Das rote Zeichen

  • Goldmann
  • Erschienen: September 2022

- Ein Fall für Inspektor Lu Fei 1

- Übersetzung: Thomas Stegers

- Originaltitel: "Thief of Souls"

- Taschenbuch, Broschur

- 320 Seiten

Das rote Zeichen
Das rote Zeichen
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André C. Schmechta
55°

Krimi-Couch Rezension vonOkt 2022

Eine Mordserie in der chinesischen Provinz. Ein zu wenig fesselnder Krimi.

Eine junge Frau wird in der chinesischen Gemeinde Rabental ermordet. Das an sich ist für den hiesigen Kommissar Lu Fei schon ungewöhnlich, bekommt er es hier eher mit kleineren Bagatelldelikten zu tun. Doch die Autopsie lässt die inszenierte Tat eines eiskalten Killers erahnen. Denn Yang Fenfang wurde ausgeweidet, dabei perfekt geschminkt und gekleidet in ihrer Wohnung zurückgelassen…

Schnell wird ein Verdächtiger ausfindig gemacht, ein junger Mann aus der Nachbarschaft. Dieser beteuert seine Unschuld und auch Lu Fei ist überzeugt, dass der Mörder noch nicht gefasst ist. Schon bald erhärtet sich der Verdacht, dass in Rubental ein Serienmörder zugeschlagen hat. Fortan muss sich Kommissar Lu Fei bei seinen Ermittlungen nicht nur mit seinen direkten Fortgesetzten rumschlagen.

Eintöniger Ermittlungsverlauf

Brian Klingborg lässt es in seinem Roman gemächlich angehen. Bis Seite 100 geschieht nicht wirklich viel und mit den Ermittlungen geht es, wenn überhaupt, nur zaghaft voran. Eine kurze Befragung hier, eine Untersuchung dort, etwas eintönige Gespräche, immer wieder chinesische Sprichwörter und jede Menge Tee. Da ist der regelmäßige Besuch von Lu Fei in der kleinen Lotus Bar schon fast ein Highlight, hat Lu Fei dort auch ein Auge auf die Besitzerin des Lokals geworden.

Auch wenn das alles durchaus unterhaltsam erzählt ist, Spannung will da noch nicht wirklich aufkommen. Das liegt auch daran, dass uns Klingborg immer wieder Geschichtsunterricht in kleinen Häppchen serviert, politische und gesellschaftliche Hintergründe erläutert und über die Struktur und Hierarchien des Polizeiapparates in China aufklärt. Das ist zwar informativ, hilft es doch einige ansonsten möglicherweise nicht immer nachvollziehbaren Verhaltensmuster, seltsam anmutende Dialoge und Geschehnisse in einen realistischen Kontext einzuordnen. Jedoch bremst das die Geschichte ein ums andere Mal unnötig aus, da Klingborg diese Abschnitte stets wenig feinfühlig in die Geschichte einarbeitet.

Mit dem betont souveränen Kommissar Song - einem leitenden Mitarbeiter eines höher gestellten Kommissariats - kommt später eine interessante Figur ins Spiel, die vor allem mehr Dynamik in die Figurenkonstellationen bringt. Auch die Charakterzüge von Lu Fei werden nun deutlich geschärft, er agiert zielstrebiger, macht Fehler und bringt Unruhe in die Hierarchien des kontrollierten Ermittlungsapparates. Konflikte und Reibereien mit Kollegen bieten zusätzlichen Zündstoff. So liest sich „Das rote Zeichen“ dann stellenweise durchaus flott. Aber auch wenn kurze Sätze und schnelle Handlungssprünge das Lesetempo erhöhen, können sie nicht über den weiterhin recht eintönigen Ermittlungsverlauf und die wenig packende Dramaturgie hinwegtäuschen. Leider müssen wir uns dann auch mit einem wenig originellen und irgendwie abgespult wirkenden Ende zufriedengeben.

Fazit

Schade, ich hatte mir doch etwas mehr von Kommissar Lu Feis erstem Fall erhofft. Brian Klingborg strickt um eine Mordserie in der chinesischen Provinz einen zu wenig fesselnden Krimi, der zwar die örtliche Polizeiarbeit skizziert, ohne dabei aber wirklich eine dichte, spannende Atmosphäre zu erzeugen.

Das rote Zeichen

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Das rote Zeichen

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