Die Augen eines Mörders

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Madrid: Alfaguara, 1997, Titel: 'Plenilunio', Seiten: 485, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000, Seiten: 477, Übersetzt: Willi Zurbrüggen
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001, Seiten: 477
  • München: btb, 2011, Seiten: 477

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Wolfgang Reuter
Dieses Buch geht durch Mark und Bein

Buch-Rezension von Wolfgang Reuter Mai 2003

Über den Inhalt gibt der Klappentext bereits ausreichend Auskunft: Ein brutaler Sexualmord an einem kleinen Mädchen, eine Kleinstadt in Angst und Schrecken, ein Inspektor mit dunkler Franco-Vergangenheit, besessen davon, den Mörder zu finden, ein ETA-Killer, besessen davon, den Inspektor zu finden, ein romantisches Intermezzo mit der Lehrerin des Opfers, die sich von Mann und Sohn verlassen durchs Leben schlägt. Und schließlich der Mörder, unscheinbar, unberechenbar, triebgeleitet, noch nicht am Ende seiner grausamen Tätigkeit...

Von den Freunden kurzweiliger, spannungsgeladener Urlaubs- oder Gutenachtkrimis möchte ich mich an dieser Stelle jetzt schon herzlich verabschieden.

Hier handelt es sich nicht um einen Krimi im herkömmlichen Sinne, sondern um einen Roman, der die Kriminalgeschichte nur als Träger anderer Intentionen des Autors verwendet. Molina ist einer der vielen spanischen Schriftsteller wie Montalban etc., der sich auch der Aufarbeitung der jüngeren spanischen Geschichte - Franco und die Folgen - widmet. Er tut das nicht vordergründig, sondern über seine Figuren, die aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten Spaniens stammen:

  • Der Inspektor, ein ehemaliger Francospitzel, der durch die Versetzung in die Kleinstadt seiner Vergangenheit entrinnen will. Der ETA - Killer, der ihn trotzdem findet.
  • Die Frau des Inspektors, die der Terror ins Irrenhaus geführt hat.
  • Der Priester, ein ehemaliger Kommunist unter Jesuiten. Der Gerichtsmediziner, ein alter Anarchist, etc.

Alle diese Personen kommen sehr ausführlich zu Wort, wir nehmen Teil an ihrer Vergangenheit und ihrem Innenleben.

Molina ist in Spanien kein Unbekannter und bereits mehrfacher Literaturpreisträger. Dies ist meines Wissens nach überhaupt sein erster Kriminalroman.

Er hat eine ganz eigene, fast sinnliche Art zu schreiben, voller Suggestionskraft und intensiver Bilder, streckenweise ist das reine Poesie. Aber er schont sich nicht und niemanden. Seine Schilderungen sind oft von einer quälenden Intensität, die jede Schmerzgrenze überschreiten, die Sätze meist eine halbe Seite lang und manchmal sogar länger.

Die Sprache ist sein Medium, mit ihr arbeitet er, formuliert, malt, dichtet, beobachtet, analysiert, verfeinert bis zum perfekten Ausdruck. Er ist ein Perfektionist. Wie ein Bildhauer meißelt er seine Figuren aus den Textblöcken zu lebendigen Wortgestalten. Das aber ist nicht jedermanns Sache, es verlangt Geduld und eine Neigung zur Poesie, zur literarischen Versenkung, zu Sprachmelodien, die gelegentlich ein symphonisches Ausmaß erreichen.

Die Besessenheit, mit der der Inspektor den Mörder sucht, das Verlangen, ihn an seinen Augen zu erkennen und in ihnen die Gründe für die Tat zu sehen, hat auch etwas mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun. Wie kommt es, das ein Mensch zu solchen Taten fähig ist? Wie konnte er selbst Freunde denunzieren? Die Augen sind der Spiegel der Seele, hat der Priester gesagt, und so müssen sie doch etwas über den Menschen aussagen, seine Abgründe und Ängste, etwas Bedeutendes, dem Schicksal die Maske vom Gesicht reißen - aber er muss feststellen: Alles ist umsonst, das Schreckliche ist ganz gewöhnlich, mitten unter uns, unsichtbar im Alltäglichen, gefördert durch die Blindheit und Gleichgültigkeit, mit der die Menschen durchs Leben gehen.

Molina ist Pessimist, schreibt illusionslos, ohne Fatalismus und ohne jede Hoffnung. Und doch: einen Ausweg aus dem vergangenheitsbelasteten und rückwärtsgewandten Verhalten zeigt er ganz nebenbei in der Figur der Lehrerin Susana Grey, die alles hinter sich lässt und ihr Leben neu beginnt. Neben dem Mädchen Paula ist sie die einzige positive, starke Figur in diesem Roman.

Dieses Buch lässt einen nicht kalt, es geht durch Mark und Bein. Wer literarisch anspruchsvolle Kriminalromane mag, kommt hier voll auf seine Rechnung.

Die Augen eines Mörders

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Letzte Kommentare:
05.01.2018 15:53:32
Helmut Ast

Für mich ist der Erzählstil eine Katastrophe, die irrsinnig langen verschachtelten Sätze.
Daß da Spannung drin sein soll, und etwas, das zum Weiterlesen anspornt, kann ich nicht glauben. Habe nach 10 Seiten abgebrochen und dann noch das nutzlose Ende gelesen und das Buch entsorgt, blaue Tonne, reduziertes Mängelexemplar, ein Gück.

19.10.2009 13:21:52
Schnaeutzchentrecker

Dieses Buch ist eines der Besten, die ich je gelesen habe, obwohl es für mich kein Krimi im klassischen Sinne ist. Durch den eigenartigen aber guten Schreibstil des Autors (lange, sehr beschreibende Sätze) kann man sich sehr gut und tief in die Personen des Buches hineinversetzten. Es ist ein Buch, was in Ruhe gelesen werden muss.

17.02.2009 12:38:26
Cruzcampo

Ein ausgezeichneter Krimi mit einem sehr schwachen Ende. Die ETA-Geschichte war eher Ballast als Bereicherung und diente nur dem einzigen Zweck: Die Hauptperson aus dem Weg zu schaffen. Übrigens: Auf diese Weise killt die ETA nur im Baskenland, sehr, sehr selten außerhalb und dafür war die Hauptperson ein zu kleines Licht.
Auch die Rolle des Arbeiterpriesters erschloss sich durch den Inhalt nicht.
Am Ende den Protagonischen aus dem Weg zu schaffen, ist nicht immer der beste literarische Weg, schützt aber vor anderen Lösungen, die Muñoz Molina zu klischeehaft erschienen. Außerdem konnte er dann keine Fortsetzung mehr schreiben ...
Für mich keinesfalls 90°, allerhöchstens 70°.
Beatus Ille von diesem Autor war der bessere Krimi !
Saludos de Cruzcampo

07.03.2008 15:22:27
Heaven23

ich hab den Krimi schon ewig in meinem Regal stehen gehabt, bevor ich ihn las. Und der Krimi ist wirklich erstklassig ! er geht wirklich durch Mark und Bein, super spannend ! Absolut weiter zu empfehlen !

14.05.2005 11:11:41
Antonio

Hallo,

Sie schreiben in ihrem Eingangstext zur Krimiliteratur in Spanien und Portugal: "Es dauerte bis zum Januar 2000, bis der Ruf [der spanischen Polizei] wenigstens literarisch wiederhergestellt war: Lorenzo Silva [...]" Denn "zu frisch die Erinnerungen an die Zeit unter Franco, zuwenig konnten sich spanische Leser mit den Staatsdienern identifizieren."
Und doch befindet sich unter Ihren Beschreibungen auch Plenilunio (Die Augen eines Mörders) von Antonio Muñoz Molina von 1997, in dem nicht nur ein Polizist der Protagonist ist, sondern in dem auch die Polizei vor 1975 thematisiert wird - so ist der Protagonist in seiner Vergangenhit ja gerade kein Unschuldsengel gewesen sondern war ein Vertreter der Diktatur.

12.12.2004 08:48:05
Hans Bangert

Die Motivation des Romanhelden ist gut nachvollziehbar. Die Art der gedankengänge erinnert an die Erzählweise von Thomas bernhard, lange Sätze, durch Kommas getrennt, qualvoll und eindringlich. Der held ist kein Supermann, eher ein verlierer, der sich nur durch seine Zielstrebigkeit auszeichnet, wo er ansonsten seine karriere verspielt hat. Meine Meinung resultiert allerdings auf der Lektüre der ersten 100 Seiten...

30.08.2003 23:31:17
K. Buettner

Ein Klassiker!!!

08.04.2003 18:07:58
Mayr Elisabeth

Diesen Krimi verschlingt man nicht, sondern man genießt ihn Stück für Stück. Beste Empfehlung!