Mörderische Witwen

  • Tropen
  • Erschienen: April 2022
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Thomas Gisbertz
88°

Krimi-Couch Rezension von Thomas Gisbertz Apr 2022

Schockierend realistischer Thriller aus Schweden

Stockholm, Mitte November: Während einer stürmischen Nacht wird in einem Park die Leiche von Rikard Olsson gefunden. Der Polizist, der in der Abteilung für Bandenkriminalität tätig war, wurde mit zwei Schüssen in den Rücken getötet. Eher zufällig stoßen die Ermittler in der Nähe auch auf die Leiche einer syrischen Frau. Während sich die Ermittlungen der Polizei aber zuerst auf den Mord an ihrem Kollegen konzentrieren, wird die Frau eher als Kollateralschaden abgetan.

Doch als die Polizeiinspektorin Vanessa Frank hinzugezogen wird, gewinnt der Fall neue Brisanz, denn die Tote war ihre Ziehtochter Natasja. Frank ist fassungslos und versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei gerät sie mitten in die Vorbereitungen eines Terroranschlags. War Natasja etwa daran beteiligt? Zusammen mit dem ehemaligen Elitesoldaten Nicholas Paredes macht sich Vanessa auf die Suche nach der Schläferzelle. Doch sie müssen vorsichtig sein, denn geeint in ihrem Hass und ihrem Verlangen nach Rache lassen die Witwen des IS ihr Ziel nicht aus den Augen. Es droht ein Anschlag mit verheerenden Folgen für die schwedische Politik und Gesellschaft.

Schwedischer Bestsellerautor

Autor Pascal Engman wurde bereits nach seinem Debüt-Thriller „Der Patriot“ (2017) als aufstrebender Star der schwedischen Krimiliteratur gefeiert. Nun stellt er mit dem dritten Band seiner Vanessa-Frank-Reihe erneut unter Beweis, warum er mittlerweile vollkommen zurecht zu den angesagtesten skandinavischen Thrillerautoren gehört.

Vor Beginn seiner Tätigkeit als Autor war Engman Journalist bei der schwedischen Abendzeitung Expressen und einer ihrer profiliertesten Reporter. Vielleicht scheut sich der Schwede auch deswegen nicht, in seinen Romanen brisante und schockierende Themen aufzugreifen. In der Vanessa-Frank-Reihe, die bei Tropen im Klett-Cotta-Verlag erscheint, beschäftigt er sich mit extremen Gruppierungen am Rande der Gesellschaft wie Rechtsnationalisten („Feuerland“), Incels („Rattenkönig“) und Islamisten („Mörderische Witwen“).

Engman, der in seiner Heimatstadt Stockholm lebt, ist der Sohn einer Schwedin und eines Chilenen und sucht als Inspirationsquelle stets einen ungewöhnlichen Ort auf: Er reist jedes Jahr in die südamerikanische Heimat seines Vaters, um an seinem nächsten Roman zu schreiben. Band 4 mit dem Titel „Kokain“ ist bereist Ende 2021 in Schweden erschienen.

Hoch aktuelles Thema

Der nunmehr dritte Band der Reihe um die Polizistin Vanessa Frank ist nicht ganz so beklemmend wie der Vorgängerroman „Rattenkönig“, aber mindestens ebenso schockierend und brisant. Im Mittelpunkt stehen diesmal Kämpfer*innen des IS, die in Schweden aus Vergeltung einen Terroranschlag planen. Was Engman aus dieser Idee macht, ist ein mehr als atemberaubender, unfassbar spannender und temporeicher Thriller, der es dem Leser schwer macht, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Dies liegt vor allem daran, dass das Thema des Romans extrem gut recherchiert wurde und höchst aktuell ist. Erst Ende letzten Jahres wurden am Stockholmer Flughafen zwei Frauen in Gewahrsam genommen, die dem „Islamischen Staat“ nahestehen sollen. Einer von ihnen wurden sogar Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die Zahl gewaltbereiter Islamisten in Schweden ist nach Einschätzung der Sicherheitspolizei (Säpo) des Landes drastisch angestiegen. Probleme mit kampfbereiten Dschihadisten sind dem skandinavischen Land folglich leider nicht fremd. Ein Thema, das Engman hier beängstigend realistisch umsetzt.

Weiterentwicklung der Reihe

Der Autor versteht es aber nicht nur, sein sehr differenziertes Handlungsgeflecht am Ende meisterhaft aufzulösen, sondern ihm gelingt es ebenso, seine Reihe mit dem dritten Band weiterzuentwickeln. Neben bekannten Figuren wie der Polizeiinspektorin Vanessa Frank, dem dreizehnjährigen Mädchen Celine Wood oder dem ehemaligen Elitesoldaten Nicolas Paredes führt Engman mit Samer Bakir einen zunächst undurchsichtigen Ermittler ein, der aus Malmö nach Stockholm versetzt wird und der Reihe richtig gut tut, auch wenn der Charakter sicherlich noch etwas an Tiefe gewinnen darf. Ebenfalls erfreulich zu sehen ist, dass im Gegensatz zu vielen anderen Ermittlern Vanessa Frank zwar auch mit (privaten) Problemen zu kämpfen hat, aber dennoch als Ermittlerin einen höchst professionellen Job macht.

Fazit

Pascal Engman gelingt mit „Mörderische Witwen“ ein bemerkenswert authentisch wirkender Thriller, der den Leser von Beginn an fesselt. Der Roman liest sich erschreckend real und überzeugt mit einem cleveren Plot. Engman gehört bereits jetzt zu den ganz Großen der skandinavischen Spannungsliteratur - und das mehr als zurecht.

Mörderische Witwen

Pascal Engman, Tropen

Mörderische Witwen

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