Die Verlorenen

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

- OT: The Lost

- aus dem Englischen von Sabine Längsfeld & Karen Witthuhn

- HC, 416 Seiten

- Bd. 1 [Jonah Colley]

Couch-Wertung:

60°
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Carola Krauße-Reim
Ein Thriller, der die Leserschaft spalten könnte

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2021

Jonah Colley, Mitglied einer Spezialeinheit der Londoner Polizei, hat von seinem Freund Gavin jahrelang nichts gehört. Jetzt erhält er eine Nachricht von ihm, in der er um ein Treffen am Slaughter Quay gebetten wird. Doch dort erwarten Jonah vier Leichen, darunter auch Gavin. Jonah wird in einen Strudel gezogen, der bald auch seine Vergangenheit berührt – vor zehn Jahren ist sein Sohn angeblich im Fluss ertrunken, doch sein Leichnam wurde nie gefunden.

Eine neue Reihe vom Erfolgsautor Beckett

Simon Beckett ist unter Thriller-Lesern wahrlich kein Unbekannter. Mit seiner Serie rund um den forensischen Anthropologen David Hunter hat er sich viele Fans erworben. Spannung, gute Plots mit einem gelungenen Protagonisten und ein treffsicherer Schreibstil sind die Merkmale dieser Serie. Deshalb war ich sehr gespannt, ob die neue Reihe mit Jonah Colley da mithalten kann.

Ein gebeutelter Protagonist in einem konstruierten Plot

Jonah hat es wahrlich nicht leicht – der Leser aber auch nicht. Während Jonah ein um das andere Mal übelst Prügel einstecken muss, bekommt es der Leser mit einem konstruierten, unrealistischen und unlogischen Plot zu tun. Hier scheint Beckett, ganz unüblich, ein bisschen die Fantasie ausgegangen zu sein, denn trotz einiger Twists lässt sich erahnen, wo der Hase hinläuft. Die anfangs gehörig geschürte Spannung, ebbt bald ab und macht einer Geschichte Platz, die man so schon oft gelesen haben könnte und daher vielleicht einigen zu offensichtlich erscheint. Mit Rückblicken in die Zeit vor zehn Jahren als Jonahs Sohn Theo verschwand und die Freundschaft mit Gavin ein abruptes Ende nahm, komplettiert der Autor diesen Thriller und baut gleichzeitig die Figur Jonah Colley für weitere Bände der Serie auf.

Wie geht es weiter mit Jonah Colley?

Selbst bei der Figurenzeichnung ist Beckett dieses Mal nicht über die Trivialität hinausgekommen. Jonah Colley ist ein gebeutelter Mensch – Sohn verschwunden; Frau weg; bester Freund entpuppt als wenig loyal und seine Wohnung ist auch nicht der Renner. Das ist alles noch nachvollziehbar, aber das Jonah Massen an brutalsten Prügeln, wie ein (verletztes) Stehaufmännchen wegsteckt ist schon sehr dem konstruierten Plot geschuldet. Wenn er dann auch noch als Polizist ein um das andere Mal absolut unrealistisch reagiert, tut Beckett seinem Protagonisten (und seinen Lesern) damit keinen Gefallen. Und auch die anderen Figuren sind Extreme ihrer Selbst: der arrogante Inspektor mit seiner unterkühlten Mitarbeiterin; die dumm-schnöselige Exfrau; die Journalistin, die gerne investigativ sein will und zum Schluss natürlich Gavin - aber wie plakativ der tickt wird hier nicht verraten. Im besten Fall kann man diesen ersten Thriller der Serie als Einführung eines, im doppelten Sinn, verletzten Protagonisten sehen, der in den folgenden Bänden auf jeden Fall kein Polizist mehr sein wird. Doch was macht er dann? Das wird nur angedeutet und wird wahrscheinlich in Richtung des verschwundenen Theo gehen, denn hierzu werden in „Die Verlorenen“ genügend Spuren gelegt. Man sollte, trotz eventueller Enttäuschung, der Reihe eine Chance geben, denn auch Erfolgsautoren dürfen mal ein schlechtes Serien-Debüt haben, sollten dann aber spätestens im zweiten Band liefern.

Fazit

Während Simon Beckett eigentlich als Garant für anspruchsvolle Thriller gilt, ist er in „Die Verlorenen“ nicht über den Mainstream hinausgekommen und kratzt sogar gewaltig an der höchstmöglichen Trivialität. Fans der David-Hunter-Reihe könnten enttäuscht sein. Wer aber einen anspruchslosen Thriller für zwischendurch sucht und auf Logik und realistische Charaktere verzichten kann, findet hier eventuell das richtige Lesefutter. Allen anderen bleibt die Hoffnung auf den zweiten Band der neuen Serie.

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