Mord in Montagnola

  • Eichborn
  • Erschienen: April 2022

- Moira Rusconi ermittelt 1

- Paperback

- 366 Seiten

Mord in Montagnola
Mord in Montagnola
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Carola Krauße-Reim
50°

Krimi-Couch Rezension vonJul 2022

Gut, dass es die Dolmetscherin gibt

Moira, technische Übersetzerin, frisch geschieden und Mutter einer Teenie-Tochter, kehrt nach vielen Jahren in das Tessiner Dörfchen Montagnola zurück. Sie will sich um ihren Vater kümmern, der einen leichten Schlaganfall hatte. Doch kaum angekommen, wird in einem historischen Eiskeller eine Leiche entdeckt. Moira wird von der Polizei um Hilfe gebeten; sie brauchen dringend eine Dolmetscherin während der Befragungen. Als Rechtsmediziner ist ausgerechnet ihre Jugendliebe Luca an dem Fall beteiligt, der nicht sehr glücklich verheiratet zu sein scheint. Bald wird klar, dass im Tessin nicht alles so schön ist, wie es scheint und tiefe Abgründe hinter den pittoresken Fassaden lauern.

Die Liebe zum Tessin ist spürbar

Die studierte Kommunikationsdesignerin Mascha Vassena ist ziemlich umtriebig: Neben Romanen verfasst sie auch Opernlibretti und Theaterstücke; sie gibt Schreib-Workshops und ist freie Literaturagentin. Vassena stammt zwar aus Deutschland, lebt aber schon seit 2004 am Luganer See, den sie nicht mehr missen möchte. Die Liebe zu dieser Region im Süden der Schweiz ist im ganzen Krimi spürbar. Gekonnt schildert Vassena die Probleme mit der Sprachvielfalt in dem Kanton, in dem Italienisch vorherrscht, aber natürlich auch Schweizer aus den anderen Sprachräumen wohnen.

Auch die Schönheit der Gegend mit den Seen und ihren palmengesäumten Ufern vor fantastischer Bergkulisse fängt die Autorin sehr anschaulich ein. Ergänzt werden diese Schilderungen mit gekonnt eingebautem Wissen um Geschichte und die lokale Kulinarik. Doch obwohl Vassena ausgerechnet das berühmte Dorf Montagnola als Schauplatz auserkoren hat, geizt sie gerade hier mit eingehenden Beschreibungen. Zwar wird die elitäre Dorfgemeinschaft ganz gut eingefangen, doch gibt sie nur wenige Hinweise zum Dorf. Dennoch, der Krimi lebt von der mediterranen Atmosphäre des Tessin, denn weder Handlung noch Figurenzeichnung können hier viel ausrichten.

Eine Dolmetscherin ermittelt

Mit Moira erweitert Mascha Vassena den Kreis der Laien-Ermittler in der Krimi-Literatur um eine Dolmetscherin. Doch gerade diese Position der außenstehenden Personen macht es immer schwierig, eine logische Gesamthandlung hinzubekommen. Auch Moira wird zu sehr in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt. Schon die Tatsache, dass sie keine Polizistin ist und dennoch in alle Einzelheiten des Falles Einblicke erhält, ist sehr unrealistisch. Zudem gibt sie die entscheidenden Hinweise, hat als Einzige an den richtigen Stellen angebrachte Zweifel und lässt die Polizei insgesamt wieder einmal nicht gut dastehen. Wer einen packenden Krimi erwartet, dürfte schon hierdurch ausgebremst werden. Wenn dann auch noch reichlich Amore dazukommt, schafft es der dürftige Plot kaum noch Spannung zu erzeugen.

Die ganze Geschichte ist so sehr an die Region und ihre Menschen angepasst, dass die vorhandenen Abgründe kaum wahrnehmbar sind. Wenn sie dann doch einmal drängender werden, kommt garantiert Luca um die Ecke oder Papa mit seiner neuen Liebschaft und jeder Menge Alkohol. Die Spannung plätschert dementsprechend vor sich hin, nimmt zum Schluss etwas an Fahrt auf um dann in einem absurden Finale zu verglimmen. Der Schluss des Buches eröffnet dann der Autorin genügend zwischenmenschliche Möglichkeiten für ihren zweiten Teil, denn „Mord in Montagnola“ ist der Auftakt einer neuen Reihe.

Fazit

Ein Krimi, der von der Atmosphäre der Gegend rund um den Luganer See lebt und ihn damit zu einem leichten Sommer-Genuss macht. Leider bleiben Spannung und Glaubwürdigkeit dabei auf der Strecke, was aber beim zweiten Teil schon ganz anders aussehen könnte, denn „Mord in Montagnola“ ist der Auftakt einer neuen Reihe rund um Dolmetscherin Moira.

Mord in Montagnola

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