1979 - Jägerin und Gejagte

  • Knaur
  • Erschienen: Juni 2022

- Ein Fall für Journalistin Allie Burns 1

- Taschenbuch

- 448 Seiten

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Thomas Gisbertz
82°

Krimi-Couch Rezension von Thomas Gisbertz Jun 2022

Weit mehr als nur ein Kriminalroman

Schneestürme, Stromausfälle, Streiks und ungeklärte Todesfälle: Der Winter im Jahr 1979 bringt nichts Gutes nach Schottland. Für die junge Journalistin Allie Burns, frischgebackene Reporterin beim Boulevardblatt Daily Clarion in Glasgow,sind schlechte Nachrichten jedoch die Chance, einmal über etwas anderes als Frauenthemen zu berichten. Sie wird angetrieben von der Sehnsucht nach der ganz großen Story. Da kommt es ihr ganz recht, dass ihr Kollege Danny Sullivan an einer brisanten Geschichte dran ist, bei der Allie mit ihrem Schreibtalent helfen kann. Es geht um Steuerbetrug bei einer Gruppe reicher schottischer Geschäftsleute - systematische Geldwäsche im ganz großen Stil. Der Fall wirbelt viel Staub auf. Danny und Allie machen sich aufgrund der Enthüllungen mächtige Feinde, aber zum ersten Mal scheint der „Boy‘s Club“ der Zeitung auch Allie wirklich ernst zu nehmen.

Geplanter Terroranschlag

Kurze Zeit später belauscht die junge Reporterin zufällig ein Gespräch radikaler Nationalisten, die nichts weniger als die Unabhängigkeit Schottlands fordern. Mit ihrem Kollegen Danny kommt Allie tatsächlich einer potenziellen terroristischen Bedrohung auf die Spur. Danny gelingt es, Zugang zur Gruppe zu erhalten und schon bald wird er in deren Pläne einbezogen. Von ihrer journalistischen Neugier gepackt lässt sich das Reporterduo auf ein gefährliches Spiel ein, denn die Nationalisten haben Kontakt zur IRA. Gemeinsam schmieden Allie und Danny einen Plan, wie sie die Verschwörung auffliegen lassen können. Doch dabei begeben sie sich in tödliche Gefahr.

Neue Reihe um Journalistin

Eigentlich ist über Autorin Val McDermid alles gesagt. Die Schottin ist eine internationale Bestsellerautorin, deren Bücher in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden. Ihre mehrfach preisgekrönten Thrillerserien und Einzelromane wurden für Fernsehen und Rundfunk adaptiert - etwa die Serie Hautnah - Die Methode Hill mit dem Profiler Dr. Tony Hill und DCI Carol Jordan. Eine Verfilmung der Reihe um die schottische Cold-Case-Ermittlerin Karen Pirie ist in Arbeit.

Das Besondere der Romane um die Investigativ-Journalistin Allie Burns ist das außergewöhnliche Konzept der neuen Crime-Reihe: Man folgt als Leser*in der jungen Reporterin in insgesamt fünf Bänden über fünf Jahrzehnte – 1979, 1989, 1999, 2009, 2019. „Ich hatte seit einiger Zeit die vage Idee, ein Quintett von Romanen zu schreiben, die in einem Zeitraum von 41 Jahren spielen. Im Abstand von 10 Jahren, mit den gleichen Protagonisten, die aber nicht unbedingt immer den gleichen Job machen. Und ich dachte, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür“, so McDermid.

Als Frau in einer Männerwelt

Wie Allie Burns lebte Val McDermid 1979 in Glasgow und war als Journalistin tätig. Insgesamt arbeitete die Schottin vierzehn Jahre für überregionale Zeitungen. Die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen bei den Printmedien lässt die Autorin in ihren neuen Roman einfließen. Dies ist mit ein Grund, warum „1979“ mehr ist als ein reiner Kriminalroman. Es ist vor allem die Geschichte einer jungen Frau, die sich in der dominanten Männerwelt der Zeitungsbranche durchsetzen muss. Frauen sind in der Redaktion des Clarion (noch) die Ausnahme. Allie ist aber eine selbstbewusste junge Journalistin, die von ihrem Können überzeugt ist und sich nicht unterkriegen lässt. Eine Feministin, aber keineswegs eine Männerhasserin. Erst allmählich überzeugt sie die männlichen „Regenten der Zeitung“ mit ihrem Schreibtalent und ihren guten Ideen.

Atmosphärisch ist der Roman vergleichbar mit der Harry-McCoy-Reihe des schottischen Thrillerautoren Alan Parks, die ebenfalls in den 70er-Jahren spielt, aber wesentlich härter und temporeicher daherkommt. Bei Val McDermid steht dafür die journalistische Arbeit im Vordergrund. Allie Burns ist keine klassische Ermittlerin, sondern eine Investigativ-Reporterin, die mutig so mancher gefährlichen Story hinterherjagt. Dennoch ist sie sich stets ihrer Grenzen bewusst. Man darf gespannt sein, wie sich ihr Charakter in den nächsten Bänden weiterentwickeln wird.

Ungewöhnlich, aber gut

Für McDermid-Fans mag die neue Reihe zunächst ungewöhnlich erscheinen, da die Schottin einen ganz anderen Sound und ein weitaus ruhigeres Tempo anschlägt, als man es von ihr gewohnt ist. Dazu gehört auch, dass es etwas dauert, bis die Handlung deutlich an Brisanz und Spannung zunimmt. Dafür ist der Roman voller Zeitkolorit - was sowohl die tägliche Arbeit in der Redaktion als auch gesellschaftspolitische Ereignisse und Besonderheiten der späten 70er-Jahre betrifft. Die außergewöhnliche Atmosphäre und der ausgeprägte Charakter der Zeit machen den Roman neben der wundervollen Protagonistin zu einem besonderen Leseerlebnis.

Fazit

Val McDermid beweist mit ihrem neuen Roman erneut, dass sie eine herausragende Autorin ist. Mit der jungen Journalistin Allie Burns wählt sie diesmal einen ungewöhnlichen Charakter, der aber mehr und mehr zu überzeugen weiß. Man darf gespannt sein, wie es mit der Serie und ihrem besonderen Konzept in den nächsten Bänden weitergehen wird.

1979 - Jägerin und Gejagte

Val McDermid, Knaur

1979 - Jägerin und Gejagte

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