Der Tote aus Zimmer 12

  • Erschienen: April 2022
Der Tote aus Zimmer 12
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Carola Krauße-Reim
85°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2022

Ein Krimi zum Miträtseln

Anthony Horowitz ist ein sehr umtriebiger Autor. Neben zahlreichen Drehbüchern für so bekannte Krimiserien wie „Inspector Barnaby“ und „Agatha Christie´s Poirot“ schrieb er zahlreiche Jugendbücher, bevor er 2004 erstmals einem Krimi ausdrücklich für Erwachsene veröffentlichte. Mittlerweile hat Horowitz mehrere Roman-Serien begonnen, u.a. eine mit Detective Inspector Hawthorne und sich selbst als Protagonisten und eine andere mit Lektorin Susan Ryeland, die sich mit Autor Alan Conway und seinen Atticus-Pünd-Romanen rumschlagen muss.

Susan ermittelt wieder

Nach den Abenteuern rund um Pyne Hall hat Susan ihren Job als Lektorin geschmissen. Jetzt betreibt sie mit ihrem Verlobten Andreas ein kleines Hotel auf Kreta – allerdings ohne finanziellen Erfolg. Da kommt das Ehepaar Treherne gerade recht, das ihr eine Menge Geld verspricht, wenn sie herausfindet, wo deren Tochter Cecily steckt. Die verschwand nachdem sie glaubte, in einem Atticus-Pünd-Roman den wahren Täter eines Mordes gefunden zu haben, der vor einigen Jahren an ihrem Hochzeitstag im familieneigenen Schloss-Hotel passierte. Susan muss zurück nach England, in ein Netz aus Lügen und ein Labyrinth aus Spuren.

Wieder eine Geschichte in der Geschichte

Anthony Horowitz bleibt auch im zweiten Teil rund um Susan Ryeland seinem zweigleisigen Aufbau treu: ein Roman von Alan Conway mit dessen Schweizer Detektiv Atticus Pünd wird in die aktuelle Suche nach Cecily eingebettet. Da kann man sich beim Lesen des Eindrucks nicht erwehren, dass sich Horowitz zumindest in dieser Beziehung das Leben ziemlich einfach gemacht hat. Wieder gleicht das aktuelle Geschehen einer Schnitzeljagd, wieder wird Susan und damit auch die Leserschaft von einem Hinweis zum nächsten geführt und wieder sind im Atticus-Pünd-Roman die entscheidenden Tipps zu finden.

Doch das bedeutet keinesfalls, dass die Spannung leidet. Immer wieder rätselt man mit und entdeckt dabei vielleicht sogar einen Hinweis schneller als Susan, die sich immerhin über fast 600 Seiten durchkämpfen muss, bevor es zum typischen Showdown à la Poirot kommt und alle Verdächtigen in einer Versammlung die Lösung des Falles erfahren.

Ein klassischer „Whodunit“ mit „Cosy-Crime“-Charakter

Ein Krimi, der wieder einmal an Agahta Christies große Erfolge denken lässt und, wie diese oftmals auch, in einer sehr englischen Umgebung spielt. Das Nobelhotel mit seinen luxuriösen Zimmern im ausgedehnten Garten, die Stimmung einer herrschaftlichen Hochzeit und das Flair englisch pittoresker Ortschaften schafft ordentlich Atmosphäre. Die Frage, warum Cecily verschwunden ist und wo sie steckt, macht neben der im Raum stehenden Vermutung, dass damals der falsche ins Gefängnis gesteckt wurde, in diesem „Whodunit“ die Spannung aus. Und, wie es sich für einen Cosy-Krimi gehört, spielen die Charaktere eine fundamentale Rolle im Geschehen.

Jeder hat ein Geheimnis – auch Susan

Susan sticht in Branlow Hall in ein ganzes Nest aus Lügen und Tragödien. Jeder hat ein Geheimnis, jeder macht sich verdächtig. Horowitz präsentiert den erschütterten Ehemann, der seine Frau sucht, genauso, wie den Nachtportier, der noch bei seiner Mutter wohnt und ein typisches Mobbingopfer ist, oder die mürrische Schwester, die sich immer zurückgesetzt fühlte.

Es wird ein Netz aus verschiedenen Motiven von sehr unterschiedlichen Personen gesponnen. Diese Figuren sind hervorragend herausgearbeitet, ihre Charaktere zwar typisch und dennoch individuell. Auch Susan hat ein Geheimnis. Sie ist sich nicht mehr sicher, ob es die richtige Entscheidung war, den Job als Lektorin zu schmeißen und nach Kreta zu gehen. Doch das sagt sie Andreas nicht, denn auch die Beziehung zu ihm stellt sie in Frage. Damit kommt auch noch eine ganz persönliche Note in das Geschehen, denn Susan erzählt wieder aus ihrer Sicht und lässt uns damit sehr intim an ihrem Dilemma teilhaben.

Es hätten nicht so viele Seiten sein müssen

Wenn man sich die Veröffentlichungen der letzten Jahre ansieht, stellt man fest, dass es kaum noch Krimis unter 400 Seiten gibt. Doch Masse bedeutet leider nicht zwangsläufig auch Klasse. Auch „Der Tote aus Zimmer 12“ hätte nicht unbedingt fast 600 Seiten gebraucht. Manche Passage ist doch sehr ausführlich dargestellt und hätte zusammengefasst ebenso viel Spannung erzeugt. Daher braucht man beim Lesen schon ein wenig Durchhaltevermögen und es ist gut, dass der Autor die Leserschaft schon vor dem Beginn des eingebetteten Atticus-Pünd-Romans so sehr gefesselt hat, dass sie danach bereit ist, wieder in das Geschehen in Branlow Hall einzusteigen. Außerdem würde ich empfehlen wirklich mit dem ersten Teil „Die Morde von Pyne Hall“ in die Serien einzusteigen. Zwar wird die für das vorliegende Buch relevante Handlung erwähnt, aber vielleicht zu wenig für Neueinsteiger. Gerade die Charakterisierung von Susan und Alan Conway und ihr Verhältnis zueinander kommt ohne Kenntnis des ersten Teils zu kurz.

Fazit

Susan Ryeland wird Alan Conway einfach nicht los – gut für alle Fans dieser Reihe! Denn herausgekommen ist eine spannende Schnitzeljagd, die zum Mitraten einlädt. Ein kniffliger Fall, der wieder einmal die Lektüre eines Atticus-Pünd-Romans braucht um gelöst zu werden. Ich hoffe auf eine Fortsetzung dieser Serie, auch wenn das nächste Buch vielleicht nicht mehr unbedingt so umfangreich sein muss.

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