Der tote Priester

  • Lübbe
  • Erschienen: Februar 2022

- OT: False Prophets

- aus dem Englischen von Rainer Schumacher

- Broschur, 544 Seiten

- Bd. 2 [Jigsaw Man]

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Marcel Zenk
50°

Krimi-Couch Rezension von Marcel Zenk Jun 2022

Schauriges London

In einer kleinen Londoner Kirche wird der Pastor Caleb Annan brutal ermordet. Im Nebenraum liegt ein angeketteter, halbtoter junger Mann. Er wurde gequält, das sieht Detective Inspector Anjelica Henley sofort. Warum wurde der Pastor ermordet? Und hat er etwas mit dem eingesperrten jungen Mann zu tun? Als Henley und ihre Serial Crimes Unit nach Antworten suchen, stößt sie auf immer mehr Leichen. Zieht ein religiöser Serienmörder durch die Stadt?

Ein Thriller mit 573 Seiten

Ich habe mir mal ein Buch von Nadine Matheson gegriffen, weil sie die Kriminalwelt als Strafverteidigerin in London kennt. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Juristen für gewöhnlich gut schreiben können. Das hat sich bei diesem Buch auch wieder bestätigt, trotz Übersetzung ins Deutsche. Der Schreibstil ist nicht zu beanstanden.

Der Rest des Thrillers konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Ich kann nicht genau sagen, woran das gelegen hat. Das erste Drittel des Buches ist sehr spannend und ich fühle mich sehr in die Ermittlungstätigkeit eingebunden. Ich kann miträtseln, jedes kleinste Detail wird beschrieben und analysiert, ob es die Leichen in der Rechtsmedizin oder die Spuren am Tatort sind. Danach verliere ich mich etwas im Erzählstrang und mir wird das Buch zu langatmig. Dieser Thriller mit 573 Seiten, der sich fast ausschließlich mit den Mordermittlungen befasst, hat mich am Ende erschlagen.

Nebenplots werden vernachlässigt

Ich muss der Autorin lassen, dass der Plot logisch ist und einen roten Faden hat. Das Ende ist mir aber eindeutig zu kurz, bei der Auflösung hat mir die Spannung gefehlt. Ich habe gespürt, wie Matheson das Buch etwas zwanghaft beenden wollte und dies zulasten der Lesequalität ging. Ganz davon abgesehen, haben die unzähligen Dialoge eine atmosphärische Spannung nahezu unmöglich gemacht.

Die Nebenplots sind thematisch interessant. Es geht einerseits um die Hauptdarstellerin Henley, die zuvor ihre Mutter verloren hat und von einer vorherigen Ermittlung von Traumata und Albträumen heimgesucht wird. Andererseits geht es um Michelle, die Frau ihres Kollegen Ramouter, die präsenile Demenz hat. Leider schafft es Matheson nicht, diese Nebenplots spannend zu gestalten. Es wirkt so, als hätte sie die Nebenplots nur deshalb erschaffen, weil sie zu einer Geschichte eben dazugehören und nicht, weil sie dem Leser damit zusätzlich Abwechslung und Spannung bieten will.

Fazit

Starke Nerven und einen langen Atem solltest Du für diesen brutalen Thriller mit blutrünstigen Szenen mitbringen.

Wer gerne bei Mordermittlungen miträtselt und auf Nebenplots keinen großen Wert legt, der greift zu diesem Buch und wird nicht enttäuscht werden. Wer nach einem geradlinigen, knappen Thriller mit handfesten und solide ausgebauten Nebenplots sucht, dem wird etwas fehlen.

Der tote Priester

Nadine Matheson, Lübbe

Der tote Priester

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