Horvath und die verschwundenen Schüler

  • Knaur
  • Erschienen: August 2021

- TB, 304 Seiten

- Bd. 2 [Lehrer Horvath ermittelt]

Horvath und die verschwundenen Schüler
Horvath und die verschwundenen Schüler
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Sabine Bongenberg
70°

Krimi-Couch Rezension vonOkt 2021

Manchmal ist weniger dann doch mehr

Gregor Horvath könnte manchmal selbst ohne mit der Wimper zu zucken, einen Mord begehen – nämlich dann, wenn ihn die Eltern seiner Schüler bei Antritt der Klassenfahrt mit den Worten „Naaaaaa, wieder drei Tage bezahlten Urlaub…“ begrüßen. Aber Horvath trägt es wie ein Mann. Er trägt auch, dass die zweite Lehrerbegleitung die – hüstel – labile Religionslehrerin Maria Götz ist, dass die Hütte am Popo der Welt liegt und dass sich dort schon ein paar eigenartige Gestalten eingenistet haben. Eines kann Horvath aber auf den Tod nicht leiden: Wenn sich die Zahl seiner Schüler plötzlich dezimiert, wenn andere ihnen schaden wollen oder – noch schlimmer – auch die zu Hilfe gerufene bezaubernde Kripobeamtin Betty Deville nicht so recht weiter weiß. Dann fährt Gregor Horvath zu Topform auf!

Ein bisschen Schadenfreude ist mit dabei

Marc Hoffmann schickt seinen Helden Gregor Horvath im zweiten Band seiner kriminellen Abenteuer auf Klassenreise und damit in das klassische Drama um eine Hütte, die nur über einen Schlammpfad zu erreichen ist, bei der kein Internet funktioniert und sich die Schülerinnen und Schüler tatsächlich nur mit den guten alten Gesellschaftsspielen ablenken können. Allein bei dieser Reisebeschreibung dürfte sich ein Großteil der Leser feixend zurücklehnen und sich an den Szenen freuen, wie die Kids, die es offensichtlich heute kaum mehr als eine Minute ohne ihr Handy aushalten, verzweifelt versuchen ins Netz zu kommen und Wünschelrutengängern gleich die Umgebung erwandern.

Hoffmann, als Lehrer eines Gymnasiums nah dran an diesem Geschehen, kann hier mit witzigen Beschreibungen punkten. Oft gelingt das auch bei anderen kleinen Episoden im Lehrer-Schüler-Verhältnis. Leider ist das aber nur die halbe Miete, denn bei einem Krimi geht es nun auch noch darum, die eine oder andere Untat anschaulich zu beschreiben und - idealerweise - aufzulösen. Um es vorweg zu nehmen: Bei diesem Strang wurde das Klassenziel nicht so ganz erreicht.

Nach dem gelungenen Auftakt um den ersten Fall des Lehrers Horvath überrascht es vielmehr, dass im zweiten Band gleich verschiedene Verbrechen herangezogen werden müssen. Sie bilden irgendwann einen verwirrenden Einklang, bei dem der Leser entweder nicht mehr versteht, wer was mit wem zu tun hat oder das doch tut und es ganz schnell wieder vergisst.

Lehrer Horvath stolpert durch eine Vielzahl eigenartiger Vorkommnisse, kann es sich dabei aber kaum verkneifen, permanent Gedichte zu zitieren und scheint es auch eher locker zu nehmen, dass Schüler, die unter seiner Obhut stehen mal eben verschwinden. Ich dachte ja immer, dass dann sofort die Eltern zu verständigen seien, aber als Kinderlose muss ich davon ja nicht unbedingt eine Ahnung haben. Als zu stark überzeichnet fand ich auch die Gestalt seiner Lehrerkollegin, die natürlich überhaupt nichts auf die Kette bekommt und Horvath die ganze Arbeit aufhalst und ihr späterer – phönixgleicher – Aufstieg. Das war doch ein bisschen zu viel.

Fazit:

Marc Hoffmann kann lustige und spannende Geschichten über das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern erzählen. Aber so wie ein Weinglas möglicherweise immer halb voll oder halb leer ist, so ist das nur (oder schon) die halbe Miete, wenn es um einen Krimi geht. Der muss dann auch noch gut und stimmig erzählt werden und das ist für meinen Geschmack hier nicht so recht gelungen. Dennoch – möglicherweise war das nur ein Ausrutscher, der nicht vollkommen die Versetzung gefährdet und so bleibt die Hoffnung, dass im nächsten Krimi nicht nur witzig und gelungen aus der Schule geplaudert, sondern auch ein runder Krimi präsentiert wird.
 

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