Safe Place - Du denkst, hier bist du sicher

  • Penguin
  • Erschienen: Februar 2022

- Übersetzung: Sabine Thiele

- Originaltitel: "Girls Like Us"

- Taschenbuch

- 320 Seiten

Safe Place - Du denkst, hier bist du sicher
Safe Place - Du denkst, hier bist du sicher
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Carola Krauße-Reim
60°

Krimi-Couch Rezension von Carola Krauße-Reim Apr 2022

Warum wurde dieser Buchtitel gewählt?

Neben dem Titel „Safe Place“, dem Untertitel „Du denkst, hier bist du sicher“ und der Ankündigung auf dem Cover „Du glaubst, deine Familie zu kennen. Doch das ist eine Lüge ...“ glaubt man einen Thriller vor sich zu haben, der sich im Kern um gefährliche und geheime Familiengeheimnisse dreht, die für die Protagonistin tödlich enden könnten. Das stimmt zum Teil, doch der Titel der amerikanischen Originalausgabe „Girls like us“ passt wesentlich besser zum zweiten Thriller von Cristina Alger, der sich um die Ausbeutung von Latinas auf Long Island dreht. Warum wird also ein treffender Originaltitel auf Englisch gegen einen so abwegigen Titel ebenfalls auf Englisch ausgetauscht?

War Martin Flynn korrupt?

FBI Agentin Nell Flynn kommt nach vielen Jahren wieder nach Long Island um die Asche ihres Vaters zu verstreuen. 10 Jahre hatten sie kaum Kontakt und jetzt muss Nell feststellen, dass er scheinbar in die Mordserie an jungen Prostituierten verwickelt war. Obwohl sie nach einer Schussverletzung krankgeschrieben ist, beginnt Nell zu ermitteln und stößt in ein Wespennest, das ihr sehr schnell gefährlich wird.

Figurenzeichnung ist nur teilweise gelungen

Nell Flynn ist Agentin des FBI, ihr Vater war Polizist bei der Mordkommission auf Long Island – das ist für die Autorin anscheinend Grund genug, in die Klischeekiste zu greifen. Die coolen Mädels und Jungs vom FBI kann keine Verletzung aufhalten, Hindernisse gibt es nicht, Alkohol ist der Freund einsamer Stunden und lockere Sprüche sind selbst in brenzligsten Lagen garantiert. Die Polizisten sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die zwar korrupt ist, aber das immerhin zusammen. Die Stammkneipe wird mit einem Zahnstocher im Mundwinkel betreten, die „Harley“ fein säuberlich davor abgestellt, nur der Whisky ist kein Bourbon, sondern kommt aus Schottland. Diese Figurenzeichnung ist einfach zu eindimensional um interessante Persönlichkeiten zu erschaffen. Lediglich Nell bekommt noch eine zweite emotionale Seite, wenn sie an ihre ermordete Mutter denkt, die ebenfalls Latina war. Doch selbst bei ihr kommt die Liebe der Amerikaner zu eigenen Waffen (Plural!) und die völlig überzogene Idealisierung des FBI zum Tragen. Das mindert das Lesevergnügen doch enorm und banalisiert die sowieso schon schwache Geschichte noch mehr.

Wenig Spannung auf den über 300 Seiten

Nell erzählt die Geschehnisse aus ihrer Sicht im Präsens, was der Leserschaft Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der anderen Handelnden verwehrt. Das kann spannend sein, ist es in diesem Fall aber weniger. Ihre Gedanken kreisen ausnahmslos um den Tod ihrer Mutter und die Verstrickung ihres Vaters darin sowie in die Morde der Gegenwart.

Als sie dann zum Ende hin zu Schlussfolgerungen gelangt, die enormen Einfluss auf die Geschichte haben, erfahren wir aber ausgerechnet dann ihre Gedankengänge nicht und sind erst einmal ratlos, warum und wieso sie nun gerade so handelt. Der Thriller hätte wesentlich mehr an Spannung gewonnen, wenn ein auktorialer Erzähler andere Figuren begleitet und Einblicke in ihre Gedanken zugelassen hätte. Hinzu kommt, dass die Handlung manchmal doch sehr unwahrscheinlich wirkt und an manchen Stellen scheinbar passend gebogen wurde.

Fazit

Nach dem gelungenen Debüt „Das Kartenhaus“ hatte ich mir einen ebenso spannenden Folgethriller von Cristina Alger erhofft. Doch der wenig glaubhafte Plot und die eindimensionale Figurenzeichnung haben „Safe House“ zu einem höchstens durchschnittlichen Thriller gemacht.

Safe Place - Du denkst, hier bist du sicher

Cristina Alger, Penguin

Safe Place - Du denkst, hier bist du sicher

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