Die dunkle Stille des Waldes

Erschienen: August 2021

Bibliographische Angaben

- OT: N.N.

- aus dem Englischen von Katharina Naumann

- TB, 384 Seiten

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Carola Krauße-Reim
Wenig spannender Versuch des Psychogramms einer elitären Gemeinschaft

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Sep 2021

Nalini Singh ist in Fidschi geboren und in Neuseeland aufgewachsen, wo sie auch heute wieder lebt und arbeitet. Bekannt geworden ist sie vor allem durch ihre romantischen Fantasy-Geschichten, doch mit „Die dunkle Stille des Waldes“ hat sie sich wieder einmal an einen Thriller gewagt.

Eine verschwundene Frau taucht wieder auf

Vor zehn Jahren verschwand die schöne und reiche Nina Rai spurlos und mit ihr eine Menge Geld. Die Polizei legte den Fall schnell zu den Akten, denn nur Ninas Sohn Aarav glaubt, dass seiner Mutter etwas geschehen ist, nachdem ihrem Verschwinden ein lautstarker Streit mit ihrem Mann vorausging, der zudem in einem Schrei seiner Mutter endete. Doch Nina bleibt verschwunden – bis ihre Knochen in ihrem Auto gefunden werden, verborgen durch das dichte Grün des Waldes und gehüllt in die Kleidung, die sie am Tag ihres Verschwindens trug.

Unterschiedlich und dennoch merkwürdig uninteressant

Personen gibt es in diesem Thriller wahrlich genug, denn sie bilden das Gerüst bei der Suche nach dem Mörder von Nina. Die ganze Breite elitärer Bewohner der festungsartigen Reichen-Siedlung kommt vor – vom alternden Rockerpaar bis zum schnöseligen Anwalt mit ebensolcher Ehefrau. Sie sind definitiv sehr unterschiedlich und erscheinen dennoch merkwürdig uninteressant, selbst Aarav als Protagonist bildet da keine Ausnahme. Alle haben lediglich eine klischeehafte Eigenschaft, die sie charakterisiert, was sie wenig glaubhaft erscheinen lässt. Die Autorin kratzt nur an den Oberflächen, macht aus Namen keine Persönlichkeiten und verhindert damit eine Bindung der Leserschaft an die Geschichte.

Im Fall von Aarav wird zudem eine Person ohne jede Einführung zum erzählenden Protagonisten. Er befindet sich in einer körperlichen und emotionalen Ausnahmesituation, die aber nicht erklärt wird und auch im Verlaufe des Geschehens nur auf sehr kryptische Art ans Tageslicht kommt. Er wird auf den egoistischen und reichen Bestsellerautor reduziert, der scheinbar Gedächtnisausfälle hat und den Tod seiner Mutter aufklären will. Durch seine Erinnerungen wird selbst sie zur Unsympathin, die berechnend austeilen kann und auch nicht davor zurückschreckt, ihren Sohn als Mittel der Macht gegen ihren ungeliebten Mann einzusetzen. All das hätte einen durchgehend spannenden Thriller abgeben können, doch die Chance hat Singh leider verpasst.

Die Ich-Perspektive ist hier ein Spannungs-Killer

Nur zu Aaravs Gedanken- und Gefühlswelt bekommen wir direkten Zugang - er erzählt die Geschichte aus seiner Sicht.

Bei allen anderen Personen – und davon gibt es mehr als genug – kann sich deren Motivation lediglich aus ihren Aktionen und Reaktionen erschließen, was sie noch einmal mehr zu kaum zu fassenden Statisten werden lässt. Und selbst bei der Person Aarav wird der/die Leser/in hin und her geworfen. Seine Gedächtnislücken, die er nach und nach als solche erkennt und zu schließen versucht, könnten ihn zu einer äußerst interessanten Person werden lassen, deren Emotionen gehörig Spannung erzeugen könnten – doch die Aufarbeitung des Vergessenen ist so wirr und teilweise unrealistisch wieder gegeben, dass kein Spannungsbogen entstehen kann.

Lediglich die, wenn auch sehr pauschalisierten, Verknüpfungen der einzelnen Bewohner der Siedlung binden den Leser noch an die Geschichte und die teilweise atmosphärisch dichte Schilderung der undurchdringlichen Vegetation in Neuseelands Wildnis. Die Erzählung dreht sich im Verlauf immer mehr im Kreis und auch durch die wenigen unspektakulären Wendungen weisen kaum Fortschritt auf. Die Autorin verliert sich in zu vielen Nebendetails, wie eingestreuten völlig nichtigen Therapiegesprächen, und nichtssagenden Dialogen und zieht damit das Geschehen in die Länge. Die Auflösung ist dann leider so unglaubwürdig, dass man den Triller schon vergisst, sobald man die letzte Seite gelesen hat.

Fazit

„Die dunkle Stille des Waldes“ ist ein spannungsarmer Mainstream-Thriller aus Neuseeland, der leider weder durch seinen Plot, noch durch seine Charaktere überzeugen kann. Nalini Sigh schafft es nicht, den Leser an die Geschichte zu binden, die man lesen kann, aber nicht lesen muss und, die einem garantiert nicht den Schlaf raubt.

Die dunkle Stille des Waldes

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