Das Loft

  • Piper
  • Erschienen: Februar 2022

- Paperback

- 352 Seiten

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Sabine Bongenberg
80°

Krimi-Couch Rezension von Sabine Bongenberg Mai 2022

Wenn der Freund zum Fiesling wird

Als Sarah und Marc sich kennenlernen, ist es wie ein Urknall: Sie verlieben sich Hals über Kopf, nichts kann sie trennen und nichts ihr Glück überschatten. Fast nichts. Denn da ist ja noch Henning, Marcs eigenartiger Freund – der mit dem Hang zur Gewalttätigkeit und derjenige, der schon mehrfach angeklagt wurde. Auch wenn sie ihm nichts nachweisen konnten. Henning werden sie einfach nicht so richtig los und Sarah ist weiß Gott nicht erbaut, dass er auch noch in die gemeinsame Wohnung mit einzieht – auch wenn sie natürlich groß genug ist.

Der bisherige Freund stört irgendwie immer mehr. Natürlich könnten sie ihm einfach sagen, er soll ausziehen. Vielleicht ist das aber gar nicht mehr nötig, denn als Sarah und Marc eines Tages nach Hause kommen, da werden sie schon von der Polizei erwartet. Die Küche schwimmt in Blut und ihr Mitbewohner ist verschwunden. Unglücklicherweise scheint die Polizei aber zu glauben, dass das Paar mit seinem Verschwinden nicht nur Einiges, sondern vielmehr recht Vieles zu tun hat und so werden unangenehme Fragen gestellt. Wie aber die beantworten – und nicht alles erzählen?

Wenn drei dann doch „einer zu viel“ werden

Der Kölner Autor Linus Geschke ist vielen Lesern bisher durch seine Romane mit dem Reporter Jan Römer oder dem Ex-Polizisten Alexander Born bekannt. In seinem neuen Roman, der sich außerhalb dieser Serien bewegt, lässt er die neue Ermittlerin Bianka Rakow in einem Fall ermitteln, in dem zwar viele Indizien auf ein Kapitalverbrechen hinweisen, der letzte Beweis aber noch fehlt; wurde doch noch kein Körper gefunden.

Geschke lässt Sarah, Marc und Henning im Laufe der Handlung zu Wort kommen und schafft somit eine besondere Nähe zu seinen Protagonisten. Über die Ermittlungsarbeit der Polizei und ihrer neuen Heldin Bianka berichtet er dagegen als reiner Beobachter. Dem Leser wird schnell klar, dass das rätselhafte Verschwinden des Mitbewohners zwar die Spitze des Eisberges bildet, dass sich aber noch vieles unter der Oberfläche befindet, was aus der Vergangenheit rührt und zu den beunruhigenden Vorkommnissen führt. Diese Vergangenheit bildet dann auch alsbald den Hauptbestandteil des Krimis, über die eigentlichen Untersuchungen im aktuellen Fall wird dagegen eher sparsam berichtet.

Im Verlauf des Buches wird schell klar, dass Geschke als routinierter Hase im Krimi-Geschäft sein Handwerk versteht. Er führt den Leser gekonnt durch die Handlung und streut immer genug Informationen hin, um den Spannungsbogen und damit den Leser bei der Stange zu halten. Mir gefiel aber nicht alles an seinen Handlungen: Zwei junge Männer, die keiner geregelten Arbeit nachgehen und sich dagegen ein üppiges Leben leisten, die würden meiner Meinung nach schon ein paar Fragen mehr aufwerfen und ob es beiden immer so einfach wäre, unter dem Radar sämtlicher Behörden zu bleiben, das erschloss sich mir nicht ganz. Auch die Person der Sarah, die zwar vordergründig als naiv aber hintergründig als ungerührte Nutznießerin der Aktivitäten der beiden Männer beschrieben wurde, konnte mich nicht so recht überzeugen. Überhaupt – einige der Protagonisten waren für meinen Geschmack zu sehr dem guten, alten Schwarz-Weiß-Schema angepasst. Punkten konnte Geschke dagegen mit seinen Darstellungen des Polizeialltags und natürlich mit dem paukenschlagartigen Ende, dass ich auf gar keinen Fall so erwartet hätte!

Fazit

Linus Geschke bietet mit seinem neuen Roman „Das Loft“ spannende Unterhaltung, die den Leser zwar weit weg von einem Loft aber hin zu schicksalhaften Verstrickungen und zu toxischen Beziehungen führt. Realistisch ist sicherlich nicht alles, dennoch tut das der Spannung keinen Abbruch.

 

Das Loft

Linus Geschke, Piper

Das Loft

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