Gefrorenes Herz

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2022

- Die Maria-Just-Reihe 1

- Übersetzung: Franziska Hüther & Günther Frauenlob

- Originaltitel: "For Barnets Bedste (1)"

- Taschenbuch

- 576 Seiten

Gefrorenes Herz
Gefrorenes Herz
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Carola Krauße-Reim
90°

Krimi-Couch Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2022

Spannend bis zum Schluss

Wenn sich eine Investigativ Journalistin mit einer Kriminalreporterin und erfahrenen True-Crime-Autorin zusammen tut um einen Krimi zu schreiben, kann man eine spannende Geschichte erhoffen. Bei Line Holm und Stine Bolther hat das mit „Gefrorenes Herz“ jedenfalls erfolgreich funktioniert. Die beiden bringen mit Maria, Mikael und Frederik neuen Schwung in die dänische Krimilandschaft und präsentieren ein durchgängig gelungenes Debüt.

Ein Toter mit seltsamen Zeichen

Mitten in Kopenhagen wird der Generalsekretär des Roten Kreuzes tot aufgefunden – gefesselt, wie gekreuzigt an einem Geländer hängend und mit einem eingeschnittenen merkwürdigen Zeichen auf dem Bauch. Erst als das veröffentlicht wird, wird immer offensichtlicher, dass dieser Tote wohl nicht das einzige Opfer des Täters war.

Eine Historikerin hakt nach

Mikael und sein neuer Kollege Frederik sind zwar Ermittler der Kopenhagener Polizei, doch bekommen sie Unterstützung von unerwarteter Seite. Maria, Historikerin im Polizeimuseum von Kopenhagen, bereitet gerade die Ausstellung „100 Jahre ungelöste Mordfälle“ vor, als ihr eine Verbindung zum Mord an dem Generalsekretär auffällt. Scheinbar war der Täter schon vor mehr als 50 Jahren aktiv, als er ein Ehepaar umbrachte. Während die Polizisten offizielle Wege bei den Ermittlungen beschreiten müssen, kann Maria im Hintergrund unkonventionell vorgehen und bringt sich damit schnell in die direkte Schusslinie des Täters.

Mal etwas anderes

Unkonventionelle Ermittlerpaare findet man immer wieder, doch eine Historikerin und ein Polizistenduo sind mir bis jetzt noch nicht begegnet. Dabei sind die drei sich gar nicht so unähnlich: sowohl Maria als auch Mikael und Frederik haben mit privaten Problemen zu kämpfen, die in Frederiks Fall allerdings etwas pauschal ausgefallen sind und ihn dadurch doch sehr zum stereotypen Polizisten machen, der ständig im Dienst zu sein scheint, keine Freizeit hat und damit seine Ehe riskiert. Bei Maria und Mikael ist den beiden Autorinnen eine bessere Figurenzeichnung gelungen. Zwar ist Mikael auch wegen seines Berufes allein, jedoch lernen wir ihn als einen vielschichtigeren Charakter als Frederik kennen. Er hadert mit sich selbst und seiner Vergangenheit, ist meist leicht mürrisch und damit nicht nur optisch das genaue Gegenteil vom gestylten und kontaktfreudigen Frederik.

Maria ist die weibliche Protagonistin, sie dominiert in weiten Teilen die Geschichte. Mit wachem Verstand stößt sie oft ungewollt und unverhofft auf Zusammenhänge, denen sie neugierig nachgeht. Sie ist die herausragende Sympathieträgerin in diesem Krimi – schlagfertig, willensstark und dennoch verletzlich ist sie den Autorinnen sehr realistisch gelungen.

Durch die Vorstellung der Charaktere am Anfang des Krimis lässt die Spannung ein wenig auf sich warten, doch schnell wird die Geschichte fesselnd und das bleibt sie bis zum Schluss. Unvorhergesehene Wendungen, schrittweise Erkenntnisse und Abgründe, die man nicht erahnen konnte, halten die Spannung hoch. Selbst als der Täter schon bekannt ist, wissen die Autorinnen das Geschehen noch so zu konstruieren, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Politische Verwicklungen sind garantiert

Auffällig oft findet man in dänischen Thrillern und Krimis eine Kombination zwischen Kriminalfall und nationaler Politik - so auch hier. Schnell zeigt sich, dass der Generalsekretär wohl nicht der Gutmensch war für den ihn alle hielten, dass die Regierung gehörig Dreck am Stecken hat und ein geheimes Treffen ganz offensichtlich zu einigen Irritationen führte. Dabei scheint die jüngere Geschichte Dänemarks in Bezug auf den Umgang mit der Grönländischen Bevölkerung eine Rolle zu spielen. Was man über die Diskriminierung der Inuit erfährt ist erschreckend, doch leider wahr und in Abwandlungen durchaus auch in anderen Ländern zu finden. Eingebunden in einem spannenden Krimi ergibt das eine packende Verknüpfung von Realität und Fiktion, der man sich nicht entziehen kann. Zwar erscheinen manche Szenen und Zusammenhänge etwas konstruiert, aber das ist der Dramaturgie geschuldet, der Krimi verliert dadurch nicht an Glaubwürdigkeit und schon gar nicht an Spannung.

Fazit

„Gefrorenes Herz“ ist ein packendes Krimidebüt, das durch seinen packenden Plot, aber vor allem durch die ungewöhnliche Kombination von Historikerin und Polizei als Ermittler überzeugt. Hoffentlich tun sich Line Holm und Stine Bolther noch öfter zusammen und schreiben mehr Spannendes mit Maria, Mikael und Frederik.

Gefrorenes Herz

Stine Bolther, Line Holm, Heyne

Gefrorenes Herz

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