Der grillende Killer

  • Droemer
  • Erschienen: März 2022

- Übersetzung: Alice Jakubeit

- Hardcover

- 368 Seiten

Der grillende Killer
Der grillende Killer
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Jörg Kijanski
85°

Krimi-Couch Rezension von Jörg Kijanski Mär 2022

Duell der Meisterschützen

In der Hafenstadt Keelung wird in einem Hotelzimmer Kuo Wei-chung, ein Spezialist für U-Boot-Abwehr, aufgefunden, der sich nur anscheinend selber erschossen hat. Ein Marineoffizier will den Fall auch gleich als Suizid abhaken und von weiteren Ermittlungen absehen. Kommissar Wu aus Taipeh mag indessen keineswegs an eine Selbsttötung glauben, denn dass - unter anderem - sich ein Linkshändler mit der rechten Hand in die rechte Schläfe schießt wäre schon höchst außergewöhnlich.

Am folgenden Tag wird am Küstenstrand im Bezirk Jinshan die Leiche von Chiu Ching-chih angespült. Ein Einschuss in der Stirn deutet auf eine Triadenexekution hin. Chiu, Oberst bei der Beschaffungsstelle des Heeres, ist somit der zweite ermordete Militärangehörige binnen zwei Tagen. Die Armee behindert jegliche Ermittlungen und Wu bleiben nur noch elf Tage … bis zu seinem Ruhestand.

„Die erste Aufgabe eines Scharfschützen ist nicht, zu schießen, sondern zu verschwinden.“

Währenddessen fliegt Wus Vorgesetzter nach Rom, wo auf der Terrasse eines Cafés in unmittelbarer Nähe des weltberühmten Trevi-Brunnens Chou Hsieh-he, ein einflussreicher Militärberater der Regierung, von einem Scharfschützen erschossen wurde. Der Schütze heißt Alex Li und zieht sich nach dem geglückten Attentat zurück nach Manarola am Ligurischen Meer, wo er normalerweise mit einem Imbiss sein Geld verdient. Doch noch in der Nacht des Anschlags wacht er auf, erkennt einen verdächtigen Punkt in der Ferne und wird kurz darauf selber beschossen. Er muss fliehen und gelangt über Umwege in seine Heimat Taiwan, wo er von Wu bereits erwartet wird.

Temporeiche Action, leckere Küche und schwarzer Humor

Chang Kuo-Li ist mit seinem aktuellen Thriller „Der grillende Killer“ ein ausgezeichneter Roman gelungen, der viele Krimifans ansprechen dürfte. Wenngleich sich hier hauptsächlich Scharfschützen duellieren, so ist es nicht jene tumbe Ballerorgie, die man bei amerikanischen Sniper-Romanen erwarten darf.

Ausbildung und Waffen werden ausführlich dargestellt, aber auch das Vorgehen der Scharfschützen, welches von Konzentration und vor allem Ausdauer geprägt ist. Dass Li zugleich ein begnadeter Koch ist, wobei er eigentlich nur gebratenen Reis in zwei Variationen anbietet, ist ein netter Einfall und dient als Einstieg in die chinesische Küche. Zudem gibt es Rückblicke in die Historie und – vor allem – eine große Prise galligen Humors; nämlich dann, wenn Wu seine Auftritte hat. Li und Wu wechseln sich in den Erzählsträngen ab und der Plot bietet seriöse Thrillerkost; keine martialische Überspitzung, aber auch keine „Blödelware“ wie beispielsweise Kluftinger. Nichts gegen Kluftinger übrigens.

Die Geschichte spielt vor allem in Italien und Taiwan, was die ungewohnten Namen der Figuren erklärt. Allerdings braucht man keine Angst vor Namen wie Huang Hua-sheng oder Luo Fen-ying zu haben, denn diese werden vorwiegend Eisenschädel und Baby Doll genannt. Wu und Li kann man sich merken und Wus Chef, kurz Eierkopf, sollte ebenfalls kein Problem darstellen. Wer zeitweise trotzdem durcheinandergerät, dem hilft zu Beginn des Buches eine Personenübersicht.

Fazit

Für Fans asiatischer oder actionreicher Thriller oder von Scharfschützenduellen sind hier richtig. Aber auch jene Krimifans, die einfach einen spannenden Plot mit treffsicheren, schwarzem Humor mögen sollten zugreifen. Es mag noch zu früh für eine Prognose sein, aber „Der grillende Killer“ könnte zu einem der Highlights des laufenden Jahres werden.

Der grillende Killer

Chang Kuo-Li, Droemer

Der grillende Killer

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