Kalt lächelt die See

  • Lübbe
  • Erschienen: Februar 2022
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Jörg Kijanski
80°

Krimi-Couch Rezension von Jörg Kijanski Apr 2022

Atmosphärischer Plot vor malerischer Kulisse

Es ist der 11. April 2019. Stephanie und Greg Hamon sind abends zu Besuch bei ihren Nachbarn Emily und David Baynes. Die zweieinhalb Jährige Tochter Ava haben sie zuhause gelassen, es gibt ja ein Babyphone. Doch als die Hamons nach Hause kommen, fehlt von Ava jede Spur. Chief Inspector DeGaris übernimmt persönlich die Ermittlungen und verdächtigt schließlich die Eltern selbst, da es keinerlei Einbruchspuren gibt. Gleichwohl, der Fall bleibt ungelöst.

Zwei Jahre später. Im Hafen von St. Peter Port, der Hauptstadt von Guernsey, wird ein Boot gefunden, welches Stephanie für sich und ihren Mann gemietet hatte. Niemand ist an Bord und ein größerer Blutfleck an der Reling deutet an, dass ein Verbrechen vorliegt. Detective Inspector Kate Langlois und ihr neuer Partner DI Tom Walker, der gerade erst aus London auf die Kanalinsel versetzt wurde, stürzen sich in die Ermittlungen. Diese drehen sich lange im Kreis, die Hamons bleiben verschwunden und auch die Nachbarn sind nicht aufzugreifen. Plötzlich ist von gescheiterten Ehen und Seitensprüngen die Rede. Welche Rolle hierbei wohl der zwielichtige Dr. Hobbs, einst Partner von Hamon in der gemeinsamen Arztpraxis, spielt? Dann entdecken die Ermittler in einer Küchenschublade der Hamons einen Brief, der lediglich zwei Worte enthält: „Ava lebt.“

Kurz darauf findet der aus Frankreich stammende forensische Archäologe Nicolas Arture am Strand der Fermain Bay einen Finger, der seinem einstigen Besitzer post mortem abgerissen wurde.

Detailliert geschilderte Ermittlungsarbeit

Ellis Corbet hat mit „Kalt lächelt die See“ einen mehr als gelungenen Serienauftakt ihrer Guernsey-Krimi-Reihe vorgelegt, der vor der malerischen Kulisse der Kanalinsel spielt. So werden die einzelnen Buchten und die Schönheiten der Insel immer wieder hervorgehoben. Guernsey gehört wie alle Kanalinseln nicht zum Vereinigten Königreich, sondern ist direkt der Krone unterstellt. Aufgrund der Nähe zu Frankreich gibt es mit englisch und französisch gleich zwei Amtssprachen. Vielleicht auch ein Grund, warum es den Archäologen Nicolas ausgerechnet auf diese Insel für eine längere berufliche Auszeit zieht.

Kate Langlois, die Protagonistin des vorliegenden Romans, ist Anfang dreißig und hatte mit ihren Partnern sowohl privat wie beruflich bislang eher Pech. Ein Teil ihrer Kollegen steht ihr ablehnend gegenüber, eine Einstellung die sie selbst zunächst auch dem neuen Kollegen entgegenbringt. Ein Polizist aus dem von ihr verhassten London, der sich prompt wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen verhält. In St. Peter Port leben rund zwanzigtausend Insulaner, da ist es schwer eine Untersuchung zu leiten, ohne einige der involvierten Personen zu kennen, zumal wenn man wie Kate eine Cousine namens Holly hat, die für die Guernsey Press arbeitet.

Obwohl sich die Spurensuche lange im Kreis dreht und vor allem mit Hypothesen, denn ansatzweise mit Beweisen gearbeitet wird, entwickelt der Roman eine angenehme Sogkraft. Dabei wird die alltägliche Polizeiarbeit haarklein beschrieben, was etliche Rückschläge einschließt; nicht zuletzt deswegen, da nahezu alle Figuren ihre Geheimnisse mit sich herumtragen und gegenüber den Ermittlern mauern.

Fazit

„Kalt lächelt die See“ bietet alles, was ein solider Krimi „made in England“ bieten muss, wenngleich überraschend wenig Tee getrunken wird. Eine bilderbuchähnliche Kulisse, ein vertrackter Fall, dessen Entstehung in die Vergangenheit der letzten Jahre zurückreicht und ein kaum durchdringbares Dickicht aus Liebe, Betrug und Verrat. Action sucht man auf der beschaulichen Insel vergebens, es überzeugen allein die erzählerisch dichte Atmosphäre und sympathische Hauptfiguren. Darf gern in Serie gehen.

Kalt lächelt die See

Ellis Corbet, Lübbe

Kalt lächelt die See

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