Schneewittchen schläft

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

- OT: The Other People

- aus dem Englischen von Marcus Ingendaay

- TB, 480 Seiten

Couch-Wertung:

75°
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Carola Krauße-Reim
Thriller mit mystischem Touch

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2021

Gabe ist spät dran – zu Hause warten Frau und Tochter mit dem Essen - und dann kommt er auch noch in einen Stau. Als er das mit schlauen Sprüchen voll geklebte Auto vor ihm betrachtet, taucht auf einmal der Kopf seiner kleinen Tochter Izzy hinter der Heckscheibe auf. Das ist das letzte Mal, dass er sie sieht, denn an diesem Tag werden sie und ihre  Mutter ermordet. Doch Gabe kann nicht an ihren Tod glauben und gibt die Suche nach Izzy nicht auf. Nach drei Jahren bekommt er endlich einen Hinweis, der weitreichende Ereignisse in Gang setzt. Auch Fran und ihre Tochter Alice finden keine Ruhe. Sie sind auf der Flucht vor „den Männern“, denn Fran weiß was damals wirklich passierte. Doch mit diesem Wissen schweben die beiden in großer Gefahr. 

Eine phantasiebegabte Autorin

„Schneewittchen schläft“ ist der dritte Thriller der englischen Autorin C.J. Tudor. Von ihrem Debüt „Der Kreidemann“ war ich ganz begeistert – ein Kind als Protagonist, Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit und ein genial konstruierter Plot garantierten Spannung von vorne bis hinten. Dementsprechend groß war meine Vorfreude auf dieses Buch, vor allem weil auch hier etwas Geheimnisvolles vorgeht. Doch leider wurde ich enttäuscht, denn das gezwungen Mystische verhindert in diesem Fall einen logischen Plot und nimmt damit sehr viel Spannung aus der Geschichte, die auch ohne den Schnick-Schnack genügend Potential gehabt hätte.

Unlogik beherrscht die Geschichte

C.J. Tudor hat dieses Mal einen weniger raffinierten, als viel mehr wirren Plot abgeliefert. Die Logik bleibt dabei mindestens so oft auf der Strecke, wie die Realität. Hier wurde einmal mehr das Darknet als Quelle alles Bösen bemüht; geheime Organisationen bedrohen das Leben von so Manchem; geheimnisvolle Männer tauchen auf und vor allem gehen hinter Spiegeln Dinge vor, die sich nun wirklich nicht erklären lassen. Das hört sich spannend an, ist es auch streckenweise, doch viel zu oft holt die Realitätsferne den Leser aus der Geschichte und wieder auf den Boden der Wirklichkeit, in der Spiegel einfach Spiegel sind und nicht jeder irgendein entsetzliches Geheimnis mit sich herum trägt. Wenn man bereit ist, den Thriller als eine Art Märchen ohne jeden Realitätsbezug und mit wenig Logik zu sehen, darf man maximale Spannung erwarten, ansonsten könnte das Kopfschütteln überwiegen.

Wer macht denn so was?

Nach und nach kristallisieren sich die Hintergründe für Gabes Verlust heraus. Doch damit hat er mehr als ein Problem an der Hacke, das es zu lösen gilt. Tudor schafft es gut diesen Vater zu charakterisieren, der verzweifelt seine Tochter sucht und dabei auch noch ein anderes Dilemma bewältigen muss. Auch Kellnerin Katie ist gut getroffen: alleinerziehende Mutter, immer unter Druck, immer im Stress und dennoch um ihre beiden Kinder bemüht. Doch schon bei Fran und Alice hört die Wahrscheinlichkeit auf, solchen Personen jemals im wirklichen Leben zu begegnen. Gerade Fran agiert so unrealistisch, dass man den Eindruck hat, es musste einfach so gebogen werden, damit die Geschichte funktioniert. Und was Alice alles erlebt ist einfach im Reich der Phantasie anzusiedeln. Auch die anderen Figuren sind wenig glaubwürdig, allein schon durch ihre raren plausiblen Aktionen. Dass dann auch noch alle in einer Beziehung zueinander stehen, die sich im Laufe der Geschichte offenbart gibt dem Ganzen den Rest. Der Schluss erklärt alles, hat eine gehörige Portion Dramatik, aber leider noch sehr viel mehr aus dem Reich der Phantasie.

Ein flüssiger Stil entschädigt hält den Leser bei der Stange

Der Autorin muss man zugute halten, dass sie es versteht ihren Thriller zu vermitteln. Flüssig geschrieben, mit glaubwürdigen Dialogen ist er sehr lesefreundlich. Dadurch kann man über so manche „problematische“ Stelle hinweg schmökern und ist bereit dem Buch weiterhin eine Chance zu geben. Bleibt zu hoffen, dass man beim nächsten Thriller nicht den Schreibstil bemühen muss um bei der Stange zu bleiben. Ich hoffe auf eine weitere phantasievolle Geschichte, die hoffentlich auch den ein oder anderen mystischen Touch hat, ohne aber ins Unglaubwürdige abzugleiten – wir dürfen gespannt sein!

Fazit

Ein typischer Thriller von C.J. Tudor. Wenn man auf Logik und Realitätsnähe verzichten kann, findet man in „Schneewittchen schläft“ Spannung, gepaart mit einer Brise Mystik, und überhaupt eine gut geschriebene Geschichte. Nur Spiegeln wird man danach vielleicht aus dem Weg gehen.

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