Die Diva vom Gorki-Park

  • Aufbau
  • Erschienen: Januar 2003
  • 2
  • Berlin: Aufbau, 2003, Seiten: 404, Übersetzt: Olga Kouvchinnikova & Ingolf Hoppmann
  • Moskau: Eksmo, 1999, Titel: 'Ė¨afot zabvenija', Seiten: 457, Originalsprache
Die Diva vom Gorki-Park
Die Diva vom Gorki-Park
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Wolfgang Weninger
82°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2003

Unwillkürlich wird man an 'Nikita' erinnert

Vielleicht heißt sie ja Anna, diese Frau, die versucht, ihre Vergangenheit auszulöschen, in der sie als Agentin des Geheimdienstes Menschen gekillt hat. Heute aber nennt sie sich Eva. Ihre Haare sind ergraut und sie sieht alt aus, obwohl sie erst siebenundzwanzig ist. Sie lebt mit einem blinden Behinderten zusammen und sucht einen Job.

Der neue Stern am Filmhimmel ist der polnische Regisseur Andrzej Bratny. Seit er in Cannes ausgezeichnet wurde ist er Russlands Liebkind unter den Sponsoren und er plant seinen neuen Film in den Mosstudios zu drehen. Weil Eva im zu genau auf die Finger schaut und selbst bei Taschenspielertricks nicht ganz ungeübt ist, bekommt sie in Bratnys Team eine Anstellung als Casting-Assistentin.

Bratnys Team verehrt ihn abgöttisch. Alle Mitarbeiter haben eine reichlich dunke Vergangenheit und sind auch nicht der Gegenwart nicht ganz koscher. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten. Licht in die Dreharbeiten bringt die ehemalige Diva Tatjana Alexandrowa, frisch aus dem Altersheim gecastet und die Idealbesetzung für den verrückten Plot, den Bratny drehen will. Die gesamte Mannschaft ist begeistert von der Mimik der alten Dame, die am Stress fast zerbricht, aber bevor der Film zu Ende gedreht ist, wird Alexandrowa mit einer Schusterahle ermordet und von Eva gefunden. Aber Bratny will von Mord nichts wissen. Gemeinsam mit seinem Sicherheitschef, dem Ex-KGBler Krawtschuk beseitigt er alle Spuren der Untat und die Leiche. Nur Eva weiß außer den beiden davon und steht ab sofort unter besonderer Aufsicht.

Und dieser vertuschte Mord bringt die erbittertste Konkurrentin der früheren Filmschönheit aufs Tablett. Faina Bergman übernimmt die Rolle und bringt neuen Schwung in die Produktion, während Eva verzweifelt versucht, das Dahinscheiden der Vorgängerin zu klären, denn einer aus dem Team muss der Täter sein und könnte wieder zuschlagen.

Viktoria Platowa, die als bedeutendste Newcomerin am russischen Krimimarkt gilt, hat in ihrem neuen Roman "Die Diva vom Gorki-Park" ihre sehr persönlichen Erfahrungen mit der Filmbranche hinein gepackt. Die Absolventin des Moskwiter Filminstituts siedelt ihre Protagonistin in einer Welt vor und hinter den Spotlights an, in der es vor abgedrehten Typen nur so wimmelt. Bei der Person der Eva muss man unwillkürlich an Luc Bessons Film "Nikita" (1989) denken, in dem Anne Parillaud die unfreiwillige Agentin mimte.

Olga Kouvchinnikova und Ingolf Hoppmann haben den im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienen Reißer mit Bravour übersetzt. Schon von der ersten Seite an bringen sie Platowas schreiberische Kraft voll zum Erblühen und die Autorin hat nicht nur die szenische Gestaltung zum Teil richtig düster angelegt, sondern auch ihren Hauptpersonen viel Platz zur persönlichen Entfaltung gestattet, so dass der Leser von einem Kapitel zum nächsten ständig auf neuer Tätersuche ist.

Da auch der Ausgang des Krimis perfekt (für das Fernsehen ?) inszeniert ist, wird dem Krimifreund auf den 355 Seiten nie langweilig. Die Spannung erreicht zwar nicht die Dichte amerikanischer Thriller, kann dafür aber mit weit mehr Lokalkolorit und gelegentlichem, teils sehr schwarzem, Humor aufwarten. Man muss wirklich bedauern, dass man die Eva aus der russischen Fernsehserie hierzulande nicht zu Gesicht bekommt, um sich ein Bild machen zu können, wie Frau Platowa ihre Vorstellungen optisch umgesetzt hat. Auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung für einen Roman, der sich hinter den anderen russischen Veröffentlichungen des Genres aus den letzten Monaten nicht verstecken muss.

Die Diva vom Gorki-Park

Viktoria Platowa, Aufbau

Die Diva vom Gorki-Park

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