trägt diese geschulte Stimme viel zum Hörgenuss bei. Benson liest in angenehmer Stimmlage, betont (bis auf den Namen der Autorin in der Einleitung) immer an genau den richtigen Stellen und verleiht den Figuren durch passende Modulationen eindeutige Charaktere mit Wiedererkennungswert. Er zieht die Hörerschaft so in den Bann, dass man den Geschichten ihre teilweise doch sehr dahin dümpelnde Spannung verzeiht und die 2 Stunden 50 Minuten Gesamtlaufzeit sehr schnell vergehen.

Fazit

Mr. Parker Pyne macht Sie glücklich! Zumindest ein wenig, denn die Geschichten haben zwar nicht den von Agatha Christie gewohnten hohen Spannungsfaktor, doch die Stimme von Stephan Benson macht dieses kleine Manko bestens wieder wett. Wer jetzt erst in die Parker-Pyne-Hörbücher einsteigt, wird bestimmt auch gerne in die beiden vorherigen Teile „Mord unter Palmen“ und „Verbrechen an der Themse“ reinhören.

Entführung beim Cocktail

Agatha Christie, Der Hörverlag

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