Mohnblumentod

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

- OT: Beatrice

- aus dem Schwedischen von Sabine Thiele

- Bd. 3 [Charlie Lager]

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Carola Krauße-Reim
Zu viele persönliche Probleme überlagern den Fall

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2021

Lina Bengtsdotter hat mit ihrer Charlie-Lager-Serie die Bestsellerlisten erobert. Jetzt liegt mit „Mohnblumentod“ der dritte Band vor und wieder lässt die Autorin tief in menschliche Abgründe blicken.

Ein Baby verschwindet

Charlie Lager wird nach Karlstad gerufen: ein wenige Monate altes Baby wurde entführt. Die sehr wohlhabenden Eltern sind bereit jede Summe zu zahlen um ihr Kind wieder zu bekommen, doch eine Lösegeldforderung bleibt aus. Alle Spuren laufen ins Leere, doch dann gräbt die brillante Stockholmer Kommissarin tiefer und findet einen Ansatzpunkt - und der hat ausgerechnet mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun, die sie so gerne vergessen würde.

Sara und Charlie

Wer die Vorgänger zu „Mohnblumentod“ gelesen hat, kennt Sara, das Mädchen aus Charlies Heimatort Gullspång. Jetzt befindet sich Sara in einer Einrichtung für Jugendliche mit Schwierigkeiten. Bengstdotter lässt sie immer wieder aus der Ich-Perspektive von ihrem Leben dort erzählen. Sara freundet sich mit einigen anderen Mädchen an und realisiert bald, dass hier jede ein eigenes Päckchen zu tragen hat. Charlie hingegen kämpft um das Leben der kleinen Beatrice, die einfach nicht auffindbar zu sein scheint. Dabei geht sie gewohnt gewissenhaft vor; sie wäre aber nicht Charlie Lager, wenn nicht ihre persönlichen Probleme und ihr sperriger Charakter ihr immer wieder Probleme bereiten würden.

Die beiden Erzählstränge werden erst ganz zum Schluss zusammengeführt, was gemeinsam mit den Wendungen und immer neuen Erkenntnissen die Spannung hochhält. Jedoch wirkt das Finale verkrampft und konstruiert, da es scheinbar unbedingt wieder einen Bogen zu Charlies ungewöhnliche Vergangenheit bieten muss. Doch das Ende ist für alle mehr als tragisch, in seinem Kern durchaus auch logisch und lässt viel Raum für weitere Krimis rund um Charlie Lager.

Überall menschliche Abgründe

Wie schon in den ersten beiden Bänden der Serie, scheint Lina Bengtsdotter auch dieses Mal sehr viel Wert auf die sozialen Schwierigkeiten in Schweden und vor allem auf die persönlichen Probleme ihrer Protagonisten zu legen. Dass dabei der eigentliche Fall etwas untergeht und die Ermittlungen manchmal den Anschein haben, nur als Aufhänger genutzt zu werden, muss man als Leser wohl in Kauf nehmen, was aber schade ist, denn man möchte ja einen Thriller lesen und keine Sozialstudie. Die Autorin schafft es dennoch Spannung aufzubauen und zu halten, doch die Ausschweifungen zu Charlies persönlichen Problemen sind etwas zu zahlreich und ausführlich. Die ungewöhnliche Kindheit der Kommissarin ist schon zur Genüge abgehandelt. Dass sie selber sagt, in eine liebevolle Pflegefamilie aufgenommen worden zu sein und trotzdem regelrecht zwanghaft an ihrer Vorgeschichte krankt, ist wenig plausibel und dominiert die Ermittlungen zu sehr.

Die wiederum machen auf andere Schwierigkeiten der schwedischen Gesellschaft aufmerksam, die schon lange ihr Bilderbuchimage verloren hat. Hier hat jeder ein Geheimnis: Drogen, Prostitution, die Vernachlässigung in manchen Familien und die Probleme von Migranten werden thematisiert. Jedoch hätte eine Konzentration auf die eigentliche Polizeiarbeit der Geschichte gutgetan, denn die Suche nach der kleinen Beatrice geht zu sehr unter in Charlies Ausschweifungen und den Abgründen, die sich während der Ermittlungen auftun.

Fazit

Ein typischer Charlie-Lager-Thriller – spannend und voll von Problemen. Es wäre gut die Vorgänger zu kennen, um die Hintergründe zu wissen, denn die persönlichen Schwierigkeiten der Kommissarin dominieren wieder den Fall, der aber selbst auch genügend Konfliktpotential hat. Lina Bengstdotter ist wieder ein guter Thriller gelungen, der auf weitere Bücher mit Charlie Lager hoffen lässt, die sich dann allerdings mehr um die Ermittlungen und weniger um Charlies komplizierte Vergangenheit drehen sollten.

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