P.S. Morgen bist du tot

  • Lübbe
  • Erschienen: Juni 2022

- Übersetzung: Sabine Schilasky

- Originaltitel: "Never Saw Me Coming"

- Paperback

- 416 Seiten

P.S. Morgen bist du tot
P.S. Morgen bist du tot
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Sabine Bongenberg
40°

Krimi-Couch Rezension vonAug 2022

Zu viele Psychopathen vergiften den Brei

Chloe Sevres ist keine normale Studierende an der ehrwürdigen John Adams University in Washington. Neben ihrem Studium nimmt sie noch an einer psychologischen Studie teil, die dazu beitragen soll, dass sie später einmal ein „normales“ Leben führen kann. Chloe gehört nämlich zum Personenkreis der Psychopathen und damit ist ihr Risiko wesentlich größer, irgendwann einmal im Knast zu landen. Unglücklicherweise weisen aber verschiedene Zeichen tatsächlich in diese Richtung, denn Chloe will eine alte Rechnung mit einem Kommilitonen begleichen und ihr Plan ist allenfalls der, sich bei dieser Abrechnung nicht erwischen zu lassen. Offensichtlich scheinen aber auch die anderen psychopathischen Studienteilnehmer das Ziel eines regelkonformen Lebens nicht so ganz ernst zu nehmen. Denn alsbald wird ein Studierender und bald darauf ein zweiter brutal ermordet und alle Spuren weisen auf die Therapiegruppe. Chloe und die ihr bekannten Gruppenmitglieder beginnen nachzuforschen. Einfach ist das aber nicht, kennen sie doch nicht einmal alle Teilnehmer, die natürlich auch nicht daran interessiert sind, ihre Persönlichkeitsstörung in die Welt hinaus zu posaunen. Und wer wirklich Schlimmes im Schilde führt, der ist logischerweise noch mehr daran interessiert, das zu verbergen…

Psychopathen sind nicht zwingend Serienmörder…

Vera Kurian, die laut Inhaltsangabe des Lübbe-Verlags Psychologie studierte, dürfte sich laut ihres Werdegangs für den Umgang mit psychisch beeinträchtigten Menschen qualifizieren und tatsächlich gelingt es ihr, Verständnis für die „Psychopathie“ zu erwecken. Sicher geht es uns nämlich fast allen so, dass wenn wir diesen Begriff hören, wir zuerst einmal an eine Person vom Kaliber Hannibal Lecters denken. Tatsächlich kennen wir vermutlich alle mindestens einen Psychopathen – und finden ihn möglicherweise charmant und anziehend. Psychopathen müssen nicht zwingend kriminell werden oder so handeln – aber aufgrund ihrer höheren Risikobereitschaft sind sie eher für eine solche Karriere prädestiniert. So viel dazu aus „Bongenbergs Küchenpsychologie“.

Kurian erschuf in ihrem Erstlingswerk eine kleine Gruppe von Psychopathen, die – zwistiglich vereint – gemeinsam zwei Morde aufklären wollen. Grundsätzlich wäre diese Idee spannend – tatsächlich ist aber eine solche Umsetzung in diesem Buch nicht gelungen.

Psychopathen sind nicht zwingend wahnsinnig spannend…

Zu Beginn des Romans nimmt die Handlung mit Chloe, die kapitelweise als Ich-Erzählerin auftritt und gerade erst ihr Studium beginnt, gut Fahrt auf. Interessant sind die Diskrepanzen zwischen dem, was sie über sich zugibt und was über sie berichtet wird oder wie planvoll sie bei vielen Aktivitäten vorgeht. Diese Grundspannung verläuft sich aber dann bald, da es der Autorin – die möglicherweise als Psychologin ihr Geld wert ist – nicht gelingt, Sympathie und richtiges Interesse an ihren Personen aufzubauen. Die Handlung verliert sich damit zwischen dem ungeordneten Herumstochern der Studenten im Nebel der Ermittlungen, eigenartig konstruierten Sätzen und Redewendungen, die den Leser immer wieder zwingen, Passagen mehrfach zu lesen und tatsächlich langweiligen Informationen. Es reicht leider nicht, eine Gruppe von Psychopathen zusammenzuführen und damit eine spannende Geschichte aufzubauen.

Immerhin – letztendlich gelingt es, den Fall aufzuklären; mir erschlossen sich die Motive nicht so recht und offensichtlich hatte die Polizei an der Aufklärung keinen großen Anteil, sondern überließ alles unseren wackeren Studenten. Ehrlich gesagt, interessierte mich aus Mangel an Sympathie ohnehin nicht mehr so wirklich, wie die Geschichte ausging und damit war ich auch mit den halbgaren Enden, die keine genaue Prognose abgaben, mehr oder weniger zufrieden.

Fazit

Eine Gruppe von Psychopathen, ein paar brutale Morde und schon klappt das mit dem Thriller? Nein – da gehört schon etwas mehr zu.

P.S. Morgen bist du tot

, Lübbe

P.S. Morgen bist du tot

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