Dunkelsommer

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

- OT: Silvervägen

- aus dem Schwedischen von Kerstin Schöps

- TB, 400 Seiten

Couch-Wertung:

52°
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Carola Krauße-Reim
Und es passiert – nichts!

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2021

„Dunkelsommer“ ist das 2018 im Original erschienene Debüt der heute in den Vereinigten Staaten lebenden Schwedin Stina Jackson. Viel beachtet und auch ausgezeichnet wurde jetzt, nach der deutschen Erstausgabe 2019, die Taschenbuchausgabe veröffentlicht.

Lina verschwand spurlos

Vor drei Jahren verschwand Lina in Norrland, einem dünn besiedelten Teil Nordschwedens. Seitdem sucht sie ihr Vater Lelle jeden Sommer. Nacht für Nacht fährt er die einsame Straße ab, an der Lina auf den Bus wartete, immer auf der Suche nach Hinweisen auf den Verbleib seiner Tochter. Zeitgleich verschlägt es Meja und ihre Mutter in die Abgeschiedenheit. Sie freundet sich mit Carl-Johann an, der aus einer Familie mit ungewöhnlichen Ansichten stammt. Dann verschwindet ein weiteres Mädchen.

Lelle fährt und fährt und fährt

Jackson hat ihre Geschichte in zwei Erzählstränge geteilt: In einem dürfen wir Lelle auf seinen einsamen Fahrten durch die fahle Mittsommernacht begleiten; im anderen erleben wir Meja, die sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden muss. Dabei kommt leider keine Spannung auf, was nicht zum Schluss an der sehr eindimensionalen Figurenzeichnung liegt. Den Charakteren fehlt es an Tiefe und Vielschichtigkeit. Lelle wird auf den suchenden Vater reduziert, Meja auf die gebeutelte Tochter einer drogenabhängigen Mutter. Lelles Verzweiflung wird lediglich durch seine zwanghaften Fahrten ausgedruckt, Mejas Hintergrund so gut wie überhaupt nicht durchleuchtet. Gerade bei ihr wäre mit einer abhängigen Mutter, die immer auf der Suche nach dem finanzkräftigen Versorger ist, einiges mehr herauszuholen gewesen. Doch so passiert bis Seite 340 (von 396!) so gut wie nichts. Und dann befindet man sich auch schon in Teil II des Buches, in dem noch eine dritte Person eingeführt wird. Die einzelnen Teile werden noch vor dem eigentlichen Ende der Geschichte zusammengefügt und nehmen so schon vor dem Finale den marginal vorhandenen Schwung komplett raus. Es ist gut, dass der Verlag das Buch als „Roman“ bezeichnet hat, denn ein Thriller ist es wahrlich nicht, obwohl das Cover vermuten lassen könnte, dass man es hier mit einem Nordic-Noir zu tun hat.

Nordschweden hat mehr Bäume als Einwohner

Ein Pluspunkt des Buches ist die treffende Beschreibung der Landschaft Nordschwedens. Die Einsamkeit, selbst auf dem „Silverägen“, der einzigen Straße ist fühlbar. Bäume, links und rechts, sonst nichts, nur das verlassene und heruntergekommene Bushäuschen, ab und zu eine kleine Ansiedlung oder einzelne Häuser. Auch die Abgeschiedenheit des neuen Zuhauses von Meja ist greifbar. Der vernachlässigte Hof liegt mitten im Wald, genauso wie der ihres Freundes Carl-Johann. Diese ziemlich trostlose Atmosphäre fängt die Autorin gut ein, auch, wenn vielleicht manchmal ein bisschen zu häufig ist.

Fazit

„Dunkelsommer“ ist ein wenig anspruchsvoller Roman, der am Fehlen von Tiefe in den Figuren und im Plot krankt. Auch wenn es das Cover vermuten lässt, hat dieses Buch nichts von einem Nordic-Noir und dürfte damit jeden Fan dieses Genres enttäuschen.

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