Wo die Dunkelheit beginnt

  • Droemer
  • Erschienen: Januar 2022

- TB, 320 Seiten

Wo die Dunkelheit beginnt
Wo die Dunkelheit beginnt
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Carola Krauße-Reim
60°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2022

Mehr Beziehungsroman als Krimi

Ava Sandström ist das Pseudonym eines deutschen Ehepaares, das gerne und viel reist und diese Urlaubsorte mit den dazugehörigen Erlebnissen in seine Romane einbaut. In „Wo die Dunkelheit beginnt“ entführen sie uns nach Spitzbergen während der Polarnacht.

Martin fremdelt noch mit Spitzbergen

Der Biologe Martin van der Zaar ist vor dem Rosenkrieg mit seiner Noch-Ehefrau nach Spitzbergen geflohen. Doch auch hier fühlt er sich nicht wirklich wohl. Die ständige Dunkelheit während der Polarnacht, die Einsamkeit der Siedlungen und die Herausforderungen des engen Miteinanders in der Uni sind dem introvertierten Mann fast zu viel. Doch dann lernt er Rebecca kennen, die Hundeschlittenfahrten durch die unendlichen verschneiten Weiten betreut. Doch Rebecca scheint ein Geheimnis zu haben und dann wird jemand tot aufgefunden.

Leichte Lektüre mit viel Beziehungsgeflüster

Martin will Distanz zur Fast-Ex und poltert gleich wieder in die nächste Beziehung; Rebecca will eigentlich keine Beziehung und kann sich dann doch nicht zurückhalten; Trine findet den neuen Arzt ganz attraktiv; Dimitri hat Probleme mit Sanne… das ist nur einiges an Beziehungsgeflüster aus dem Buch.

Die ganze Handlung fußt auf den zwischenmenschlichen Problemen und Wünschen. Was durch differenzierte Charaktere vielleicht noch zu einer relativ anspruchsvollen Geschichte hätte werden können, verliert sich in wenig aussagekräftigen Dialogen und einer Figurenzeichnung, die nicht über Klischees hinauskommt. Martin ist ein Wissenschaftler, wie man ihn sich vorstellt – introvertiert, vergesslich und leicht verschusselt putzt er sich unablässig die Brille, wenn es stressig wird. Dimitri ist das wandelnde Klischee eines Russen – ohne Wodka geht nichts und illegale Geschäfte gehören zum Lebensinhalt; und Trine verkörpert den Typus „anpackende Frau“, die fast nichts erschüttern kann. Selbst die Dekanin der Uni wandelt auf den Spuren der Karrierefrauen, die über Leichen gehen und ihre Macht auch gerne in amourösen Dingen ausüben würden.

Wer darüber hinaus einen Krimi mit durchgehend atemraubender Spannung erwartet, ist hier eindeutig falsch. Zwar ist für diese halbwegs gesorgt - allein schon die Frage nach Rebeccas Geheimnis und die tot in Longyearbyen aufgefundene Person generieren sie, doch das Geheimnis lässt sich relativ schnell erahnen und der mysteriöse Tod entpuppt sich als eine fast zu vernachlässigende Nebenerscheinung. Alles in allem ergibt sich daraus eine leichte Lektüre, die auch durch ihren Stil nicht viel Anspruch an den Leser stellt, aber durch einen Aspekt enorm punkten kann – die Atmosphäre auf Spitzbergen während der Polarnacht.

Ein Roman mit viel Atmosphäre

„Ava Sandström“ hat die Inselgruppe im Nordpolarmeer während der dunklen Jahreszeit kennen gelernt – und das merkt man. Fast schon greifbar haben sie die Atmosphäre dieses nördlichsten menschlichen Außenpostens kurz vor dem Nordpol eingefangen. Auf einer Insel, auf der es mehr Eisbären als Menschen gibt, ist Isolation genauso ein Thema, wie zwischenmenschliches Miteinander.

Glaubhaft und eindrücklich wird das Leben in der kleinen Gemeinde aus internationalen Glücksrittern in Lonyearbyen geschildert. Hier hat jeder ein Geheimnis, hierher kommt keiner versehentlich und keiner bleibt länger. Die greifbare Intimität des Ortes wird ergänzt durch Landschaftsbeschreibungen, die unweigerlich das Kopfkino in Gang setzten – die ständige Dunkelheit, das tanzende Polarlicht am Himmel, die ohrenbetäubende Stille, gleich hinter Longyearbyen, und nicht zuletzt die unglaubliche Kälte sind so wirklichkeitsnah geschildert, dass man sie sich sehr gut vorstellen kann.

Fazit

„Wo die Dunkelheit beginnt“ ist mehr Beziehungsroman als spannender Krimi, punktet jedoch durch die realistisch geschilderte Atmosphäre auf Spitzbergen während der eisigen Polarnacht. Wer schon einmal dort war, will unweigerlich bereits während der Lektüre wieder hin und, wer dieses Fleckchen Erde noch nicht kennt, bekommt bestimmt Lust es zu erkunden. Da verzeiht man dem Autorenpaar die relativ anspruchslose Geschichte mit nur marginaler Spannung sofort.

Wo die Dunkelheit beginnt

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