Das letzte Grab

  • Tropen
  • Erschienen: August 2022

- Ein Fall für Carla Winter

- Taschenbuch

- 288 Seiten

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Thomas Gisbertz
85°

Krimi-Couch Rezension vonAug 2022

Brisanter Thriller um globalen Raubkunsthandel

Frankfurt, März 2019: Carla Winter wacht morgens verkatert auf. Während im Bett noch ihr letzter One-Night-Stand liegt, erhält sie einen dringenden Anruf aus ihrer Kanzlei. Dort angekommen informiert Ömer Sahin, Vertreter des türkischen Generalkonsulats in der Mainmetropole, die Strafverteidigerin darüber, dass ihr Exmann Felix in der Türkei bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. Auch wenn die Scheidung bereits sieben Jahren zurückliegt, steht die Anwältin unter Schock. Als sie nach Hause zurückkommt, findet sie ihre Wohnung verwüstet vor - und die Leiche ihres Geliebten brutal ermordet im Kleiderschrank. Schnell wird klar: Carlas Exmann hatte Verbindungen zum internationalen Raubkunstschmuggel. Und ihr selbst ist ein Killer auf den Fersen, der etwas von ihr haben will und der notfalls über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen.

Jagd bis in den Nahen Osten

Die Frankfurter Rechtsanwältin Carla Winter führt ein angenehmes Leben: wohlhabende Mandanten, ein Haus am Stadtrand und ab und zu ein gutaussehender Lover. Doch der Tod ihres Exmanns Felix und ihres ONS lassen ihr wohlgeordnetes Leben plötzlich aus den Fugen geraten. Während die Polizei um Kriminalhauptkommissar Rossmüller noch im Dunklen tappt, nimmt ein Unbekannter mit ihr Kontakt auf. Wassouf, wie er sich nennt, ist einst aus dem berüchtigten syrischen Gefängnis Sednaja von Carlas Exmann befreit worden und war seitdem nicht nur ein enger Freund von Felix, sondern auch sein Partner bei illegalen Geschäften im Zusammenhang mit Raubkunst aus dem Nahen Osten. Sowohl Wassouf als auch ein brutaler Killer, der die Anwältin verfolgt, sind hinter einer entwendeten, äußerst wertvollen babylonischen Statue aus dem Irak her. Wenn Carla überleben will, muss sie in die Türkei reisen und Antworten darauf finden, wer ihr Exmann wirklich war. Hilfe erhält sie von einem ehemaligen Mandanten, der Chef eines Clans in Duisburg ist. Ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt, das so manche Überraschung bereit hält und Clara selbst in Lebensgefahr bringt.

Mitglied im Syndikat

Lukas Erler, geboren 1953 in Bielefeld, studierte Soziologie, Philosophie und Sozialgeschichte, absolvierte eine Ausbildung zum Logopäden und arbeitete zunächst als Soziologe in der Stadtentwicklungsplanung. Seit mehr als dreißig Jahren ist er als Logopäde in der neurologischen Rehabilitation tätig.

Sowohl sein erster Roman „Ölspur“ (2010) als auch der Nachfolgeband „Mörderische Fracht“ (2011) wurden für den renommierten Friedrich Glauser-Preis des „Syndikats“ nominiert.

Sein aktueller Roman „Das letzte Grab“ stellt den Auftakt einer Thriller-Reihe um die Frankfurter Rechtsanwältin Carla Winter dar.

Spannende Kurzweil

Erlers Roman hat wirklich alles, was man von einem packenden Thriller erwartet: Tempo, Action und eine Story, die es in sich hat. Die Erzählung verbindet gekonnt Elemente des klassischen Whodunit-Romans, des Politthrillers und des Abenteuerromans. Auch wenn es vielleicht etwas zu viel des Guten ist, dass die 42-jährige Anwältin Carla Winter auf wirklich jede Gefahr eine Antwort parat hat, unterhält der Roman bestens. Dies liegt vor allem daran, dass es Erler gelingt, die zahlreichen Themen wie organisierte Kriminalität, Kunstraub, Archäologie, Clans und vieles mehr kunstvoll und kurzweilig miteinander zu verbinden. Dies ist bedeutsamer als die ewig lähmende Frage, ob die Handlung wirklich bis ins Detail realistisch ist.

Starke Figuren

Das Figurentableau des Romans ist so vielfältig wie gelungen. Neben der couragierten Strafverteidigerin gibt es einen eitlen, knorrigen Professor, der ein ausgewiesener Fachmann für Archäologie und Orientalistik ist, einen alternden Clan-Chef, der immer noch alle Zügel fest in den Händen hält, Carlas vorlaute, auf ihre Art direkte Sekretärin Mathilde und natürlich den ermittelnden Kommissar Rossmüller. Allesamt mehr oder weniger Alphatierchen, was der Lektüre bei aller Spannung die nötige Leichtigkeit und Prise Humor verleiht. Nicht zuletzt überzeugt aber die Figur der Anwältin, die seit ihrer Scheidung trotz eines eigentlich sorgenfreien Lebens den Halt verloren zu haben scheint. Gut, dass es da vor allem ihre Schwester Ellen gibt, die ihr stets zur Seite springt, aber auch kritische Töne anschlagen kann.

Leichter Erzählstil

Spannung und Lockerheit: Dass dies kein Widerspruch sein muss, stellt Autor Lukas Erler mit seinem aktuellen Roman erneut unter Beweis. Stets nah bei seinen Figuren, denen er allesamt - bis zum ermittelnden türkischen Beamten in Mardin - ihre ganz persönliche Note verleiht, ist die Geschichte um das Milliardengeschäft Kunstraub gespickt mit zahlreichen historischen, politischen und gesellschaftlichen Randnotizen, die der Leser im Vorbeigehen aufschnappt und die zeigen, wie gut recherchiert der Roman ist. Ach ja, Spannung bis zur letzten Seite und die ein oder andere Überraschung gibt es selbstverständlich ebenfalls. Dabei ist Erler stets prägnant und überfrachtet den Roman inhaltlich nicht.

Fazit

Lukas Erler beweist, dass er sich auf spannende und unterhaltsame Thriller versteht. Ein Stilist, der ebenso präzise in der Darstellung wie überzeugend in seiner Erzählweise ist. Man darf gespannt sei, welches Abenteuer als nächstes auf Carla Winter wartet.

Das letzte Grab

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