Hundstage für Beck

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 400 Seiten

- Bd. 1 [Nick Beck]

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Thomas Gisbertz
Gelungener Start einer neuen Krimireihe

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jul 2021

Der ehemalige LKA-Ermittler Nick Beck lässt sich nach einem traumatischen Einsatz in die Provinz nördlich von Hamburg versetzen. Der Alkohol ist sein bester Freund, mit dem er versucht, seine Dämonen wenigstens für einige Zeit zu verdrängen. Als er eines Nachts betrunken auf einer einsamen Landstraße eine junge Frau überfährt, die nur mit einem BH bekleidet ist, lässt er die Leiche in Panik verschwinden. Doch bald wird ihm klar, dass die Schäden an seinem Auto nicht darauf hindeuten, dass er die Frau wirklich überfahren hat; sie muss schon tot auf der Straße gelegen haben. Nur was ist passiert? Kurzerhand platziert Beck die Leiche so, dass sie gefunden wird...

Suche nach Vermissten

Gleichzeitig wird Cleo Torner vom LKA Hamburg aus Gründen des Mutterschutzes in die Abteilung für regionale Kriminalitätsbekämpfung versetzt. Dieser Schreibtischjob mag der taffen Ermittlerin gar nicht schmecken. Ihr erster Fall ist eine Vermisstenanzeige: Klaas Monecke, Inhaber eines überregionalen Fleisch- und Wurstimperiums, vermisst seine Nichte Fanny, die nach einer Fete spurlos verschwunden ist. Zusammen mit Nick Beck, der sie bei den Ermittlungen unterstützen soll, versucht Cleo Torner, dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Beck muss erkennen, dass er die vermisste Fanny bereits kennt: Sie ist die junge Frau, die er überfahren hat ...

Neue Krimireihe

Tom Voss ist das Pseudonym eines deutschen Bestsellerautors, der bereits zahlreiche Krimis und Thriller geschrieben hat. Im Fischer Verlag hat er als Pierre Lagrange die bisher sechsteilige Provence-Krimi-Reihe mit dem liebenswerten Commissaire Albin Leclerc und seinem Mops Tyson veröffentlicht.

Voss' neue Krimi-Reihe spielt im Norden von Hamburg. Im Dezember erscheint mit Eiszeit für Beck  bereits der zweite Band um das Ermittlerduo Nick Beck und Cleo Torner.

Düstere Vergangenheit

Der ehemalige LKA-Ermittler Nick Beck leidet unter einem Trauma: Seine Kollegin Betty Duschkow kam bei der Verfolgung des perfiden „Elbrippers“ ums Leben. Immer und immer wieder hört Beck, wie Bettys Körper aus dem dritten Stockwerk auf ein Autodach kracht. Für den Ermittler bricht eine Welt zusammen, da Duschkow nicht nur eine gute Kollegin, sondern zuletzt auch seine Geliebte war. Beck lässt sich deswegen als „Dorfbulle“ aufs Land versetzen. Seit nunmehr einem Jahr ertränkt er seinen Kummer fast täglich im Alkohol. Beck, der in einem angemieteten Fremdenzimmer neben einer Tankstelle wohnt, vegetiert - jeglicher Lebensfreude beraubt - regelrecht vor sich hin. Er lässt sich vollkommen gehen und legt keinen Wert mehr auf Körperpflege. Beck ist ein wortkarger, introvertierter Typ. Gleichzeitig gilt er aber als hervorragender Ermittler, der einen guten Spürsinn besitzt und einst großes Ansehen beim LKA genoss.

Starkes Ermittlerteam

Cleo Torner und vor allem der aktuelle Fall scheinen in Beck nun nach und nach wieder die Lebensgeister zu wecken. Da der Ermittler unfreiwillig in die Ereignisse um die ermordete Fanny verwickelt ist und er unter allen Umständen vertuschen muss, dass er das Opfer im betrunkenen Zustand überfahren und den Leichnam zunächst versteckt hat, bleibt ihm keine andere Wahl: Er muss den Täter überführen und gleichzeitig alle Hinweise, die auf ihn deuten, beseitigen.

Seine neue Kollegin, Kriminalhauptkommissarin Christin Torner, die seit der Schulzeit nur Cleo genannt wird und gerade erst von einer Fortbildung aus den USA zurückkehrt ist, wird unfreiwillig vom Amt für Rauschgift und Organisierte Kriminalität ins LKA 1 versetzt. Der Grund: Die Ermittlerin ist schwanger und soll weder sich noch ihr ungeborenes Kind in Gefahr bringen. Als sich der Vermisstenfall der jungen Fanny als Tötungsdelikt entpuppt, bedrängt sie ihre neue Vorgesetzte aber erfolgreich, beim Ermittlungsteam bleiben zu dürfen, da die Spur unter anderem auch ins Drogenmilieu führt.

Hundstage und ihre Folgen

Der Roman lebt von seiner ganz eigenen Atmosphäre: Die Schwüle einer extremen Hitzewelle hängt seit einigen Wochen über Deutschland. Allabendlich entladen sich heftige Gewitter und gewaltige Regengüsse. Die Ermittler haben nicht nur mit dem Fall, sondern auch mit den Witterungsbedingungen zu kämpfen. Alle scheinen gereizt und wenig belastbar zu sein; schlafen kann kaum einer. Spannungen liegen spürbar in der Luft. Leider bleibt das Besondere des Landlebens und deren Bewohner im ersten Teil der Reihe noch etwas auf der Strecke. Dafür bietet der Autor ein großes Spektrum an interessanten, vielschichtigen Figuren. Vor allem die junge Lola, die ihr Geld an der Kasse der Tankstelle verdient, nimmt mit ihrer besonderen Art einen Großteil der Nebenhandlung ein.

Kurzweilige Handlung

Zwar trägt Tom Voss vielleicht bei der Darstellung des traumatisierten Nick Beck etwas zu dick auf, dennoch gelingt ihm ein durchweg spannender Krimi, der mit so mancher Überraschung aufwartet. Auch wenn der Beginn der Handlung noch zu sehr nach Schema F konstruiert wirkt und ein traumatisierter, alkoholabhängiger Ermittler nun wirklich nicht neu ist, sympathisiert man schnell mit dem Protagonisten und seiner Kollegin Torner. Allerdings würde man sich wünschen, dass es zwischen beiden auch zu Konflikten oder Uneinigkeit bei der Ermittlungsarbeit kommt. Bis auf nächtliche „Taxidienste“, die Torner für Beck zähneknirschend übernimmt, läuft der erste gemeinsame Fall doch recht reibungslos ab. Noch dominiert Nick Beck darüber hinaus das Geschehen noch zu sehr und stellt Hauptkommissarin Torner klar in den Schatten.

Fazit

Tom Voss gelingt ein äußerst kurzweiliger Start seiner neuen Krimi-Reihe um das Ermittlerteam Beck / Torner. Besonders die Idee, dass der gefallene LKA-Ermittler phasenweise gegen sich selbst ermitteln muss, ist überzeugend umgesetzt. Ein atmosphärisch dichter Roman, der bereits jetzt Freude auf den zweiten Band macht. Hitze, Schwüle, Spannung: Die richtige Krimiunterhaltung für den Sommer.

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