Commissario Tasso stochert im Nebel

  • Lübbe
  • Erschienen: Oktober 2022
Commissario Tasso stochert im Nebel
Commissario Tasso stochert im Nebel
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Carola Krauße-Reim
73°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2023

Cozy Krimi aus Südtirol

Lassen Sie sich von dem Namen Gianna Milani nicht täuschen – er ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die sich sehr für Südtirol und seine Geschichte interessiert. Da scheint es nicht sehr abwegig, dass sie neben dem italienisch klingenden Pseudonym Bozen zum Ort des Geschehens gewählt hat und zudem mit den 1960er-Jahre eine Zeit, in welcher sowohl die Assimilierungspolitik als auch die Zeit des Faschismus noch allzu präsent in den Köpfen der Südtiroler Bevölkerung war.

Tasso ermittelt wieder

Commissario Tasso darf im vorliegenden Buch zum zweiten Mal ermitteln. Wieder an seiner Seite – Praktikantin Mara, die Tochter des Meraner Bürgermeisters. Zusammen suchen sie den gekidnappten Bruno Visconti, der nicht nur Tassos langjähriger Freund, sondern auch Questore in Bozen ist. Ob seine Entführung politische oder persönliche Gründe hat, weiß man nicht. Tasso, Mara und Viscontis Sekretärin Alessia müssen zudem ohne den Beistand der sonstigen Polizei arbeiten, was die Sache nicht einfacher macht.

Guter Plot mit kleinen Schwächen

Gianna Milani verbindet gekonnt die politische Lage der Südtiroler mit dem ganz persönlichen Drama um den Questore. Zur entsprechenden Zeit lebten deutschsprachige Südtiroler und italienisch sprechende Neubürger zwar zusammen, doch blieb eine scheinbar unüberwindliche Kluft zwischen den beiden Teilen. Auch der Faschismus unter Musolini und Hitler hatte Spuren hinterlassen. Beides wird von der Autorin in die Geschichte eingeflochten, die so nicht nur authentisch wirkt, sondern die Zeit vor der Autonomie noch einmal lebendig werden lässt. Dabei geht sie allerdings manchmal ein wenig zu plakativ vor, was aber nur marginal ins Gewicht fällt, verlangt ein Cozy-Crime doch weniger nach einem ausgeklügelten Plot, als nach heimeliger Atmosphäre und schrulligen und typischen Charakteren. Und die schafft Milani eindeutig. Ihr Commissario Tasso stammt aus Rom und mag den Südtiroler Winter mit Schnee und Kälte so gar nicht. Außerdem ist er eher ein unzugänglicher Charakter, was ihn nicht gerade zum Sympathieträger macht. Anders die typische Südtirolerin Mara, die ihn nimmt, wie er eben ist und aus jeder Situation noch etwas Positives ziehen kann. Die zwei so gegensätzlichen Figuren tragen das Geschehen und schaffen so die kleinen Unstimmigkeiten des manchmal etwas dünnen Plots zu überdecken. Der ist zwar nicht unbedingt spannend, weiß aber durch einige Wendungen dennoch zu fesseln.

Viel Lokalkolorit schafft Atmosphäre

Wovon der Krimi dann wirklich lebt, ist der Lokalkolorit. Die Laubengänge, die lauschigen Plätze und auch die protzigen Bauten der faschistischen Zeit, die Lokale, Cafés und Bars geben das Lebensgefühl in Bozen wieder. Und wie es sich für einen Cozy-Krimi gehört, kommen die kulinarischen Genüsse mit Knödeln, Pizza, diversen Dolci und gutem Kaffee nicht zu kurz. Die Atmosphäre des verschneiten Bozen mit den dazugehörigen Touristen komplettiert den Krimi und macht ihn durchaus zu einem Gegenentwurf zu den sonst nur aus Großbritannien bekannten Kuschelkrimis.

Fazit

Für Südtirol-Fans ein Muss! Gianna Milani schafft es den Cozy-Crime nach Bozen zu verlegen und verbindet gekonnt viel lokale Atmosphäre mit einem kniffligen Fall, der die damalige politische Lage in der Region mit einbezieht. Man kann gespannt sein, wie es mit Commissario Tasso und Mara weiter geht.

Commissario Tasso stochert im Nebel

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