Yeats ist tot!

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • London: Jonathan Cape, 2001, Titel: 'Yeats is Dead!', Seiten: 297, Originalsprache
  • München: List, 2002, Seiten: 332, Übersetzt: Ulrike Bisschoff u.a.
  • München: List, 2003, Seiten: 332

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Thomas Kürten
zuviele Köche...

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jun 2003

Roddy Doyle, Frank McCourt, dazwischen Marian Keyes, Anthony Cronin, Hugo Hamilton und zehn weitere Autoren. Die Creme de la Creme der irischen Gegenwartsliteratur. Sie alle unter einen Hut zu bringen, zu einem Roman mit dem Titel "Yeats ist tot!", wird sicherlich nicht einfach gewesen sein. Der Versuch, einen halbwegs unterhaltsamen Roman gemeinsam zu schreiben, ist hingegen gescheitert.

Unmittelbar nach der Ermordung eines alten Mannes in seinem Wohnwagen setzt die Handlung ein. Zwei Kerle -Polizisten mit schmutzigen Nebeneinkünften- sollten den Mann einschüchtern, wobei sich wohl aus Versehen ein Schuss löste. Nun haben sie Angst vor der Rache ihrer Auftraggeberin. Zurecht, wie sich alsbald herausstellen wird, denn in den nächsten Kapiteln wird von der Ermordung der beiden berichtet. Warum aber der alte Mann vielleicht sterben musste, das scheint die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit zu vergessen. Was hat zum Beispiel die Formel "Y8S=+!" zu bedeuten, die auf einem merkwürdigen Manuskript voller mathematischer Formeln seltsam umkringelt ist. Urplötzlich soll dies der letzte Roman von James Joyce sein, unveröffentlicht und unverstanden. Und es geht auf einmal um chemische Substanzen, Fett um Papier zu altern und Creme um Haut zu verjüngen.

Jeder der 15 Autoren hat ein Kapitel zu diesem Buch beigesteuert und in der Tat merkt man dem Buch eine gewisse Zerrissenheit an. Keine Ahnung, ob jeder der Autoren einen roten Faden für sein jeweiliges Kapitel erhalten hat. Sicherlich gab es eine Art Grundgerüst der Handlung, aber rundherum haben einige Autoren einen schriftstellerischen Amoklauf aufgeführt. Roddy Doyle beginnt das erste Kapitel wohl noch mit dem Anspruch, einen ernsthaften Krimi zu schreiben, auch das zweite Kapitel scheint diesen Anspruch halten zu wollen. Aber dann? Charaktere, die zuvor seitenlang eingeführt worden waren, werden plötzlich umgebracht. Anstelle dessen werden immer wieder neue Charaktere vorgestellt, einer skurriler als der andere. Diejenigen, die das literarische Schlachtfest überleben, erfahren teilweise seltsame Wesenswandlungen, wirken schlichtweg nicht authentisch.

Na gut, wir wollen es nicht übertreiben, es sterben "nur" sechs Menschen und nur einmal ist man als Leser unmittelbar dabei. Aber was zunächst vielversprechend beginnt, wird durch die Eskapaden der verschiedenen Autoren zu einer Farce, einer irischen Provinzposse. Immer wieder enden die Kapitel mit Vorlagen für die nächsten Kapitel, getreu dem Motto: "Schau mal zu, wie du meine Aufgabe lösen kannst." Dabei verwickeln sich die Autoren in Komik und Groteske, überbieten sich gegenseitig mit platten Witzen (kein Wunder, wenn eine Marian Keyes bereits das fünfte Kapitel verhunzen darf) und bauen eine absurde Handlung auf.

Unglaubliche vier Jahre hat es gedauert, bis dieser Roman fertig war. Den Initiatoren um Herausgeber Joseph O'Connor und Amnesty International Ireland wird in dieser Zeit wohl so manches graues Haar gewachsen sein und die im Nachwort gepriesene Geduld aller Beteiligter muss wohl wirklich gigantisch gewesen sein. Um so erstaunlicher, dass nach vier Jahren doch noch etwas auf den Büchermarkt gebracht wurde, dass halbwegs als Roman durchgehen kann. Wäre es von einem unbekannten Autor einem Verlag vorgelegt worden, dann hätte es wohl keine Chance auf eine Veröffentlichung.

Verschnörkelte Handlung, farblose Charaktere, platter Humor, keine Spannung. Als Krimi kann "Yeats ist tot!" nicht überzeugen, für eine halbwegs amüsante Komödie ist er zu albern geraten und um als Roman zu bestehen, hätte es wohl einer größeren Einheit unter den Autoren bedurft. Das einzige Argument, das noch für einen Kauf spräche, wäre dass die Erlöse der Arbeit von Amnesty International zugute kommen. Aber da kann man auch direkt spenden und muss nicht auch noch dieses Buch lesen.

Zu viele Köche verderben den Brei.
Zu viele Autoren verderben den Roman.
Yeats ist tot.
Lasset ihn ruhen in Frieden.

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Letzte Kommentare:
24.03.2009 15:39:15
Robert T. Arns

Wenn man sich auch während des Lesens immer wieder ins Bewusstsein ruft, dass der jeweilige Autor gerade versucht das Buch in seine Richtung zu ziehen, kann man (besonders über die Todesfälle) herrlich schmunzeln.
In einem Punkt sind sich wohl alle Autoren einig: Ganz Irland scheint sich nur um James Joyce zu drehen!

08.07.2005 20:39:11
Torsten Heymann

Zu viele Protagonisten können auch nerven. Gerade wenn in den ersten Kapiteln jeder neue Autor die Protagonisten der letzten Kapitel versterben läßt weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Darunter leidet die Spannung. Als literarisches Experiment jedoch gelungen. Der ein oder andere Autor sollte ruhig mal einen ganzen Krimi schreiben.

02.02.2005 23:31:08
Frieder Noske

Ich habe diesen Roman vor ca. einer halben Stunde fertig gelesen und bin wahrlich enttäuscht!
Von einer Anzahl solch Prominenter Autoren kann man wirklich ein wenig mehr Feingefühl bei ihrer Arbeit verlangen.
Das Wort "Teamwork" scheint ihnen vollkommen Fremd zu sein!

07.06.2004 17:04:22
Juliane Babatz

Ich finde nicht, dass hier zu viele Köche den Brei verdorben haben, ganz im Gegenteil, dieses Buch ist mal eine gelungene Abwechslung.
Es ließt sich wunderbar und macht Lust auf mehr. Die Krönung dieses Buches ist für mich persönlich das letzte Kapitel von meinem Lieblingsautor Frank Mccourt...

22.04.2004 21:14:32
Heike Traunspurger

Ich kann das Schlechtgerede über diesen Roman nicht nachvollziehen! Ich finde es ein Meisterwerk des Kreativen Schreibens und ein in sich stimmiges Mosaik mit komödiantischen Elementen. Die Idee und die vielen Anspielungen Auf Ulysses sind einfach genial ...

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